Azubis bei ASF
In Israel: Lernen, für andere da zu sein

Während seines Praktikums im Altenheim Beit Moses in Israel begleitete der Azubi Moritz Winkler den ASF Freiwilligen Georg Camehl und begegnete Überlebenden der Schoa.

Das Beit Moses ist ein Altenwohnheim in Jerusalem, in dem sehr viele Holocaustüberlebende ihren Lebensabend verbringen. Zu Beginn war ich schon sehr aufgeregt, aber auch gespannt, wie ich dort als Deutscher aufgenommen werden würde. Der ASF-Freiwillige Georg, der mich in die Arbeit im Beit Moses einführte, arbeitete in einem Bereich des Hauses, in dem pflegebedürftige Menschen leben. Seine Aufgabe bestand jedoch nicht darin, die Heimbewohner zu pflegen, sondern einfach „für sie da“ zu sein. Er spricht mit ihnen, geht mit ihnen spazieren oder hört ihnen einfach nur zu. Ab und zu begleitet er die Heimbewohner auf ein Konzert oder eine Vorlesung.

Erste Begegnung mit Überlebenden der Schoa

Im Beit Moses wurde ich sehr nett empfangen. Zunächst war es zwar ein bisschen schwierig mit den älteren Menschen gemeinsame Themen zu finden, aber dann ergab sich doch schnell der eine oder andere Aufhänger für ein Gespräch.

Besonders interessant war es für mich zu beobachten, wie diese Männer und Frauen, die doch schon vieles in ihren Leben durchgemacht haben, mit ihrer Vergangenheit umgehen: Jeder und jede hatte da eigene Methoden. Manche sprachen ganz offen darüber, andere erwähnten es nur nebenbei, wieder andere weinten und manche wollten von den schlimmen Ereignissen gar nichts mehr hören -  geschweige denn, darüber reden.

Eine Bewohnerin im Beit Moses gab mir auf die Frage "Wie geht es Ihnen?" immer folgende Antwort: "Mir geht's heute genauso wie morgen!" Aber dennoch freute sie sich über jede Abwechslung - auch wenn diese  noch so klein war. Zu diesen Abwechselungen gehörte auch ich -  und es war schön anderen Menschen damit Freude zu bereiten.

 

Schritt ins Unbekannte

Die Zeit im Beit Moses hat mir sehr gut gefallen. Auch der  Ausdruck "für jemanden da sein" hat sich für mich in seiner Bedeutung intensiviert. Ich war für die Leute im Altersheim da. Ich war anwesend. Ob ich etwas erzählt habe, ihnen ein Glas Wasser holte oder einfach nur zuhörte ... ich war da. Und das ist auch in einem sozialen Umfeld wichtig.

Man muss immer füreinander da sein. Und das nicht nur, wenn es einem anderen schlecht geht. Ich habe jedenfalls durch das ASF-Praktikum auch meine Scheuklappen, die es mir verbieten nach links oder rechts zu schauen, um ein paar Grad nach Außen manövriert. Noch mehr als zuvor weiß ich jetzt, dass es sich lohnt einen Schritt ins Unbekannte machen - um Erfahrungen zu sammeln, Vorurteile abzulegen und neue Eindrücke zu gewinnen.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass ich eine sehr tolle und interessante Zeit in Israel hatte und hoffe, dass dieses Projekt von ASF weitergeführt wird. Es war wichtig für mich, über den Tellerrand hinausschauen zu dürfen und das eigene Blickfeld zu erweitern.

Autor: Moritz Winkler war Azubi der Firma Würth Co.&KG und absolvierte im Jahr 2007 ein zweiwöchiges ASF-Praktikum in Jerusalem

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