Diskussionsveranstaltung und Ausstellung
am 09. November 2017 - ein Rückblick

Am 9. November 2017 lud ASF zum Austausch und Gedenken ein. Wir kamen gemeinsam mit Expert*innen aus der Jugendarbeit, Kirche und Bildungsinitiativen ins Gespräch über Möglichkeiten, sich gegen Diskriminierung und Rechtsextremismus zu engagieren. Zudem fanden ein Zeitzeugengespräch mit Solomon Parente sowie ein Gottesdienst im Gedenken an die Novemberpogrome statt.

Über 200 Menschen nahmen am 9. November an der Eröffnung der von den internationalen Sommerlagerteams in Litauen, Griechenland, Italien und Ungarn erstellten Ausstellung "Menschen im Widerstand" teil, auf die ein Zeitzeugengespräch mit Solomon Parente, Projektpartner aus Griechenland, folgte. Im Publikum waren viele Schüler*innen der Evangelischen Schule Neukölln, die Parentes Lebensgeschichte gebannt lauschten. "Eine großartige Veranstaltung mit einer vielsagenden Ausstellung. Unsere Schülerinnen und Schüler, als auch die begleitenden Lehrerinnen und Lehrer waren besonders beeindruckt von den interessanten und auch emotionalen Schilderungen der Lebenserinnerungen von Herrn Salomon Parente", schrieb uns einer der begleitenden Lehrer*innen.

Parallel fand eine Fishbowl-Diskussion mit Aktivist*innen in der Arbeit gegen Rechtsextremismus und -populismus zum Umgang mit Rechtspopulismus statt. "Wir müssen gewappnet sein", sagt Paulina, "gegen das Gedankengut, was sich da breitmacht und sich in unheilvoller Weise in den sozialen Medien verbreitet und so viele Jugendliche erreicht." Paulina Fröhlich engagiert sich für die Initiative kleiner5, die es sich vor der Bundestagswahl zum Ziel gesetzt hatte, das Wahlergebnis der AfD unter fünf Prozent zu halten. Gerade jetzt, nach dem Misserfolg der Wahlen, finge die Arbeit an, so Paulina. Sie wollen "radikale Höflichkeit" gegen Rechtspopulismus und seine Vertreter*innen einsetzen, wobei die größte Herausforderung sei, das Engagement nach dem niederschlagenden Wahlergebnis aufrechtzuerhalten und weitere Mitstreiter*innen zu gewinnen.

Das, was Paulina Fröhlich als "radikale Höflichkeit" bezeichnet, nennt Henning Flad von der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche + Rechtsextremismus "zivilisierte Verachtung". Die Gegenseite ernst zu nehmen sei immer wichtig, doch genauso wichtig sei das Aufzeigen von Grenzen, das Ziehen einer "roten Linie", die Bedingung für ein Gespräch mit Rechtspopulist*innen werden kann.

Niccolo Romano, Projektpartner des ASF-Sommerlagers in Sant'Anna und Montemaggio, das in diesem Jahr ein Teil des "Be Europe"-Projekts war, betont die Rolle von Identitätsbildung im Rahmen des Diskurses um Rechtspopulismus. Populismus basiere auf Mangelerscheinungen: sowohl Mangel an zwischenmenschlichen Beziehungen als auch an Wissen, so Nicolo. Aus diesem Grund sieht er in der internationalen Sommerlagerarbeit gute Perspektiven für die Arbeit gegen Rechtsextremismus und -populismus. Bea Spreng, Pfarrerin aus Joachimsthal, die sich schon seit vielen Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, sieht in der Kirche eine "Kraft der Versöhnung", die in der persönlichen Begegnung eine Ebene für die sinnvolle Arbeit gegen Rechtspopulismus schaffen kann.

Guy Bertrand Djike von der Initiative Corasol, die sich für die Rechte von Geflüchteten und gegen Rechtsextremismus in Berlin einsetzt, ist in seiner gegenwärtigen Arbeit gegen Rechtsextremismus mit Problemen konfrontiert und hegt angesichts der diesjährigen Wahlergebnisse in Frankreich und Deutschland große Befürchtungen. Der öffentliche Diskurs, der alles, das mit geflüchteten Menschen zusammenhängt, negativ konnotiert, sowie die Regierung mache es Corasol nicht einfach, Unterstützung zu bekommen. Die Gesellschaft hätte ein von Medien und allgemeinem Diskurs geprägtes Bild von afrikanischen Geflüchteten, das sehr negativ geprägt sei und Afrika im Allgemeinen nur als einen hilfsbedürftigen und minderwertigen Kontinent begreife. Die Solidarität anderer vergleichbarer Organisationen sei somit ein wichtiger Pfeiler seiner Arbeit, so Djike.

Im Anschluss an das Zeitzeugengespräch mit Solomon Parente und die Fishbowl-Diskussion fand ein Gottesdienst im Gedenken an die Novemberpogrome 1938 statt, der von der AG Theologie gestaltet und umgesetzt wurde und einen nachdenklich stimmenden Ausklang der Veranstaltung bildete.

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Dank

Ein großer Dank geht an die Martin-Luther-Gemeinde, die ihre Räume für unsere Veranstaltungen zur Verfügung gestellt hat. Vielen Dank für Ihre Gastfreundschaft!

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