![]() | |
|
ASF-Buchrezensionen
Wir rezensieren für Sie und für euch Bücher mit gesellschaftpolitischen Schwerpunkten, die einen Bezug zum ASF-Themenbereich haben.
"Jureks Erben – Vom Weiterleben nach dem Überleben"
Katarina Bader, Jureks Erben – Vom Weiterleben nach dem Überleben, Köln 2010, ISBN 978-3-462-04200-9, Preis: 19,95 €
Eine Rezension von Christian Buchholz, Schuldekan i.R., Dürnau
Katarina Bader – eine junge Journalistin aus Württemberg und Dozentin in München, 2007 ausgezeichnet mit dem deutsch-polnischen Journalistenpreis – müht sich um die Lebens- und Leidensgeschichte des Auschwitz-Überlebenden Jerzy Hronowski, wird in dessen Weg einbezogen und lässt sich auf einen eigenen, mit ihm verwobenen und verschränkten Lernprozess ein.
„NS-Täter und Bürger der Bundesrepublik – Das Beispiel des Dr. Gerhard Klopfer“
NS-Täter und Bürger der Bundesrepublik – Das Beispiel des Dr. Gerhard Klopfer“, Ulm/2010, Klemm&Oelschläger, ISBN 978-3-932577-72-7., 19,80 Euro
Eine Rezension von Rim Irscheid
Ich wusste nichts von der Vernichtung der Juden.“ Derartige Sätze hörte man oft von NS-Tätern. Einem dieser Täter ist das Buch „NS-Täter und Bürger der Bundesrepublik“ von Markus Heckmann gewidmet: Dr. Gerhard Klopfer, Staatssekretär des NS-Regimes. Der frühere Ministerialdirektor der NSDAP wollte sich während seines Prozesses 1948 kaum noch an die Einzelheiten der Wannsee-Konferenz erinnern, zu deren Teilnehmerkreis er gehört hatte, und wo die Vernichtung der europäischen Juden beschlossen wurde.
"Man weiß verdammt noch mal heute nicht, was morgen kommt"
Die neu entdeckten Briefe des Philip Slier
Deborah Slier, Ian Shine, Der letzte Sommer des Philip Slier. Briefe aus dem Lager Molengoot 1942. Aus dem Englischen übersetzt von Jutta Bretthauer, Osburg Verlag 2009
Eine Rezension von Aleida Assmann, Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz
Im Juli 2009 wurde das Tagebuch der Anne Frank von der UNESCO in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen. Drei Monate später ist ein Buch in deutscher Sprache erschienen, das als ein Gegenstück zum Tagebuch der Anne Frank gelesen werden kann. Es enthält 86 Briefe des 17-jährigen Philip (Flip) Slier aus Amsterdam, die dieser im Jahre 1942 aus dem Zwangsarbeitslager Molengoot 6 Monate lang an seine Eltern geschrieben hat. Die Eltern haben die Briefe 1943 vor ihrer Deportation in der Decke ihrer Wohnung versteckt. 1997 wurden sie entdeckt, als das Haus abgerissen wurde. Das Paket gelangte an die Cousine Deborah Slier in den Vereinigten Staaten, die die Briefe im Jahr 2008 in einer us-amerikanischen Ausgabe publiziert hat.
"Der Erfolg der Idee Sühnezeichen liegt in der Dimension der tätigen Umsetzung"
Gabriele Kammerer: Aktion Sühnezeichen Friedensdienste – Aber man kann es einfach tun
Eine Rezension von Aleida Assmann, Professorin für Anglistik und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Konstanz
Zum 50. Jubiläum der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ist ein Buch erschienen, das die Geschichte dieser Organisation von der ersten Idee und den Anstrengungen und Erfolge ihrer Umsetzungen bis zum heutigen Tag zusammenfasst. Was die Autorin daraus gemacht hat, ist weit mehr als ein Rechenschaftsbericht; sie hat ein eindrucksvolles Kapitel deutscher Geistesgeschichte und der Geschichte internationaler Beziehungen unterhalb der Schwelle offizieller Diplomatie geschrieben.
"ausgesteuert – ausgegrenzt … angeblich asozial"
|
Ausgesteuert – ausgegrenzt … angeblich asozial, AG SPAK – Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Arbeitskreise, Berlin 2009, 351 Seiten, 28 Euro
Eine Rezension von Heike Kleffner, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e. V.
„Weit später, nach der Wende, sah ich in einer Kopie der Transportlisten, dass hinter meinem Namen ein Fragezeichen stand. Nur deshalb habe ich wohl überlebt“, schreibt Elvira Manthey, Jahrgang 1931. Sie ist eine der AutorInnen des Sammelbandes „ausgesteuert – ausgegrenzt … angeblich asozial“ über den staatlichen Mord an „devianten“ und gesellschaftlich randständigen Menschen im Rahmen des T4-Programms der Nationalsozialisten und dessen Nachfolgeprogrammen. Eva Manthey wächst als Kind einer so genannten „asozialen Großfamilie“ während des NS in verschiedenen Fürsorgeheimen und psychiatrischen Einrichtungen in Sachsen-Anhalt auf; als „schwachsinnig“ und „erbkrank“ abgestempelt, überlebte sie nur durch Zufall das „Euthanasie“-Programm – und musste miterleben, wie in ihrer unmittelbaren Nähe Kleinstkinder und Erwachsene durch Giftspritzen ermordet wurden.
