Mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste war Renate Trautmann sehr lange vertraut, als Mitarbeiterin der Evangelischen Akademie Berlin-Brandenburg war sie schon dabei, als Lothar Kreyssig dort zum ersten Mal sein Anliegen und seinen Aufruf zur Gründung von ASF vorgestellt hat.
Ich lernte Renate Trautmann vor sieben Jahren kennen. Das Vorhaben, über das Ehepaar Irma und Jiri Lauscher aus Prag und sein Wirken für die deutsch-tschechische Versöhnung zu schreiben, brachte uns zusammen. Wir trafen uns mehrfach, stellten einander unsere Texte vor, oft bis weit nach Mitternacht. Sie wurde für mich die aufmerksame und äußerst kritische Lektorin. Renate Trautmann war da längst im Ruhestand. Jetzt erlebt sie die Veröffentlichung des Buches „Friede dem Fernen – Friede dem Nahen – Erinnerungen an Irma und Jiri Lauscher“ leider nicht mehr.
Irgendwann gab sie mir ihre Artikel, die sie ab den 1950er Jahren für die „Christenlehre“, für „Die Zeichen der Zeit“ und „Die Kirche“ geschrieben hatte. Beim nochmaligen Lesen wurde mir deutlich, welche Anstöße zum Umdenken sie als Mitglied der Redaktion dieser kirchlichen Zeitschriften gegeben hat.
1963 stellt sie in der „Christenlehre“ Bücher jüdischer Autoren und Überlebender vor. Sie kennt die Widerstände, wenn sie fragt: „Können wir es ertragen, wenn es in Paul Celans Gedicht heißt ‚Der Tod ist ein Meister aus Deutschland’? Hier gälte es, neu zu lernen, die Botschaft vom Leben wieder glaubhaft zu machen, durch unser Leben und die Weise, wie wir zu unserem Versagen, zur Vergangenheit unseres Volkes stehen.“
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Die richtigen Fragen stellen
Ihre Freundschaft mit dem Holocaust-Überlebenden Irma und Jiri Lauscher in Prag schlägt sich in mehreren Abhandlungen nieder, in denen sie das jüdische Prag und Ausstellungen über Theresienstadt beschreibt sowie Vorträge von Irma Lauscherová wiedergibt.
1965 greift sie in einem Artikel “Christen vor der Judenfrage“ einen damals gängigen Begriff auf, analysiert ihn und stellt fest, dass das, was als „die Judenfrage“ bezeichnet wird, zur Christenfrage wird. Renate Trautmanns zog daraus den Schluss:„Hier hat christliche Selbstsicherheit der Buße zu weichen“.
Diesen roten Faden verfolgte sie. Ihre Artikelserie zur Geschichte der Judenfeindschaft in Europa in der Wochenzeitung „Die Kirche“ erschien 1992 unter dem Titel „Die jüdische Passion im christlichen Abendland“ - zu einer Zeit, als die Werte des christlichen Abendlands wieder neu beschworen wurden.
Renate Trautmann wurde in Dresden geboren, hier verlebte sie ihre ersten Lebensjahre und die Bombardierung der Stadt. Am 60. Jahrestag der Zerstörung, einem Tag, der in Dresden weithin von Selbstmitleid und Geschichtsvergessenheit bestimmt war, wies sie darauf hin, dass es darauf ankommt, die richtigen Fragen zu stellen, die Frage nach der Schuld und nach den Ursachen von Verbrechen.
Am 18. September 2009 ist Renate Trautmann im Alter von achtzig Jahren gestorben.
Das Buch „Friede dem Fernen – Friede dem Nahen – Erinnerungen an Irma und Jiri Lauscher“ (Hg.: Renate Trautmann/ Hildegart Stellmacher) erscheint im November 2009 im Metropol Verlag und kann bei ASF bestellt werden.
Hildegart Stellmacher






