14. 10. 2009

Rezension: Nächstenliebe verlangt Klarheit.

„Kirche in Sachsen für Demokratie – gegen Rechtsextremismus


Auf die häufig gestellte Frage „Rechtsextremismus – hat Kirche eigentlich mit diesem Thema zu tun?“ gibt die Handreichung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen eine deutliche Antwort „Ja!“. Entsprechend lautet die Schlussfolgerung der AutorInnen: Christinnen und Christen müssen sich klar von rechtsextremen Strömungen distanzieren, dagegen positionieren und handeln.

 

Im Aktionsjahr 2008 „Nächstenliebe verlangt Klarheit. Kirche in Sachsen für Demokratie – gegen Rechtsextremismus“ veröffentlichte die Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen in Zusammenarbeit mit der „AG Kirche und Rechtsextremismus“ eine Handreichung, die umfassende theoretische sowie praktische Grundlagen zur Arbeit gegen Rechtsextremismus liefert.

 

„Die Weltverantwortung der Kirche“

 

„Wesentliche Elemente rechtsextremer Weltbilder sind Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Sexismus, Orientierung an autoritären Strukturen, Demokratie- und Pluralitätsabwertung, Bestreiten von Gleichheit etc. [...], diese rechtsextremen Orientierungen [sind] mit der Grundorientierung des christlichen Glaubens nicht vereinbar“ schreibt der Direktor der Evangelischen Akademie Thüringen, Michael Haspel. In seiner theologischen Begründung für ein Engagement gegen Rechtsextremismus plädiert er für ein Handeln und eine aktive Arbeit gegen Rechtsextremismus. Es sei eindeutig zu wenig nur die These der Unvereinbarkeit von Rechtsextremismus und Kirche zu bejahen, so Haspel, und spricht von der „Weltverantwortung der Kirche“ und den Kirchengemeinden, die einschreiten müssen, wenn andere Menschen durch Rechtsextreme bedroht werden.

 

Durch den Ansatz der politischen Verantwortung von allen Christen und Christinnen schlägt die Handreichung einen Bogen von „theologischer Grundlegung“ über die Frage nach „Rechtsextremismus – Was ist das?“ hin zu den Beispielen und Handlungsbereichen kirchlichen Engagements – der quantitativ größte Teil. Hier wird auch deutlich, dass Rechtsextremismus als Problem nicht automatisch vor den Türen der Kirche halt macht. So beantwortet Dr. Harald Lamprecht die Frage, was zu tun ist, wenn Gemeindemitglieder oder sogar Kirchenvorstandsmitglieder gleichzeitig als rechte Kader auftreten. Das Kulturbüro Sachsen gibt Hinweise, wie mit unerwünschten Besuch aus der rechten Szene bei öffentlichen Veranstaltungen umgegangen werden kann.

 

Wertvolle Praxisbeispiele

 

Es sind die Praxisbeispiele und Anleitungen für ein Engagement gegen Rechtsextremismus, die dieses Heft so wertvoll machen. Nach den beispielhaften Darstellungen aus der Praxis folgt ein ausführliches Literatur-/ Film- und Organisationsverzeichnis. Damit ist das Buch ein hilfreicher Ratgeber für alle, die sich nach der Lektüre noch nicht informiert genug fühlen oder Möglichkeiten der Fort- und Weiterbildung wünschen. Wer eine theoretische Annäherung an das Thema „Kirche und Rechtsextremismus“ sucht, der kommt in diesem Heft nur zum Teil auf seine Kosten. So ist schon im Vorwort als Selbstkritik zu lesen, „dass der in dieser Handreichung verwendete Begriff „Rechtsextremismus“ selbst der kritischen Reflektion bedarf. [...] Die Grenze zwischen demokratischer Mitte und rechten Einstellungen und Handlungen sind fließend.“

 

Die Handreichung ist eine Anleitung zum praktischen Handeln und regt durch die zahlreichen Adressen und Literaturhinweise dazu an, sich weiter in das Thema einzulesen, um vor Ort Aktionen zu starten.

 

(Rezension: Jakob Stürmann)


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