Aktion Sühnezeichen
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Gründungsaufruf


Aufruf zur Gründung der Aktion Sühnezeichen, verlesen von Präses Lothar Kreyssig am 30. April 1958 auf der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands in Berlin-Spandau.

 

"Wir Deutschen haben den Zweiten Weltkrieg begonnen und schon damit mehr als andere unmessbares Leiden der Menschheit verschuldet: Deutsche haben in frevlerischem Aufstand gegen Gott Millionen von Juden umgebracht. Wer von uns Überlebenden das nicht gewollt hat, der hat nicht genug getan, es zu verhindern.

 

Wir haben vornehmlich darum noch immer keinen Frieden, weil zu wenig Versöhnung ist. Dreizehn Jahre sind erst in dumpfer Betäubung, dann in neuer angstvoller Selbstbehauptung vergangen. Es droht, zu spät zu werden.

 

Aber noch können wir, unbeschadet der Pflicht zu gewissenhafter politischer Entscheidung, der Selbstrechtfertigung, der Bitterkeit und dem Hass eine Kraft entgegensetzen, wenn wir selbst wirklich vergeben, Vergebung erbitten und diese Gesinnung praktizieren. Des zum Zeichen bitten wir die Völker, die Gewalt von uns erlitten haben, dass sie uns erlauben, mit unseren Händen und mit unseren Mitteln in ihrem Land etwas Gutes zu tun; ein Dorf, eine Siedlung, eine Kirche, ein Krankenhaus oder was sie sonst Gemeinnütziges wollen, als Versöhnungszeichen zu errichten.

 

Lasst uns mit Polen, Russland und Israel beginnen, denen wir wohl am meisten wehgetan haben.

 

Wir bitten heute, Deutsche die Deutschen, dass sich um Gottes Willen arbeitsfähige Frauen und Männer aller Stände und Konfessionen bereit finden möchten, je auf ein Jahr nach Polen, Russland oder Israel zu gehen, um dort gemeinsam ein Friedenszeichen zu errichten.

 

Wir bitten die Regierungen Polens, der UdSSR und Israels, den Dienst - wie viele sich immer dazu bereit finden möchten - nicht als eine irgendwie beträchtliche Hilfe oder Wiedergutmachung, aber als Bitte um Vergebung und Frieden anzunehmen und zu helfen, dass der Dienst zustande kommt."


»Auf die Frage seiner Schüler, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt, gab der Rabbiner yur Antwort ›Es wird Tag, wenn du in das Gesicht eines jeden Menschen blicken kannst und in ihm Schwester und Bruder erkennst.‹ Die Arbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste bringt uns diesem Moment sicher näher.«

Teddy Kollek, langjähriger Bürgermeister von Jerusalem

 

Weiteres zur Geschichte der ASF:

  • Vorgeschichte

  • Die Aktion Sühnezeichen im Westen von 1959 bis 1991

  • Die Teilung der Aktion Sühnezeichen 1961

  • Nach dem Fall der Mauer


  • Faksimile



    Das Original des Gruendungsaufrufs als Grafik ansehen:

    1. Seite (jpeg, 210KB)

    2. Seite (jpeg, 90KB)