Aktion Sühnezeichen
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Elisabeth Raiser




5 Fragen an: Dr. Elisabeth Raiser, Vorsitzende von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

 

„Überall, wo wir können, Brücken bauen"

 

Frau Raiser, was hat Sie bewegt, für den ASF-Vorsitz zu kandidieren?

 

Ich glaube, diese Arbeit kann sehr viel Spaß machen: Mich reizen vor allem der Kontakt zu den jungen und älteren Freiwilligen, die Arbeit an der Konzeption des Vereins, der Austausch im Vorstand, mit dem Leitungskreis und dem Kuratorium und die Besuche von ASF-Projekten in den europäischen Ländern, Israel und den USA.

 

Wo haben Sie bisher mit ASF Kontakt gehabt?

 

Zuerst habe ich einige Freiwillige aus unserem Familienkreis unterstützt. Als einer meiner Söhne ein freiwilliges Jahr in Massy bei Paris in einem Haus der Flüchtlingsorganisation CIMADE leistete, hatte er hintereinander zwei ASF-Freiwillige als Kollegen. Für mich wurde offensichtlich, dass die Arbeit mit Immigranten und Asylbewerbern, die noch keine Arbeit und keinen feste Wohnung gefunden haben, sehr wichtig für die Integration ist. Es gibt kein besseres Friedenszeichen als eine solche Arbeit, die oft mehr bewirkt als viele Worte. Ähnliches habe ich in Prag, in Theresienstadt oder in Novi Sad erlebt, wo ich mit ASF-Freiwilligen im Rahmen meiner ökumenischen Besuche zusammenkam. Die GastgeberInnen betonten immer, die herzliche Art der Freiwilligen, ihre Zuwendung und ihre Begeisterungsfähigkeit sei für sie ein große Freude und Bereicherung und zusätzlich eine Garantie, dass von Deutschland nie mehr Krieg ausgehen würde.


Welche Schwerpunkte finden Sie bei ASF spannend?

 

Wichtig sind die Erinnerung und das Nachdenken über unsere Verantwortung als Nachfahren der Generation, die das NS-Regime entweder getragen, diese Zeit passiv miterlebt hat oder im Widerstand war. Es ist spannend, wie die praktische Arbeit zur Versöhnung führt. Das Engagement der jungen Freiwilligen berührt und bewegt mich. Außerdem ist die Arbeit mit ASF eine wunderbare Chance Überlebende der Schoa und jüngere Juden und Jüdinnen kennen zu lernen, von ihnen zu lernen und gemeinsam mit ihnen über die Zukunft nachzudenken. 

 

Wir sollten überall, wo wir können, Brücken bauen. Es gibt keine Mauern, die zu hoch sind, als dass wir nicht versuchen sollten darüber zu schauen und sie zu überwinden. Das gilt in der Arbeit von ASF in besonderer Weise für die Mauer im Westjordanland. Daher halte ich den Kontakt zu Palästinensern für unbedingt notwendig. 

 




Wo gibt es Schnittstellen Ihrer bisherigen Arbeit mit den Themen von ASF?

 

Vor allem beim Ökumenischen Forum Christlicher Frauen in Europa (ÖFCFE). Das ÖFCFE ist ein christliches Frauennetzwerk in Europa, das schon vor dem Fall der Mauer intensive Kontakte zwischen West- und Osteuropa geknüpft hat. Ich erinnere mich noch heute mit Bewegung an die Begegnungen mit Frauen aus der damaligen Sowjetunion im weißrussischen Chatyn, wo wir Deutschen, Annemarie Schönherr aus der DDR und ich, in wunderbarer Weise Vergebung erfahren haben, nachdem wir über den Krieg und die Zerstörung gesprochen hatten. Wir haben uns damals gegenseitig versprochen, uns für den Frieden einzusetzen. Das Versprechen gilt weiterhin.

 

Ein weiterer Berührungspunkt ergibt sich für mich aus dem konziliaren Prozess, der die Frage nach dem Zusammenhang von Gerechtigkeit, Frieden und der Bewahrung der Schöpfung stellt. ASF hat von Anfang an versucht, Gerechtigkeit und Frieden zusammenzudenken und umzusetzen. 

 

Wo wollen Sie in Zukunft mit ASF Impulse setzen?

 

Ich  wünsche mir, dass ASF als Friedensinitiative in der Öffentlichkeit sichtbar ist. Erinnerung kann dabei nicht von der Gegenwart getrennt werden. Die Konflikte im Nahen Osten, den deutschen Einsatz in Afghanistan oder den Schutz der Sinti und Roma vor Abschiebung sollten wir genauso diskutieren wie die Vergangenheit.

 

 

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»Zerstörung kann nicht immer ungeschehen gemacht werden, aber Beziehungen können wieder aufgebaut werden. Das gilt nicht nur für Nationen, sondern auch für Individuen, und es ist die einzig mögliche Grundlegung für Frieden.«

Erika Brooks, ASF-Freiwillige aus den USA in Berlin

Steckbrief

Elisabeth Raiser, Jahrgang 1940, Mitglied im Präsidium des Evangelischen Kirchentags, engagiert sich seit vielen Jahren in der ökumenischen Verständigung und der Versöhnungsarbeit. Sie gehört zu den MitbegründerInnen der Internationalen Begegnungs- und Bildungsstätte in Minsk und war im Jahr 2003 evangelische Präsidentin des ersten ökumenischen Kirchentags.


Schlagwörter

Elisabeth Raiser, ASF-Vorsitzende, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Mitgliederversammlung 26.4. 2010, Freiwilligendienste