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Gegen eine einseitige Erinnerung

Presseerklärung zum 9. November 1999

Mit großem Befremden hat der Vorstand von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste die Planungen und die Diskussion um die von der bundesdeutschen Regierung durchgeführte Veranstaltung zum 10. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November zur Kenntnis genommen. Der Jahrestag der Reichspogromnacht scheint sowohl in der Veranstaltung wie auch in der öffentlichen Debatte um diese Veranstaltung überhaupt keine Rolle zu spielen. Das Fehlen eines Redners oder einer Rednerin des Zentralrates der Juden in Deutschland ist in diesem Zusammenhang ein sprechendes Zeugnis für ein unverzeihliches Versäumnis der Veranstalter. Es könnte auch mehr sein, nämlich ein Akt der Verdrängung.

Selbstverständlich ist der 10. Jahrestag des Mauerfalls bei allen deutsch-deutschen Schwierigkeiten ein Grund zum Feiern. Die Freude über diesen gewaltfreien Akt der Selbstbestimmung darf aber erstens nicht über das Anwachsen an Fremdenfeindlichkeit in dem vereinigten Deutschland hinwegsehen und zweitens nicht das Gedenken an den mörderischen Entzug der Selbstbestimmung für die Juden in Deutschland und deren Vertreibung und Ermordung verdrängen. Wir sind erschüttert, daß nach Jahrzehnten des Beteuerns der Wichtigkeit der Geschichte des Nationalsozialismus für die Gegenwart eine solche Veranstaltung zum 9. November noch möglich ist. Eine Veranstaltung, die sich die Chance entgehen läßt, zumindest diese beiden zentralen "9. November" miteinander ins Gespräch zu brin-gen. Eine Chance, die in dem Titel der Abschlußveranstaltung im Haus der Kulturen angedeutet und durch den ausschließlichen Bezug auf den Mauerfall vertan ist: "10 Jahre Mauer - Impulse aus der Erinnerung für die Zukunft"

Auch der Satz von Fritz Stern in seiner Dankesrede während der diesjährigen Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels deutet diese Chance an: "Der Nationalsozialismus vergeht nicht, und in einigen dunklen Ecken sieht man, daß der Reiz der reinen Volksgemeinschaft auch jetzt noch verlockend wirkt." Er sagt dies in einer Rede, in der er sich wünscht, daß die Deutschen dankbarer für die Vereinigung seien.

Das Feiern des Mauerfalls und das Erinnern an die brutalen Anfänge der Vertreibung und Ermordung der Juden stehen miteinander in Verbindung. Daran ändert auch das Auslassen der Erinnerung nichts. Das zeigt, daß trotz geschändeter jüdischer Friedhöfe einerseits und eines als erreicht geglaubten Standards der Nachdenklichkeit und des Gedenkens andererseits diese Geschichte und ihre Folgen für die Gegenwart von den politisch Verantwortlichen und der medialen Öffentlichkeit nicht angenommen sind.

Diese ausschließlich auf die deutsche Vereinigung ausgerichtete Veranstaltung zum 9. November widerstreitet so dem Bemühen all derer, die in Bildungsarbeit und Politik sich dem Antisemitismus, der Fremdenfeindlichkeit und der Verdrängung der Bedeutung der Geschichte des Nationalsozialismus für die Gegenwart entgegenstellen.

Für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Dr. Christian Staffa, Geschäftsfüher - Dr. Manfred Karnetzki, Vorstandsvorsitzender

 

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»Der Krieg ist hier manchmal so präsent, so zeitlich nah, dass ich zumindest eine leise Ahnung von den Geschehnissen KRIEGe. Und in diesen Momenten weiß ich, wie wichtig der Ort Wolgograd für die russische und deutsche Geschichte ist.«

Ulrike Bischoff, 20 Jahre, ASF-Freiwillige in Wolgograd

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