Aktion Sühnezeichen
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Als Fremde in einem anderen Land oder "Speaking with an Accent"



Saskia Spahn (19) ist als ASF-Freiwillige seit August 2009 in London und arbeitet dort im Leo-Baeck-Institut.

 

Es mag seltsam sein, dass ich darüber schreibe, wie es sich anfühlt Ausländerin zu sein. Denn schließlich leiste ich meinen Freiwilligendienst in Großbritannien, einem westeuropäischen Land, das gerade einmal zwei Flugstunden von meinem Geburtsland entfernt ist. Hier ist mir erstmals wirklich bewusst geworden, wie sehr sich das Fremd in einem anderen Land-Sein auf jeden noch so kleinen Bereich des Lebens auswirkt.

 

Alltägliche Probleme werden für mich zu Hürden und kosten Überwindung: zum Beispiel nach dem Weg fragen, mich beim Arzt registrieren lassen oder bei der Bank anrufen. Für simple Sachen muss ich über meinen Schatten springen.  Auch wenn es nur eine Sekunde ist, die ich zögere und nachdenke, zu Hause hätte ich nicht lange gewartet. Meine Unsicherheit in der Sprache und mein Akzent entlarven natürlich, dass ich nicht von hier bin. Es sind die kleinen Dinge – zum Beispiel, dass ich bei Vorstellungen meinen Namen mindestens zwei bis drei Mal wiederholen muss, weil er einfach nicht geläufig ist - die mir bewusst werden lassen, wie sehr mein Aufwachsen in einem andersprachigen Land im Alltag doch ins Gewicht fällt.

 

Wenn ich aufgrund meines Akzents als Deutsche erkannt werde, entwickeln sich die Gespräche oft in eine Richtung, in der Ressentiments und Anekdoten über Deutschland oder das Verhältnis zwischen Engländern und Deutschland zum Besten gegeben werden.  Gerade in solchen Situationen zeigt sich, wie unsinnig Kategorisierungen und Pauschalisierungen aufgrund von Nationalitäten sind, da sie so gut wie nie stimmen und oft nur Unwohlsein hervorrufen. Und doch erinnere ich mich genau in diesen Situationen daran zurück, wie oft ich in meinem Alltag solche Pauschalisierungen benutzen habe. Ich war mir darüber nicht im Klaren, dass ich damit vielleicht den individuellen Menschen, der gerade vor uns steht und der viel zu komplex ist, um ihn oder sie in eine nationale – oder was auch immer – Schublade zu stecken, schon auf irgendeine Weise verletzt habe.

 

Diese Erfahrung lehrt mich, was es heißt in ein anderes Land zu kommen - selbst wenn es nur ein westeuropäisches ist - und in erster Linie als Mensch wahrgenommen werden zu wollen und nicht als Fremde. So möchte ich letztendlich an die Menschen erinnern, die aus vollkommen anderen Herkunftsländern oder -kulturen stammen und es schaffen müssen, in Europa zurecht zu kommen.

 

 



Der Freiwilligendienst von Saskia Spahn wird hauptsächlich durch Spenden finanziert. Tragen Sie / tragt ihr dazu bei, dass weiterhin viele junge Menschen mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste einen Freiwilligendienste in Großbritannien leisten können. 


»Zerstörung kann nicht immer ungeschehen gemacht werden, aber Beziehungen können wieder aufgebaut werden. Das gilt nicht nur für Nationen, sondern auch für Individuen, und es ist die einzig mögliche Grundlegung für Frieden.«

Erika Brooks, ASF-Freiwillige aus den USA in Berlin