MARGRET und RUDOLF MAURER, Program Director in Israel (1971-1974)
Zum 40sten Geburtstag ...
... der Versöhnungsarbeit von Aktion Sühnezeichen in Israel - Ein sehr persönlicher Dankesgruß von der Familie Maurer.
Ein knappes Zehntel dieser Zeit, von Januar 1971 bis Juli 1974, lebten wir, als zuletzt 6-köpfige Familie, mit immer wieder neuen Freiwilligen im Sühnezeichen Domizil von En Kerem. Obwohl wir dort recht einfach wohnten, war diese Zeit, besonders für unsere Kinder, wunderschön. Sie genossen das Tag für Tag sonnige Wetter, ermöglichten auch für uns Erwachsene viele bereichernde Kontakte und hatten mit der Dreisprachigkeit, Schwäbisch in der Familie, Hochdeutsch mit den Freiwilligen und Ivrit mit den Spielkameraden aus der Nachbarschaft und dem Kindergarten, keinerlei Schwierigkeiten.
Den Großteil unserer Kenntnisse und Erfahrungen mit jüdischem Glauben und Leben verdanken wir dem Dabeisein der Kinder. Unser wöchentlicher Ruhetag war selbstverständlich der Sabbat und die biblischen Feste prägten unser Familienleben durchs ganze Jahr. Ein Reichtum, für den wir alle dankbar sind.
Obwohl es dieser Tage bereits 27 Jahre her ist, daß wir mit Kind und Kegel aus Israel zurückkamen, prägten diese 3 ½ Jahre in Jerusalem unser aller Leben als Christen, auch das der inzwischen verheirateten Kinder, intensiv. Alle sind wir, da wo wir leben, mehr oder weniger darum bemüht, unseren Mitchristen das Judentum als die Wurzel unsere Glaubens zu zeigen. Dies erfüllt uns Eltern mit Freude und Dankbarkeit und wir unterstützen einander dabei wo wir können. Inzwischen reisen auch eher die Kinder ins Land als wir.
Auch im Zentrum für christlich-jüdische Begegnung unserer württembergischen Kirche, im Kloster Denkendorf, vollzieht sich nach und nach ein Generationenwechsel und auch da gibt es inzwischen genug jüngere, engagierte und erfahrene Theologinnen und Theologen. Auch dies ist wahrlich Grund zur Dankbarkeit und Freude.
So trägt die Zeit, die wir mit Sühnezeichen in Israel/Jerusalem lebten und arbeiteten reichlich gute Früchte.
Sehr nachdenklich, in mancher Hinsicht sogar tief betroffen sind wir durch die Beobachtung, daß der sich hinziehende "Friedensprozess" auf beiden Seiten mehr und mehr die Scharfmacher in den Vordergrund bringt. Wieder einmal zeigt sich, daß kleine radikale, gerade auch religiöse Gruppen, in kurzer Zeit mehr kaputtmachen können, als besonnene, kompromissbereite Versöhnungs- und Friedenskräfte in Jahren aufgebaut haben. Doch es gibt auf die Dauer eben keine Alternative für ein gedeihliches Neben- und Miteinander. Ob die Verantwortlichen beider Völker dies als ihre Aufgabe erkennen und die nach Frieden und Gerechtigkeit hungernden Menschen bei der Suche danach wirksam unterstützen? Die anhaltende Spirale von Gewalt und Gegengewalt nützt niemand, schadet aber allen.
Wir wünschen deshalb der 40jährigen Jubilarin samt ihren Freunden dort und hier auch weiterhin Beharrlichkeit und Geduld beim Brückenbau zwischen Christen und Juden, Deutschen und Israelis, Israelis und Palästinensern. Es war und ist mühsam, doch es lohnt sich für alle Beteiligten.
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