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Ein Freiwilligenbericht von Martin Bielefeld
Eine Folkehogskole ist ein spezielles Modell der politischen Jugendbildung, dass es in dieser Form nur in Skandinavien gibt. Erfunden in Dänemark, hat sich dieses Modell weit in Skandinavien verbreitet. Das Angebot der Schule richtet sich an junge Erwachsene ab dem 18. Lebensjahr und wird von vielen als Orientierungsjahr“ genutzt. Jede Folkehogskole ist unterschiedlich. Es gibt keine Instanz von außen, die der Schule vorschreibt, was zu unterrichten ist und was nicht. Jede Folkogskole hat ihre eigenen Angebote und Schwerpunkte, die sie den jungen Erwachsenen anbietet. Eine Folkehogskole ist – um es kurz zu machen: Eine Schule fürs Leben !
Was ist das besondere die Lundheim Folkehogskole ?
Die Lundheim Folkehoskole ist eine von vier integrativen Folkehogskolen in ganz Norwegen. Es wird das Modell der doppelten Integration verfolgt und gelebt, d.h. behinderte und nicht behinderte SchülerInnen leben und lernen zusammen. So bekommt die eine Gruppe Einblicke in das Leben der anderen. Dies sorgt für wichtige Erfahrungen und mehr Verständnis füreinander. Die Behinderungen der SchülerInnen, die hier leben, sind sehr unterschiedlich. Wir haben viele SchülerInnen mit Asperberger Syndrom, einer speziellen Form von Autismus, SchülerInnen mit Spasmen (z.B. CP) u.v.m. Es braucht eine gewisse Zeit, um mit den Krankheitsbildern vertraut zu werden und den Umgang damit zu erlernen, aber das hab ich ganz gut hinbekommen.
Das „Linienangebot“ der Lundheim Folk0gskole
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Aus einem vielfältigem Programm, dazu gehören kreative geistige und lörperliche Aktivitäten, Computer, Theater, Fotografie, Kunst, Musik, Film und vieles mehr, können die SchülerInnen zwei Linien wählen an denen sie teilnehmen möchten. Neben dem Unterricht in diesen Linien unternimmt jede Linie auch eine sog. Linjetur“ z.B. nach London, Lanzarote, Afrika, Dänemark, Deutschland … Als Freiwilliger in bestimmten Linien nimmst du selbstverständlich an der „Linjetur“ teil. Einmal im Jahr unternimmt ein Großteil der Schule eine Reise nach China, an der man als Assistent aber nicht teilnimmt.
Drei Arbeitsfelder für die ASF-Freiwilligen
Internatsarbeit: darunter kann man die Betreuung der behinderten SchülerInnen verstehen. Betreuung bedeutet auch gleichzeitig Hilfestellung bei unterschiedlichsten Dingen des Alltags wie z.B. Gang zur Toilette, Hilfe beim Duschen, Hilfe beim Putzen, Hilfe beim Essen u.v.m. Hier werde ich benötigt, da einige SchülerInnen aufgrund ihrer Handicaps nicht in der Lage wären, diese Dinge alleine zu erledigen. Für das Internat arbeite ich an einigen Tagen in der Woche morgens und nachmittags. Wie ich an welchen Tagen arbeite, richtet sich nach dem „Turnusplan“, den das Internat ausarbeitet. Hier gibt es verschiedene „Schichten“, die bestimmten, wann ich arbeite. Wenn ich morgens arbeite, dann helfe ich den SchülerInnen beim Aufstehen und beim Frühstück sowie bei der zweiten Mahlzeit am Tag – dem „Lunch“. Arbeite ich nachmittags so bedeutet das, dass meine Arbeit um 15 Uhr beginnt und um 22 Uhr endet. Alle drei Wochen arbeite ich auch am Wochenende von 15 bis 22 Uhr.
Internatsarbeit kann aber auch genau so gut bedeuten, dass mal am Wochenende die Toiletten der Schule geputzt werden müssen.
Arbeit im Unterricht
Neben der Internatsarbeit findet man mich auch im Unterricht. Hier bin ich Ansprechpartner und Hilfestellung zugleich. Ich arbeite in den Linien „All Round“ und „Kreativ Data“ und stehe den SchülerInnen mit Rat und Tat zur Seite. Darüber hinaus ist man dazu da, das soziale Miteinander zu fördern und eigene Ideen in den Unterricht mit einfließen zu lassen.
Miljoarbeit
Dieser Bereich ist sehr umfassend und schwer zu definieren zugleich. Hier geht es einfach darum „da-zu-sein“ - und das im positiven Sinne. Etwas mit den SchülerInnen unternehmen, sozial schwächere SchülerInnen zu integrieren und Aktivitäten zu finden, die den SchülerInnen Spaß machen. Um es kurz zu sagen: Das soziale Miteinander stärken, indem man mit den SchülerInnen etwas unternimmt. Ich gehe z.B. hin und wieder mit einem Schüler im Wald spazieren.
Andere Aktivitäten
Neben den schon genannten drei Hauptbereichen besteht natürlich noch die Möglichkeit etwas selber aufzubauen und zu gestalten – und das wird eigentlich auch gewünscht. Seit einiger Zeit habe ich hier nun meinen eigenen Deutschkurs, in dem ich einem Teil der SchülerInnen etwas Deutsch beibringe. Außerdem organisiere ich jeden Freitag einen Filmabend, für den ich die Filme auswähle und sie auch zeige. Darüber hinaus organisieren wir Assistenten an zwei Tagen in der Woche einen kleinen Kiosk, in dem wir Süßigkeiten etc. verkaufen.
Ich bin sehr froh darüber in der Lundheim Folkehogskole zu leben und zu arbeiten. Die Schule formt und entwickelt Menschen und in dieser Form ein Teil davon zu sein ist einfach schön. Lundheim ist eine große soziale Gemeinschaft und spezieller Ort. Der Integrationsgedanke und die gelebte Integration sind etwas Besonderes und davon sollte es mehr geben. In Deutschland könnte man durchaus etwas von diesem Modell lernen, aber ob die auf Leistung getrimmte Gesellschaft in Deutschland so etwas ermöglicht ist eine andere Frage. Mir hat die Arbeit auf jeden Fall aufgezeigt, wie man Menschen mit Behinderungen in eine Gesellschaft integrieren kann. Lundheim kann man als kleine Subkultur sehen. Zwar befindet sie sich in Moi, aber man lebt in Lundheim. Ich glaube das bezeichnet ganz gut, wie das Leben hier funktioniert.
Martin Bielefeld, Jahrgang 1986 aus Nordrhein-Westfalen, ist seit März 2009 Freiwilliger von Aktion Sühnezeichen in der Lundheim Folkehogskole in Moi in Norwegen.
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Der Freiwilligendienst von Martin Bielefeld wird hauptsächlich durch Spenden finanziert. Tragen Sie / tragt ihr dazu bei, dass weiterhin viele junge Menschen mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste einen Freiwilligendienste in Norwegen leisten können.








