Wege aus der Zerstörung - Predigthilfe zum 27. Januar 2003: Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus (Mt 8,5-13)
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Liebe Leserinnen und Leser,
»Wege aus der Zerstörung«, das heißt, Schritt für Schritt den konkreten Neuanfang in den Beziehungen zu den anderen, aber auch zu sich selbst zu suchen, das heißt, ein Bewusstsein von der Prägung und Beschädigung zu entwickeln, die die Zerstörung durch Nationalsozialismus und Schoa bis heute bewirkt. Wer diese Wege beschreitet, die auf eine Versöhnung zielen, auf die zu hoffen so notwendig wie gewagt – zuweilen anmaßend – zugleich ist, benötigt im letzten Gottvertrauen.
Die »Wege aus der Zerstörung« kommen nicht ohne die Fragen nach den Wegen in die Zerstörung aus. Die Auseinandersetzung mit der Verstrickung der eigenen religiösen, sozialen und politischen Zusammenhänge in die Entstehung und Wirklichkeit des Nationalsozialismus ist unentbehrlich. Dabei kommt der Frage nach Antijudaismen in Theologie und Kirche eine bleibend wichtige Rolle zu. Der Balken im eigenen Auge ist für gewöhnlich größer als wir annehmen.
Der entscheidende Schritt wird aber gemacht, wenn wir nicht unsere Probleme in den Mittelpunkt stellen, sondern wenn es gelingt, sich für die Geschichten der »Anderen«, speziell der Opfer und Überlebenden, und für ihre Bedürfnisse zu öffnen. Dass sich diese Geschichten der einfachen Zusammenfassung entziehen und nicht auf einen simplen und sodann »soziotechnisch « einfach zu handhabenden Nenner zu bringen sind, mag ein wichtiges Irritationsmoment sein. Die Berichte in dieser Publikation sollen in diesem Sinne einigen Überlebenden Gehör verschaffen. Die Berichte der Freiwilligen, die im Rahmen ihres Dienstes mit Überlebenden zusammenarbeiten, sind konkrete Zeichen, dass nach dieser Geschichte, der wir am 27. Januar gedenken, dennoch Begegnung in einem umfassenden Sinne möglich sind, die Zerstörung nicht das letzte Wort behalten muss. Mehr noch: Diese Begegnungen werden nicht selten zum Ausgangspunkt neuer Gemeinsamkeit.
Nichtsdestoweniger ist allen Hoffnungszeichen zum Trotz der 27. Januar ein Tag, an dem wir zuvörderst der Geschichten und der Leiden derer gedenken, die ermordet wurden. Das Gespräch mit den Überlebenden führt immer auch zu dem Punkt, dass alles Leben und Überleben vor dem Hintergrund massenhaften Mordens und Sterbens geschah und geschieht. Der Stachel dieser Erinnerung im faulen Fleisch unserer Gegenwart sollte unseren Blick für den tiefen existentiellen Ernst von Zerstörung schärfen. Jedes »Es wird schon wieder« verkommt unmittelbar zum billigen Trost. Wir sind es den Opfern, den Überlebenden und nicht zuletzt uns selbst schuldig, uns nicht damit zufrieden zu geben.
Ich hoffe, dass wir mit dieser Predigthilfe zum Nachdenken über unsere immer noch nachwirkende Vergangenheit anregen können und dass wir Ihnen mit dieser Predigthilfe bei der schwierigen und wichtigen Aufgabe, einen Gottesdienst zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus zu gestalten, behilflich sein können.
Jörg Lüer
stellvertretender Vorsitzender von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Inhaltsverzeichnis
Vorwort, Jörg Lüer
Geleitwort, Hans Koschnick
I. Wege aus der Zerstörung
Exegese und Predigtmeditation zu Mt 8,5-13, Matthias Loerbroks
Überlegungen zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus im Rahmen eines Gottesdienstes am dritten Sonntag nach Epiphanias, Irene Pabst
Liturgievorschlag zum dritten Sonntag nach Epiphanias, Silke Alves, Irene Pabst
Zeugnis und Erinnerung: drei autobiographische Berichte von Opfern der nationalsozialistischen Verfolgung
»Hoffnung muss man haben, Zeichen der Hoffnung gibt es«, Tadeusz Szymanski
Mein Platz im Park, Marga L. Randall
Der Tausch der Nummern, Otto Rosenberg
Gottesdienstfaltblatt
II. Die Versöhnungarbeit von ASF
»Wir sind doch alle etwas anders ...«, Dorothea Warneck
Die Mühe ist nicht umsonst – Entschädigungen für ehemalige russische Zwangsarbeiter, Albert Rühling
Begegnungen in Wolgograd, Martin Müller
Bücher – und was sie nicht vermitteln können, Michael Herold
Begegnung mit Geschichte – ein Weg in die Zukunft, Hartmut Ziesing
Autoren/innen-Verzeichnis
Wanderausstellung: Bilder im Kopf. Auschwitz/Oswiecim – einen Ort sehen
Info über ASF
Kollektenbitte
Die Predigthilfe zum Herunterladen
Die Predigthilfe (64 Seiten) können Sie im Volltext als PDF herunterladen: 27januar03.pdf (pdf, 380KB).






