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Ein mutiger Bekenner und ASF-Pionier in Württemberg
Rudolf Maurer, 64 Jahre, Pfarrer im Ruhestand. Seine Einsätze mit ASF Anfang der 60er Jahre in Frankreich und seine Tätigkeit als Länderbeauftragter in Israel von 1971 bis 1974 gingen wesentlich auf Otto Mörike zurück. Otto Mörike zum 100. Geburtstag
von Rudolf Maurer

Aus Anlaß des 100. Geburtstages von Pfarrer und Dekan Otto Mörike versammelte sich am Abend des 7. April 1997 in der evangelischen Martinskirche zu Kirchheim/Teck eine Anzahl noch lebender Weggenossen, Freunde und Angehörige zum dankbaren Gedenken. Schuldekan (und ASF-Kuratoriumsmitglied) Christian Buchholz und der Kirchheimer Dekan Hartmut Ellinger gestalteten die Liturgie.

Gertrud und Otto Mörike Nach meinem Bericht aus dem persönlichen Erleben mit dem väterlichen Freund und Förderer gab Dekan Paul Dieterich aus Schwäbisch-Hall eine ausführliche Würdigung des streitbaren Kämpfers im kirchlichen Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Dieser übernahm Anfang der 70er Jahre auf Bitten von Otto Mörike dessen Aufgabe als Beauftragter von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste im Bereich der württembergischen Landeskirche. Dabei schilderte Dieterich die Vorgänge am 10. April 1938 in Kirchheim, als Pfarrer Otto Mörike und seine Frau Gertrud bei der Abstimmung über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem deutschen Reich und über die Politik Adolf Hitlers an Stelle des amtlichen Stimmzettels jeweils eine persönliche Erklärung in den Wahlumschlag legten. Er bejahte zwar die erste Frage, doch die Frage: "Stimmst Du für die Liste unseres Führers Adolf Hitler?" beantwortete er mit Nein. Als Gründe nannte Otto Mörike im wesentlichen zweierlei: Erstens: "Die Auflösung von Sittlichkeit und Recht" und zweitens: "Die Zerstörung der Kirche und die Entchristlichung unseres Volkes". Seine Frau Gertrud Mörike beantwortete in ihrer kurzen Erklärung sogar beide Fragen mit Nein. In der damaligen Zeit und Stimmung ein unerhört mutiges, aber auch höchst riskantes Wagnis. Und die Antwort, ein nächtlicher Überfall auf das Pfarrhaus durch ein SA-Schlägerkommando, Verprügelung des jungen Pfarrers sowie seine Inhaftierung in Kirchheim und Stuttgart, ließ nicht lange auf sich warten.

Die bald darauf folgende Strafversetzung auf die Pfarrstelle Flacht, einem kleinen Dorf bei Leonberg, erwies sich später jedoch als sehr hilfreich. Zum einen konnten laufend Lebensmittelpakete an Pfarrer, die in Konzentrationsommerlagern inhaftiert waren, und deren Familien geschickt werden. Und ab 1943 wurden immer wieder verfolgte Juden unter falschem Namen für etliche Wochen beherbergt. So etwa das Ehepaar Max und Karoline Krakauer aus Leipzig, die ihre gut zweijährige Odyssee durch viele württembergische Pfarr- und Privathäuser nach Kriegsende in dem Büchlein "Lichter im Dunkel" erzählten.

Für diese lebensgefährlichen Aktionen zur Rettung jüdischer Menschen erhielten Otto und Gertrud Mörike vom Staat Israel die "Yad-Vashem-Medaille". Und 1975 pflanzte ihr Sohn Frieder Mörike einen Baum für seine Eltern in der "Allee der Gerechten der Völker" bei der Jerusalemer Gedenkstätte "Yad Vashem".

Fast zwangsläufig engagierte sich Otto Mörike, der im Ersten Weltkrieg dekorierte Offizier, in der Nachkriegszeit konsequent für Abrüstung, Frieden und Versöhnung. Er beriet zahlreiche junge Christen und ermutigte sie zur Verweigerung des Wehrdienstes. Die Prüfungsaussschüsse im Großraum Stuttgart wußten bald, daß wenn Otto Mörike die Antragsteller als Beistand begleitete, deren Anerkennung fast sicher war. Auch sein beharrliches Eintreten für die Versöhnungsarbeit der Aktion Sühnezeichen, insbesondere in Israel, war für ihn eine logische Folge der bitteren Erfahrungen im Nationalsozialismus. So sammelte Otto Mörike über viele Jahre wo er nur konnte Spenden für ASF und warb junge Leute, an einem solchen Wagnis für Versöhnung und Frieden mitzuwirken. Nachdem sowohl seine Kirche als auch die Politik keine konsequente Umkehr auf den Weg des Friedens und der Gerechtigkeit wagten, unterstützte Otto Mörike solche und ähnliche Aktivitäten, so lange er konnte.

Dekan Paul Dieterich, ein Neffe von Paul Schneider, dem Prediger von Buchenwald, zeichnete ein lebendiges Bild eines mutigen Bekenners von Recht und Gerechtigkeit und eines unermüdlichen Streiters und Anwalts für Versöhnung und Frieden, der in Württemberg Pionierarbeit für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste leistete und dem unser dankbares Gedenken gebührt.

 

 
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