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Keine Tierrechtskampagne mit Holocaustbildern

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste fordert Prominente auf, der Tierrechtsorganisation PeTA die Unterstützung zu entziehen

In einem Offenen Brief an 30 Prominente hat die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) heute gegen die Kampagne "Holocaust auf deinem Teller" protestiert und die UnterstützerInnen der Tierrechtsorganisation PeTA (People for the Ethical Treatment of Animals) aufgefordert, dem Verein die Unterstützung zu entziehen. Die für März geplante Kampagne, die mit der Gegenüberstellung der Fotos von Schweinen, Hühnern und Rindern und den Bildern von KZ-Opfern die Tötung von Tieren anzuprangern versucht, sei "eine skandalöse Verharmlosung des Holocaust" heißt es in dem Offenen Brief. Die PeTa-Kampagne treibe die Perversion der Instrumentalisierung des Holocaust für Werbungszwecke auf die Spitze. ASF ruft die Prominenten, mit deren Unterstützung PeTA auf der eigenen Website wirbt, dazu auf, sich für eine Verhinderung der Kampagne einzusetzen.

Im Folgenden der Wortlaut des Offenen Briefs:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen in Zusammenhang mit den Presseberichten über die von der Tierrechtsorganisation PeTA (People for the Ethical Treatment of Animals) geplanten Kampagne "Holocaust auf deinem Teller", die mit der Gegenüberstellung der Bilder von Schweinen, Hühnern und Rindern und den Fotos von KZ-Opfern die Tötung von Tieren anprangert. PeTA ist mit über 750.000 Mitgliedern die weltweit größte Tierrechtsorganisation. "Ziel der Organisation ist es, durch Aufklärung, Veränderung der Lebensweise und Aufdecken von Tierquälerei jedem Tier zu einem besseren Leben zu verhelfen." (PeTA-Website). Nach den Angaben auf der ARD-Homepage und der Website von PeTA unterstützen Sie diese Organisation. Deshalb wende ich mich mit der dringenden Bitte an Sie: Entziehen Sie PETA Ihre Unterstützung und tragen Sie dazu bei, dass die geplante Kampagne "Holocaust auf deinem Teller" nicht gestartet wird.

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste arbeitet seit mehr als 40 Jahren mit jungen Menschen in Ländern, die unter dem Nationalsozialismus gelitten haben. Im Rahmen dieser internationalen Freiwilligendienste versuchen wir gemeinsam zu verstehen, wodurch ein solches Verbrechen wie der Holocaust überhaupt möglich war und welche Folgen er bei den Überlebenden und ihren Nachkommen bis heute hat. Und wir beschäftigen uns mit der Frage, wie heute gegen Antisemitismus, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit vorgegangen werden kann. Wir stoßen in diesem Zusammenhang insbesondere in Deutschland immer wieder auf Versuche, beliebige gesellschaftliche oder politische Probleme mit dem Verweis auf den Holocaust zu dramatisieren. Im Namen der Überlebenden und eines wirklichen Verstehens dessen, was Menschen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern anderen Menschen zugefügt haben, können wir solche Instrumentalisierungen des Holocaust für Werbungszwecke nur ablehnen.

PeTA treibt mit der geplanten Kampagne "Holocaust auf deinem Teller" diese Perversion auf die Spitze. In der Panorama-Sendung vom 23.10.2003 wird ein Werbespot, der bildlich die Ermordung der Juden im Vernichtungslager mit der Schlachtung von Schweinen parallelisiert, mit der Stimme von Thomas D. ("Die fantastischen Vier") und folgendem Text unterlegt:

"Sie holten uns in der Dunkelheit und trieben uns mit Schlägen in die Waggons, ohne Wasser, ohne Nahrung und kaum Luft zum Atmen. Wir schrieen. Nach und nach verstummten die Schreie. Inzwischen sind viele von uns tot."

Thomas D. kann sogar noch sagen, dass der "Mord" an den Schweinen viermal schlimmer ist als der Massenmord an den Juden, weil "viermal soviel Schweine" umgebracht werden wie damals Juden im Dritten Reich. Wir halten dies für eine skandalöse Verharmlosung des Holocaust, die unseren schärfsten Protest herausfordert. Und wir fragen Sie: Können Sie eine solche Kampagne unterstützen?

Es steht auch für uns außer Frage, dass die Bedingungen der Tierhaltung verbessert werden müssen und dass mit geschöpflichem Leben nicht so umgegangen werden kann, wie dies bei Transporten und in der Massentierhaltung geschieht. In diesem Zusammenhang den Vergleich mit dem Völkermord an den Juden als Dramatisierungseffekt heranzuziehen, scheint uns allerdings in höchstem Maße unangemessen. Um Tierschutz oder Tierrechte zu propagieren braucht man keinen Vergleich mit Morden an Menschen - welcher Art auch immer! Der Verdacht liegt nicht ganz fern, dass mit diesem Vergleich auch die Brutalität und die Monströsität des Völkermordes der deutschen Nationalsozialisten an den Juden, den Sinti und Roma sowie der millionenfachen Mord an sowjetischen Kriegsgefangenen relativiert werden soll.

Deshalb bitten wir Sie dringend, einer Organisation, die solche Kampagnen plant und sie auch noch in einer skandalösen Weise rechtfertigt, die Unterstützung zu entziehen und durch Ihr öffentliches Gewicht dazu beizutragen, dass die Kampagne "Holocaust auf deinem Teller" noch vor ihrem Start gestoppt wird.

In der Hoffnung, dass Sie dieser dringenden Bitte entsprechen, verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Dr. Christian Staffa
Geschäftsführer

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Johannes Zerger, Referent fürÖffentlichkeitsarbeit und Fundraising, Aktion SühnezeichenFriedensdienste, Auguststr. 80, 10117 Berlin, fon: 030 - 28395-203, fax:030 - 28395-135, E-Mail: zerger[at]asf-ev.de

 

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»Der Krieg ist hier manchmal so präsent, so zeitlich nah, dass ich zumindest eine leise Ahnung von den Geschehnissen KRIEGe. Und in diesen Momenten weiß ich, wie wichtig der Ort Wolgograd für die russische und deutsche Geschichte ist.«

Ulrike Bischoff, 20 Jahre, ASF-Freiwillige in Wolgograd

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