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Entscheidung zur Treitschkestraße ein Trauerspiel

Pressemitteilung vom 17. Januar 2003

Als „Trauerspiel“ hat die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) die Entscheidung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) Steglitz-Zehlendorf zur Beibehaltung des Namens der Treitschkestraße in dem südwestlichen Berliner Stadtteil bezeichnet. Das Bezirksparlament lehnte in seiner Sitzung am 15. Januar mit der Stimmenmehrheit von CDU und FDP den Antrag auf Umbenennung der nach dem Historiker Heinrich von Treitschke benannten Straße ab. Treitschke hatte 1879 mit dem Satz „Die Juden sind unser Unglück“ den Berliner Antisemitismusstreit ausgelöst und wesentlich dazu beigetragen, den Antisemitismus in Deutschland gesellschaftsfähig zu machen.

Mit der Entscheidung der BVV geht der jahrelange Streit um den Straßennamen im Berliner Stadtteil Steglitz in eine neue Runde. „Wenn es im Bezirksparlament keine Mehrheit für eine Straßenumbenennung gibt, muss das eben auf einer höheren Ebene entschieden werden“, sagte der ASF-Pressesprecher Johannes Zerger. „Schließlich kann es den Berlinerinnen und Berlinern nicht egal sein, ob in ihrer Stadt einer der bedeutendsten Wegbereiter des Antisemitismus in Deutschland mit einem Straßennamen geehrt wird.“

Die Umbenennung der Berliner Treitschkestraße in Kurt-Scharf-Straße hatte die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Oktober gemeinsam mit bekannten Persönlichkeiten, darunter Iris Berben, Hildegard Hamm-Brücher, Hanna-Renate Laurien, Rita Süssmuth und Antje Vollmer, in einem Offenen Brief gefordert. Mit der Umbenennung in Kurt-Scharf-Straße soll ein Mann gewürdigt werden, der in der Bekennenden Kirche aktiv gewesen war und als Berliner Bischof und Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sich in herausragender Weise für Frieden, Gerechtigkeit und Demokratie eingesetzt habe. Bis zu seinem Tod im Jahr 1990 predigte Scharf jeden ersten Sonntag im Monat in der Evangelischen Patmos-Gemeinde an der Treitschkestraße. Als Vorsitzender der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste hatte Scharf 1982 in einer Rede vor der UNO-Vollversammlung zur Ächtung sämtlicher Atomwaffen aufgerufen.

Ein Beschluss aus dem Jahr 2000, einen Teil der Treitschkestraße in Kurt-Scharf-Straße umzubenennen, war nach der Bezirksfusion rückgängig gemacht worden, als sich herausstellte, dass Straßen dieser Länge nicht unterteilt werden dürfen. Anlässlich des 100. Geburtstags von Kurt Scharf am 21. Oktober hatten die Unter­zeichnerInnen des Offenen Briefes alle politisch Verantwortlichen dazu aufgerufen, sich für die Straßenumbenennung einzusetzen.

Den Wortlaut des Offenen Briefes und ein Kurzgutachten zu Heinrich von Treitschke und dem Berliner Antisemitismusstreit finden Sie unter www.asf-ev.de/aktuell/021009.shtml.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Johannes Zerger (Referent für Öffentlichkeitsarbeit), Auguststr. 80, 10117 Berlin, Telefon: 030/28395-203, Fax: 030/28395-135, E-Mail: zerger[at]asf-ev[dot]de

 

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»Der Krieg ist hier manchmal so präsent, so zeitlich nah, dass ich zumindest eine leise Ahnung von den Geschehnissen KRIEGe. Und in diesen Momenten weiß ich, wie wichtig der Ort Wolgograd für die russische und deutsche Geschichte ist.«

Ulrike Bischoff, 20 Jahre, ASF-Freiwillige in Wolgograd

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