Sommerlager Budapest

Renovierungsarbeiten auf dem alten Jüdischen Friedhof, interessante Einblicke in das Jüdische Leben vor Ort, bewegende Gespräche mit Zeitzeug*innen und Personen des öffentlichen Lebens, historische und kulturelle Stadttouren, eine eigene Aktion im Stadtzentrum und viele gute Diskussionen: So war das ASF-Sommerlager in der ungarischen Hauptstadt.

Zu Beginn der ersten Woche lernten wir unseren Projektpartner, den Jüdischen Kulturbund Mazsike, kennen und machten uns mit unserem hauptsächlichen Arbeitsort, dem Friedhof außerhalb der Stadt vertraut. Auf Führungen mit Kulturwissenschaftler*innen, Kunsthistoriker*innen und Historiker*innen durch das ehemalige Budapester Ghetto und über das Friedhofsareal lernten wir viel über die Ausdifferenzierung Jüdischer Glaubenstradtitionen, die komplexe Geschichte Ungarns und das heutige politische Geschehen im Land.

Insbesondere die Geschichte Ungarns zur Zeit des Zweiten Weltkriegs durften wir auf ganz besondere Weise erfahren. In Zusammenarbeit mit Mazsike hatten wir die Ehre, gleich vier Überlebende und Zeitzeug*innen des Holocaust zu treffen und ihre bewegenden Geschichten zu hören. Als Kinder oder Jugendliche wurden sie deportiert, als Zwangsarbeiter*innen an der Front bzw. in Österreich eingesetzt und überlebten bis Kriegsende zum Teil gleich mehrere Verschleppungen in Konzentrationslager.

Am Freitagabend hatten wir die Gelegenheit, dem Shabbat-Gottesdienst einer Gemeinde in ihrer Synagoge beiwohnen zu dürfen. Für viele von uns war es der erste Jüdische Gottesdienst.

In der Zweiten Woche verschob sich unser Fokus etwas von der Arbeit auf dem Friedhof in Richtung inhaltlicher Arbeit. Wir trafen etwa  Imre Mécs, einen Zeitzeugen des ungarischen Aufstands von 1956, der auch heute noch für Demokratie aktiv ist. Gemeinsam mit unseren vorherigen Gesprächen mit Überlebenden bildete dies die Grundlage, um uns mit den Begriffen Widerstand und Courage und ihrer Bedeutung für uns auseinanderzusetzen. Außerdem stellten wir uns die Frage: wie sieht Widerstand heute aus? Einer Antwort versuchten wir uns etwa durch die Beschäftigung mit Problemen in der heutigen Europäischen Union zu nähern. Wir sprachen über unsere Sicht auf die EU und unsere Wünsche und Forderungen für ein besseres Europa. Am Ende dieses Prozesses stand ein Flashmob in der Budapester Innenstadt, bei dem wir unsere gemeinsamen und Individuellen Gedanken zu einem besseren Europa mit Straßenkreide sichtbar in den öffentlichen Raum trugen. Überraschend viele Passant*innen zeigten sich interessiert an unserer Aktion, kamen mit uns ins Gespräch, ergänzten eigene Wünsche und nahmen Projekt-Flyer und T-Shirts mit.

 Am letzten Tag des Sommerlagers haben wir im Rahmen eines Abschlussabends unsere während der zweiten Woche erarbeiteten Biographien widerständiger Menschen, die wir während des Projekts getroffen hatten, vorgestellt. Zum einen der bereits erwähnte Imre Mécs, zum anderen Imre Lébovics, der während des ungarischen Faschismus und der deutschen Besatzung als Zwangsarbeiter rekrutiert wurde und nach langer Tortur im Konzentrationslager Mauthausen befreit wurde.

 Die Ausstellung zu den widerständigen Biographien wurde am 09. November in Berlin-Neukölln gezeigt.

 

 

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Sommerlagerfilm

Ihre Eindrücke und Erfahrungen haben die Teilnehmer*innen während des Sommerlagers in Videos und Interviews festgehalten. Daraus ist dieser Film entstanden, der Einblicke in Arbeit und Themen gibt und ganz persönliche Perspektiven und Geschichten zeigt.

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