Aktion Sühnezeichen
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Cavidan Schnurr

Vielseitig und grundverschieden: Philadelphia

 

Cavidan Schnurr ist 20 Jahre und leistet seit dem 1. September 2009 einen Freiwilligendienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Philadelphia. Sie arbeitet in dem Projekt „Dignity Housing“ mit obdachlosen Frauen und Kindern.

 



Seit vier Monaten bin ich nun in Philadelphia, einer Stadt, die ich als sehr gegensätzlich und verschieden wahrnehme. Ich wohne und arbeite in einem der ärmeren Vierteln der Stadt, in dem größtenteils AfroamerikanerInnen leben. Hier sehe ich in vielen Teilen des Viertels täglich Armut, heruntergekommene Häuser und Obdachlosigkeit – Alltagsrealität, die mit meiner Heimatstadt Freiburg nicht vergleichbar ist. Auf den Straßen oder im Bus bin ich meist die einzige Weiße, was am Anfang ungewohnt war, mir jetzt aber überhaupt nicht mehr auffällt.

 

In meiner Arbeit bei „Dignity Housing“ erlebe ich täglich neue, ungewohnte und manchmal auch traurige Situationen. „Dignity Housing“ ist eine Organisation, die ehemals obdachlose Menschen aufnimmt und ihnen in mehrjährigen Programmen Unterstützung gibt, ein neues, selbstständiges Leben aufzubauen und Armut und Obdachlosigkeit zu überwinden.

 

Ich arbeite mit alleinerziehenden Frauen, die für die Dauer von zwei Jahren in dem Projekt wohnen. Vernachlässigung, Drogen und wenig Allgemeinwissen sind bei der Arbeit im Büro und in der Nachmittagsbetreuung für die Kinder sehr präsent. Durch unser „After School Program“ haben die Kinder eine gute Nachmittagsbeschäftigung und lernen viel. Dennoch stößt unsere Unterstützung auch an ihre Grenzen. Wir können nicht einfach alle Probleme der Kinder lösen und müssen manchmal tatenlos zusehen, wenn manches in ihrem Leben ganz und gar nicht einfach ist.

 

Philadelphia hat jedoch auch ganz andere Ecken. Wenn ich am Wochenende in die Innenstadt fahre oder Freunde in reicheren Vierteln besuche, fühle ich mich häufig wie in einer anderen Welt: Hochhäuser, Menschen verschiedenster Herkunft, Reichtum, Vielfältigkeit und Geschwindigkeit. Es ist verrückt, dass in dem einen Straßenzug Armut herrscht und nur ein Block die Welt radikal anders aussieht.

 

Ich lerne neben der Arbeit noch andere Lebenswelten kennen, die sich oft fundamental unterscheiden. So mache ich zum einen viele Erfahrungen und lerne manches kritischer zu beobachten. Zum andern hilft es mir von der Arbeit abzuschalten, da ich ganz andere Dinge sehe und  erlebe.

 

Ich bin schon seit zweieinhalb Monate in Philadelphia und habe oft immer noch das Gefühl nicht zu realisieren, wo ich bin und vor allem, dass ich noch fast 10 Monate hier sein werde. Müsste ich die letzte Zeit kurz zusammen fassen, könnte ich es nicht. Mein Leben hier ist so vielseitig und grundverschieden. Und genau das mag ich daran.  In den letzten Wochen konnte ich mich immer besser einleben, habe mir einen Alltag aufgebaut, Freunde gefunden  und die Vielfältigkeit meines Lebens in Philadelphia zu schätzen gelernt.

 

 

 

 



Der Freiwilligendienst von Cavidan Schnurr wird hauptsächlich durch Spenden finanziert. Tragen Sie / tragt ihr dazu bei, dass weiterhin viele junge Menschen mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste einen Freiwilligendienste in USA leisten können. 


»Zerstörung kann nicht immer ungeschehen gemacht werden, aber Beziehungen können wieder aufgebaut werden. Das gilt nicht nur für Nationen, sondern auch für Individuen, und es ist die einzig mögliche Grundlegung für Frieden.«

Erika Brooks, ASF-Freiwillige aus den USA in Berlin



 

 

 

 

Freiwilligendienst mit ASF

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