Weiter ->
"An Grenzen. Acht Reisen durch Israel und Palästina"
Elisabeth Weydt / Florentine Dame (Hrsg.), An Grenzen. Acht Reisen durch Israel und Palästina, Verlag Ralf Liebe, Weilerswist 2008 (2. Auflage 2009). EUR 15,00. ISBN: 3‑35221-96-7
Eine Rezension von Christoph Meyer, Bremen
Zu vielen Ländern und Regionen gibt es Stereotype, werden Vorurteile oder Ansichten gepflegt, medial vermittelt oder durch Medien erst erzeugt. In besonderer Weise gilt dies für Israel und Palästina – dieser kleine Landstrich, der immer wieder auf ein düsteres Bild gewalttätiger Auseinandersetzungen, Hass und erbitterten Gegensatz reduziert wird. In den Hintergrund gerät dabei die Frage nach den Menschen, die dort leben.
Acht junge Deutsche – alle unter 30 Jahren – haben sich im Jahr 2007 aufgemacht, dieses Leben hinter den Bildern von Angst, Gewalt und Hass zu suchen. Sie reisten für drei Wochen in Zweiergruppen durch Israel und Palästina. Dabei trafen sie auf Menschen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, mit unterschiedlichen politischen und religiösen Einstellungen: Friedensaktivisten in Nablus, Amos Oz am Toten Meer oder Beduinen in der Wüste, Studenten, Künstlern und Politikern. Die Reisenden waren neugierig. Sie stellten Fragen, sie hörten zu und waren bereit.
Juristische Aufarbeitung der Schoa
Thomas Blatt: "Sobibor - der vergessene Aufstand", rat/Unrast Verlag, 254 S., ISBN: 3-89771-813-8
Nachwort von Heike Kleffner und Miriam Rürup
Der Prozess gegen John Demjanjuk am Landgericht München ist das vorerst letzte Kapitel in der juristischen Aufarbeitung der Schoa in den Vernichtungslagern der so genannten "Aktion Reinhardt". Schon in den 1960er und 1970er Jahren standen deutsche Angehörige der SS-Wachmannschaft von Sobibor u.a. in Hagen vor Gericht. Sie waren an der Ermordung von rund 250.000 Männern, Frauen und Kindern im Vernichtungslager Sobibor beteiligt - und dennoch verließen die meisten von ihnen die Gerichtssäle ohne nennenswerte Strafen.
Das folgende Nachwort zum Buch des Sobibor-Überlebenden Thomas "Toive" Blatt "Sobibor - der vergessene Aufstand" (rat/Unrast Verlag, S. 254 S., ISBN: 3-89771-813-8) untersucht die Prozesse gegen Angehörige der SS-Wachmannschaft und deren Rezeption in den deutschsprachigen Medien.
Hier geht es zum Download des Nachworts ->
„Wir haben sie nie wieder gesehen. Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus“
Damian Grams, Micha Thom: „Wir haben sie nie wieder gesehen. Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus“ Mit einem Vorwort von Richard David Precht, 2009 Wochenschau Verlag, Schwalbach/Ts. ISBN 3-89974526-4, 19, 80 €
Eine Rezension von Natalie Rossow
„Gegenwart und Zukunft lassen sich nur gestalten durch Eingedenken an das Vergangene.“, schreibt der Schriftsteller Richard David Precht im Vorwort des Buches „Wir haben sie nie wieder gesehen“. Das Buch von Damian Grams und Micha Thom sowie der Projektgruppe des Jugendmigrationsdienstes vom Internationalen Bund in Solingen beschäftigt sich eingehend mit der Frage, wie Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund zu einer aktuellen und angemessenen Form des Erinnerns, Gedenkens und der Aufarbeitung der NS- Geschichte finden können.
„Die H. ist Jüdin! Aus dem Leben von Aumunder Juden nach 1933“
Ingbert Lindemann: „Die H. ist Jüdin! Aus dem Leben von Aumunder Juden nach 1933“ Mit einem Vorwort von Hans Koschnic, 2009 Donat Verlag, Bremen, ISBN 978-3-938275-58-0, 12, 80 €
Eine Rezension von Natalie Rossow
Marie Huntemann, Jüdin und Christin aus dem Bremer Vorort Fähr/ Lobbendorf wählt am 20. Juli 1942 den Freitod in der Weser – wenige Tage vor ihrer Deportation ins Konzentrationslager Theresienstadt. 41 Jahre nach dem Tod der 79jährigen Marie Huntemann stößt Ingbert Lindemann, Pastor der evangelisch-lutherischen Christophorusgemeinde Aumund/ Fähr, bei den Nachforschungen über die Geschichte seiner Gemeinde auf das Schicksal von Marie Huntemann.
„Opposition gegen das System Putin. Herrschaft und Widerstand im modernen Russland.“
Ulrich Heyden / Ute Weinmann: „Opposition gegen das System Putin. Herrschaft und Widerstand im modernen Russland“, 2009 Rotpunktverlag, Zürich, ISBN 978-3-85869-389-1, 24, 00 €
Das Buch „Opposition gegen das System Putin. Herrschaft und Widerstand im modernen Russland“ der Journalistin Ute Weinmann und des Moskaukorrespondent Ulrich Heyden füllt eine zentrale Lücke in der Russlandberichterstattung: Die AutorInnen beschreiben faktensicher, analytisch und unterhaltsam die russische Wirklichkeit jenseits des Präsidentenpalastes; sie zeichnen ein facettenreiches Porträt sozialer Protestbewegungen und ihrer Bedeutung für die russische Gesellschaft.
Hier geht es zur Buchrezension weiter->








