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Für eine differenzierte Erinnerungskultur

ASF kritisiert Initiative zur Neuordnung der Gedenkstätten in Deutschland
Pressemitteilung vom 15. Juni 2004

Der Vorstand der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) hat den Antrag zur "Förderung von Gedenkstätten zur Diktaturgeschichte in Deutschland" kritisiert, den eine Gruppe von Abgeordneten der CDU-/CSU-Bundestagsfraktion am 17. Juni 2004 in den Bundestag einbringen will. Die Beschlussvorlage der Parlamentarier um den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler Günter Nooke unterscheide sich kaum von ihrer Vorfassung, die nach Protesten Anfang des Jahres zurückgezogen worden war, heißt es in einer heute verbreiteten Erklärung des ASF-Vorstands:

"Auch der neue Entwurf ist an vielen Stellen sachlich falsch und politisch unpräzise. Er verwischt die grundlegenden Unterschiede zwischen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und den SED-Verbrechen und befördert die Tendenz zur Wiederbelebung des deutschen Opfermythos, die seit einiger Zeit zu beobachten ist. Daher bekräftigt ASF ihre bereits in der Vergangenheit geäußerte Kritik an dem Vorhaben und unterstützt die ausführliche Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft der KZ-Gedenkstätten in der Bundesrepublik Deutschland.

ASF fordert den Deutschen Bundestag auf, sich Versuchen eines erinnerungspolitischen Paradigmenwechsels zu widersetzen und an den bisherigen Grundsätzen der Konzeption zur Gedenkstättenförderung des Bundes aus dem Jahr 1999 festzuhalten.

Die tendenzielle Gleichsetzung der beiden Diktaturen, die trotz geringfügiger Umformulierungen auch den neuen Antrag der CDU-Abgeordneten unter Federführung von Günter Nooke kennzeichnet, wird den qualitativen, in der historischen Forschung deutlich herausgearbeiteten Unterschieden zwischen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik und den SED-Verbrechen sowie dem unterschiedlichen internationalen Bezugsrahmen der beiden Diktaturen keineswegs gerecht.

Die in der Beschlussvorlage angesprochene Errichtung von nationalen Gedenkstätten für "die Opfer von Krieg und Vertreibung" sowie der "zivilen Opfer der alliierten Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs" benötigt unseres Erachtens weitere Diskussionen. So richtig eine konzeptionelle Integration dieser Komplexe in das kollektive Gedächtnis ist, so wichtig ist es zugleich bei der konkreten Ausgestaltung verlässlich dafür Sorge zu tragen, dass nicht die deutsche Opfergeschichte in den Vordergrund gerückt wird. Eine selbstkritische Auseinandersetzung mit Fragen nach Schuld und Täterschaft und deren Auswirkungen auf die Nachgeschichte ist nach wie vor von zentraler Bedeutung. Der Antrag bleibt in dieser Hinsicht viele Anworten schuldig. In der jetzigen Form trägt er nicht zu einem differenzierten Verständnis der Vergangenheit bei und leistet keinen Impuls für eine angemessene Bearbeitung der Leiderfahrungen Deutscher in Folge von Nationalsozialismus und Zweitem Weltkrieg.

Die kritische Auseinandersetzung mit den beiden deutschen Diktaturen gehört ohne jeden Zweifel zu den Kernelementen einer gesamtdeutschen demokratischen Geschichtskultur. Statt um Konkurrenzdenken und Ressentiments muss es allerdings um eine Versachlichung der Debatte gehen."

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Johannes Zerger, E-Mail: zerger[at]asf-ev.de, Telefon: 030/28395-203, Fax: -135

 

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»Der Krieg ist hier manchmal so präsent, so zeitlich nah, dass ich zumindest eine leise Ahnung von den Geschehnissen KRIEGe. Und in diesen Momenten weiß ich, wie wichtig der Ort Wolgograd für die russische und deutsche Geschichte ist.«

Ulrike Bischoff, 20 Jahre, ASF-Freiwillige in Wolgograd

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