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alter Ott – ein Weggefährte von Sühnezeichen

Christian Buchholz, 54 Jahre, Schuldekan für Kirchheim/Teck und Göppingen, ist Mitglied des ASF-Kuratoriums.

alter Ott – ein Weggefährte von Sühnezeichen
von Christian Buchholz

Die von der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart und der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Stuttgart gestiftete "Otto-Hirsch-Medaille" wurde im vergangenen Jahr an Walter Ott aus Münsingen (Schwäbische Alb) verliehen. Die Auszeichnung ist benannt nach dem Stuttgarter Ministerialrat Dr. Otto Hirsch, der sich von 1933 bis 1941 als Vorsitzender der Reichsvertretung der deutschen Juden unter schwierigsten Bedingungen für seine verfolgten Schicksalsgenossen einsetzte. Mit seiner Hilfe konnte vielen der 500.000 Juden, die 1933 noch in Deutschland lebten, durch Auswanderung gerettet werden. Er selbst wurde 1941 von den Nationalsozialisten im Konzentrationslager Mauthausen umgebracht.

Die Medaille wird seit 1985 jährlich um den 9. Januar, dem Geburtstag Otto Hirschs, an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die christlich-jüdische Zusammenarbeit verdient gemacht haben. Walter Ott erhielt diese Auszeichnung für seine Leistungen bei der Wiederherstellung des alten jüdischen Friedhofes in Buttenhausen (Schwäbische Alb), der Schaffung einer Ausstellung zur Geschichte der Juden dort und seine beharrliche Bildungsarbeit mit Jugendlichen.

Seine Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte begann 1973, als er anläßlich der Umbaumaßnahmen am Schloß Liebenstein in seinem Wohnort Buttenhausen alte Dokumente der ehemaligen jüdischen Gemeinde des Ortes entdeckte. Walter Ott fing an, die Geschichte dieser Gemeinde, die mit dem Judenschutzbrief des Reichsfreiherrn von Liebenstein aus dem Jahr 1787 beginnt, zu erforschen und für die Nachwelt festzuhalten. 1976 begann er, den alten jüdischen Friedhof hoch über dem Dorf wieder instandzusetzen. In fast zehnjähriger Arbeit reinigte er die knapp 400 Grabsteine, richtete sie auf und zeichnete die Beschriftung in Hebräisch und Deutsch nach.

Aber Walter Ott beschränkte sich nicht nur auf das Bewahren. In Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Münsingen, dem Stuttgarter Staatsarchiv und dem Bundesarchiv in Karlsruhe trug er Dokumente zusammen, setzte sich mit den heute in Übersee lebenden Nachkommen ehemaliger Buttenhausener Juden in Verbindung und arbeitete das Ende der jüdischen Gemeinde unter dem Nationalsozialismus auf. Das Ergebnis dieser Arbeit ist heute in der Ausstellung "Geschichte der Juden in Buttenhausen" zu sehen, die in der von einem jüdischen Bürger 1903 gestifteten ehemaligen Bernheimer Realschule untergebracht ist. Schon 1985 erhielt er für seine vielfältigen Beiträge zu einem besseren Verständnis zwischen Juden und Christen das Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

1993 und 1994 beteiligte er sich in ganz außergewöhnlicher Weise an der Planung und Durchführung von zwei Sommerlagern der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste: Er hat die Lager nicht nur betreut, sondern konkret mitgearbeitet und Freundschaften geschlossen. Da war kein Abstand zwischen den Generationen, keine Distanz zwischen schwäbischer und ukrainischer Mentalität, keine Dissonanz zwischen polnischem Abiturient und gestandenem Schwaben, sondern eine intensive und herzliche Freundschaft, die Walter Ott mit den jungen Leuten aus Osteuropa und Deutschland verband. Unvergeßlich das Bild: Walter Ott mit jungen Frauen aus der Ukraine, aus Polen und aus Sachsen auf dem Boden des Zeltes, wo die Gruppe im Pfadfinderlager ihr Quartier hatte, oder auf den Bierbänken des Gartens von Walter Ott, oder in gemeinsamer Arbeit und Betroffenheit auf dem jüdischen Friedhof am Waldrand. Helmut Morlok, die Tübinger ASF-Regionalgruppe mit Albrecht Knoch und Claudia Lempp und ich haben damals die Gruppen begleitet und in das schwäbische Lokalkolorit eingeführt. Aber Walter Ott hat Begegnung nicht nur vorgeführt, sondern gelebt. Er hat auf die jungen Menschen ansteckend, ermutigend und erfrischend gewirkt.

So geschahen und geschehen durch diesen Mann Verständigung und Versöhnung auf unseren Wurzeln und mit unseren Wurzeln, die eben auch jüdischer Herkunft sind, wie dort in diesem kleinen Dorf auf der Schwäbischen Alb an fast jeder Hausecke zu sehen ist. Dies erkennbar gemacht zu haben, ist das Verdienst von Walter Ott, der in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag feiert und dessen wir dankbar und mit der Bitte um Gottes gutes Geleit gedenken.

 

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»Der Krieg ist hier manchmal so präsent, so zeitlich nah, dass ich zumindest eine leise Ahnung von den Geschehnissen KRIEGe. Und in diesen Momenten weiß ich, wie wichtig der Ort Wolgograd für die russische und deutsche Geschichte ist.«

Ulrike Bischoff, 20 Jahre, ASF-Freiwillige in Wolgograd

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