Rund 1000 Menschen gedachten am 19. Januar diesen Jahres in Moskau der Ermordung des Anwaltes Stanislaw Markelow und der Journalistin Anastasija Baburowa. Die Menschenrechtsaktivisten wurden vor einem Jahr im Moskauer Stadtzentrum erschossen. Die Hintergründe für den Mord sind eindeutig politischer Art. Markelow und Baburowa engagierten sich in verschiedenen sozialen und politischen Bewegungen und nahmen eine aktive Haltung gegen die in den vergangenen Jahren eskalierende rechtsradikale Gewalt ein. Zwei Tatverdächtige sitzen seit November in Untersuchungshaft: Die mutmaßlichen Mörder stammen aus der russischen Neonaziszene.
Nachdem die Moskauer Behörden den VeranstalterInnen vom Bündnis „Komitee 19. Januar“ zunächst eine Demonstration untersagt hatten, wurden kurzfristig zwei vom Bündnis als Kompromisslösung vorgeschlagenen Trauerkundgebungen genehmigt. Um 19.01 Ortszeit, dem genauen Zeitpunkt des Doppelmordes von vor einem Jahr, versammelten sich die überwiegend jungen Menschen am ersten Kundgebungsort. Viele trugen Mundschutz, um sich vor den Fotografen der Neonazi-Bewegung zu schützen, die im Internet ‚schwarze Listen‘ von politischen Gegnern mit Foto und Adresse veröffentlichen. Anschließend ging es in einem ‚Gänsemarsch‘ zu Gruppen von jeweils 50 Menschen zum zweiten Kundgebungsort. Die Polizei sorgte mit zahlreichen Einsatzkräften dafür, dass dabei keine Transparente gezeigt und Parolen gerufen wurden. Im Verlauf der zweiten Kundgebung kam es dann nach Berichten der Agentur Interfax zu 30 Festnahmen. Die Festgenommen sollen jedoch im Laufe des Abends wieder auf freien Fuß gekommen sein.
Das "Komitee 19. Januar", ein Ende vergangenen Jahres ins Leben gerufenes Bündnis verschiedener linker, anarchistischer, antifaschistischer und liberaler Gruppen, Organisationen und Einzelpersonen, weist in ihrem Manifest darauf hin, dass es sich bei den Kundgebungen nur um den Auftakt für eine weitläufige Kampagne gegen Neonaziterror in Russland handelt. Zu den UnterstützerInnen der Initiative zählen bekannte Kulturschaffende, wie der Schriftsteller Boris Strugatskij, der Musiker Andrej Makarewitsch und der Regisseur Alexander Mitta.
Auch in München, Paris und anderen Städten Europas wurden vor der Russischen Botschaft Gedenkkundgebungen veranstaltet.





