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Irgendwann muss Schluss sein: IG Farben endlich auflösen! Restvermögen soll in Zwangsarbeiterstiftung fließen
Pressemitteilung vom 18.8.2000
Anlässlich der Aktionärsversammlung der I.G. Farben AG in Abwicklung (i.A.) am 23. August 2000 in Frankfurt am Main hat die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) die sofortige und endgültige Auflösung der Liquidationsfirma gefordert und zur Teilnahme an den geplanten Protestaktionen aufgerufen. Das Restvermögen des einstigen Chemieimperiums soll in die vom Bundestag beschlossene Stiftung zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter fließen.
"Es ist mehr als zynisch", heißt es in einer Erklärung der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste vom 18. Au-gust 2000, "dass die deutsche Wirtschaft den zugesagten Anteil zur Entschädigungsstiftung für ehemalige Zwangsarbeiter bislang nicht aufgebracht hat, und dass die Abwicklungsgesellschaft des größten Industrie-konzerns der NS-Zeit so tut, als ob das Ganze mit ihr nichts zu tun habe. Das gesamte Restvermögen der I.G. Farben i.A. in Höhe von mindestens 24,4 Millionen Mark muss schnellstmöglich in die von Wirtschaft und Regierung gegründete Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" zur Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter fließen! Es ist ein Unding, dass die Liquidatoren die Auflösung der Firma seit fast 50 Jahren mit immer neuen Argumenten verschleppen und Anteilsscheine des Unternehmens bis heute an der Börse gehandelt werden.
Die von der I.G. Farben i.A. zuletzt im vergangenen Jahr beschlossene Stiftung zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter ist bis heute nicht gegründet worden. Die von den Liquidatoren in Aussicht gestellte Gründung bis spätestens Anfang 2001 erscheint angesichts jahrelanger Verzögerungen als wenig glaubwürdig. Mit einer Ausstattung von 3 Millionen Mark handelt es sich dabei ohnehin nur um einen schlechten Scherz. Da für die Entschädigung nur die Zinserträge in Höhe von etwa 300 000 Mark vorgesehen sind, sollen die Sklavenarbeiter offenbar mit Minimalbeträgen abgespeist werden.
Auch mit der 1958 an die Jewish Claims Conference bezahlten Summe von knapp 30 Millionen Mark, auf die sich die Liquidatoren gerne berufen, hat I.G. Farben i.A. keineswegs die volle Verantwortung für ihre Verstrickung in den NS-Terror übernommen. Die große Zahl sogenannter "Nationalverfolgter" aus Osteuropa, also Menschen, die allein wegen ihrer Staatsangehörigkeit Zwangsarbeit leisten mussten, war seinerzeit von der Entschädigung ausgeschlossen.
Der I.G. Farben-Konzern hat in der NS-Zeit rund 350 000 Zwangsarbeiter ausgebeutet und lieferte das Giftgas Zyklon B für den industriellen Massenmord im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Mindestens 30 000 Arbeitssklaven wurden im firmeneigenen Konzentrationslager Monowitz bei Auschwitz getötet. Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ruft zur Beteiligung an den Protestaktionen gegen I.G Farben am 23.8.2000 um 8.00 Uhr vor der Stadthalle Bergen-Enkheim auf."
Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Johannes Zerger (Referent für Öffentlichkeitsarbeit), Auguststr. 80, 10117 Berlin, Telefon: 030/28395-203, Fax: 030/28395-135, E-Mail: zerger[at]asf-ev[dot]de, Internet: www.asf-ev.de
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