Aktion Sühnezeichen
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Vermächtnis einer außergewöhnlichen Frau


Helga-Weckerling-Stiftung zur Förderung der ASF-Arbeit gegründet

 

von Johannes Zerger

Oft sind es die großen Dinge, die in überraschender Einfachheit daherkommen. Wie jener unscheinbare Brief, der am 23. Juni 2000 im Berliner Büro der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) eintraf. Darin schrieb der Berliner Pfarrer Rudolf Weckerling, dass er mit einem Betrag von 100 000 Mark den Grundstock für eine Stiftung zur Förderung der ASF-Arbeit schaffen wolle. Geschäftsführer Christian Staffa mußte die Zeilen noch einmal lesen. Tatsächlich: 100 000 Mark! Spenden in dieser Größenordnung gehören einfach nicht zum Alltag eines ASF-Geschäftsführers. Die Sorge um die finanzielle Absicherung der Arbeit hingegen schon. Angesichts chronischer Unterfinanzierung der Freiwilligenarbeit war die Idee zur Gründung einer Stiftung eins der Projekte, die Christian Staffa seit Beginn seiner Geschäftsführertätigkeit verfolgte. Einzig das Geld für die Umsetzung der Idee fehlte bislang.

Seither hat sich einiges getan. Mit dem Grundstock von 100 000 Mark wurde eine unselbständige Stiftung gegründet, aus deren Zinserträgen die Freiwilligenarbeit der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Mittel- und Osteuropa gefördert werden soll. Benannt ist die Stiftung nach Helga Weckerling, die im Jahr 2000 90 Jahre alt geworden wäre und deren Leben, wie ein Spiegel des 20. Jahrhunderts wirkt.

Helga Weckerling, geborene Zimmermann, die vom 20. Juni 1910 bis zum 23. August 1993 lebte, ist ein Beispiel dafür, wie Menschen ihr Denken und Handeln verändern können, indem sie ihre Zeit wach und ehrlich verfolgen. Als Kind einer deutsch-nationalen Familie verlor sie ihren Vater, der 1914 als Freiwilliger in den Krieg gezogen war, bereits im Alter von vier Jahren. Zurück blieb die Mutter mit vier kleinen Kindern. Für Helga als Älteste endete damit die sorgenfreie Kindheit, bevor sie begonnen hatte.

Anfang der 30er Jahre studierte Helga Theologie. Sie wurde mit 27 Jahren als einzige Frau neben 16 Männern »illegal« in der Bekennenden Kirche ordiniert – freilich, trotz vollen Studiums, nur zum eingeschränkten Dienst in der Frauen- und Kinderarbeit, mit dem Titel »Vikarin«. Die Erfahrungen mit einem Kreis jüdisch-christlicher Mädchen an der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, die zunehmend dem Judenhaß und der Verfolgung ausgesetzt waren, ließen sie nicht mehr los: in dieser Situation musste die junge Theologin handeln.

Während des Zweiten Weltkriegs war sie in der »Reichsfrauenhilfe« für die Betreuung evakuierter Frauen und Kinder in Brandenburg zuständig. Als die Bedrohung durch Bombenangriffe zu stark wurde, zog sie nach Dühringshof (nahe Küstrin im heutigen Polen). Sie wohnte bei der Gemeindeschwester, mit der zusammen sie eine Jüdin versteckte. Hier erlebte sie auch den Einmarsch der Sowjetarmee. Zwar wurde sie selbst verschont, aber die Gemeindeschwester wurde von einem betrunkenen Soldaten bedrängt und – weil sie sich wehrte – erschossen. Sie starb in Helgas Armen.

Bereits 1943 hatte sie den bei der Bekennenden Kirche aktiven Pfarrer Rudolf Weckerling geheiratet. Wie durch ein Wunder fand ihr Mann sie – von der Ostfront zurückkehrend – in Dühringshof. Drei Tage später mussten alle Deutschen das Gebiet jenseits der Oder verlassen.

Zum 1. Juli 1945 wurden beide zum vollen Pfarrdienst in der Melanchthon-Kirchengemeinde in Spandau eingesetzt. Doch nur fünf Jahre später wurde Helga der Dienstauftrag entzogen: »Das Amt der Vikarin ruht in der Ehe« – so »regelte« es die Kirchenordnung jener Jahre. Den Schmerz über diese Zurücksetzung sollte sie nie verwinden. Gleichzeitig weckte er ihren Mut zum innerkirchlichen Widerstand. Bis zu ihrem Tod war sie eine aufrechte Sprecherin für die Rechte der Frauen in dieser protestantischen Männer-Kirche.

Ob seit 1949 im Internationalen Christlichen Friedensdienst, ob in der Christlichen Friedenskonferenz, Helga Weckerling wirkte mit an kirchlichen und politischen Aufgaben: in der Aufbruchszeit der Evangelischen Studentengemeinde, im Arbeitskreis ›Frauen in Kirche und Gesellschaft‹ und nicht zuletzt in der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

Sie hatte ein untrügliches Gespür dafür, was bei Menschen echt, was vorgetäuscht ist. Sie lebte und wirtschaftete genügsam, verabscheute »Unnötiges«. So entstand der Grundstock für die Stiftung, die zur Erinnerung ihren Namen tragen soll: Helga-Weckerling-Stiftung.




»Eine Aktion, die Vorbildliches leistet.«

Klaus Bednarz

Helga-Weckerling-Stiftung unterstützen

Um in absehbarer Zeit durch Verzinsung der Stiftungsmittel nennenswerte Kapitalerträge zu erzielen, versuchen wir nun, Menschen zu finden, die durch "Zustiftung" das Stiftungskapital weiter erhöhen. Im Rahmen unselbständiger Einzelstiftungen können auch andere Bereiche der ASF-Arbeit gefördert werden.

Bei Interesse an der Beteiligung an einer Stiftung zur Förderung der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste wenden Sie sich bitte an:

Dr. Christian Staffa, Telefon: 030/28395-184, Fax: 030/28395-135, E-Mail: staffa(at)asf-ev.de.