In Polen: Fakten, Bilder und Emotionen
Azubis bei ASF

Benjamin Ascher, Azubi bei der Firma Würth Co.& KG, berichtet über sein 14-tägiges ASF-Praktikum im Sommer 2011 in Polen.

Als die Nachricht kam, dass wir unser Praktikum in Polen absolvieren würden, stutzten wir zunächst. Sofort gingen uns Bilder von zerstörten Häusern, demolierten Autos und vielen finsteren und zwielichtigen Gestalten durch den Kopf. Aber: Irren ist menschlich. Das traf zum Glück auch bei uns zu, denn schon bald wurden wir eines Besseren belehrt. Am 14. Mai 2011 starteten wir in aller Frühe unsere Reise mit einem Flug von Frankfurt nach Krakau. Dort angekommen, wurden  wir von der ASF-Landesbeauftragten Urszula Sienczak begrüßt.  Und bereits hier waren wir positiv überrascht mit welcher Herzlichkeit wir empfangen wurden.

Aber räumen wir zuerst mit dem Bild von den zerstörten Häusern und kaputten Autos auf. Vom Flughafen ging es direkt nach Piekary in eine dort neu erbaute Schule für Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen. Schon hier war bereits zu erkennen, dass wir das Bild von Ruinen schnell aus unseren Köpfen streichen mussten.

Eine faszinierende Stadt: Krakau

Anschließend ging es weiter nach Krakau. Erstaunt und fasziniert verbrachten wir den ersten Tag in Krakau. Von einem ASF-Freiwilligen bekamen wir eine Stadtführung und wurden durch die schönsten Ecken der Stadt geführt. Aus dem Staunen kamen wir nicht mehr heraus. Die von einem Park umgebene Altstadt Krakaus erblühte förmlich in der Morgensonne. Überall bunte Farben, und renovierte und sanierte Gebäude, die zum Teil mehrere hundert Jahre alt sind, umgeben den Marktplatz, der zu den schönsten Europas, sogar der ganzen Welt zählt. Bereits 1978 wurden die historische Altstadt und die Burg Wawel von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt. In Krakau spielt das kulturelle Leben eine wichtige Rolle; auch die zweitälteste Universität Mitteleuropas hat hier ihren Sitz.

Spannendes ASF-Seminar

Unsere Aufgabe in Polen war es, Freiwillige, die mit ASF einen Friedensdienst absolvieren, zu begleiten, um Einblicke in ihre Arbeit zu erhalten. Bereits am Sonntag ging es mit allen in Polen arbeitenden ASF-Freiwilligen in die Berge nach Zakopane. In der Stadt, die an der Grenze zur Slowakei liegt und bekannt durch internationale Skisprungwettbewerbe ist, verbrachten wir eine Woche in einer sehr interessanten Umgebung und besuchten Workshops. Die Seminarinhalte drehten sich hauptsächlich um den Arbeitsalltag der unterschiedlichen Projekte. Hinzu kamen viele Diskussionen, auch über Vorurteile gegenüber anderen Nationen. An diesem Seminar nahmen ASF-Freiwillige aus Polen, der Ukraine und aus Deutschland teil - die Seminarsprachen waren somit hauptsächlich Polnisch und Englisch. Am darauffolgenden Wochenende überzeugte uns Krakau mit einem kulturellen Highlight - die Nacht der Museen. Das ermöglichte uns einen Einblick in die Geschichte Polens.

ASF-Praktikum in der IJBS

Die zweite Woche verbrachte ich in Oświecim (Auschwitz). Hier konnte ich aktiv an der Seite zweier ASF-Freiwilligen im Jüdischen Zentrum und in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte (IJBS) Projekte unterstützen. In der IJBS arbeitete ich mit verschiedenen Gruppen zusammen, die sich individuell mit dem Nationalsozialismus beschäftigen. Die Aufgabe der ASF-Freiwilligen besteht hauptsächlich in der Betreuung von Gruppen, die in der IJBS zu Gast sind.

In Workshops und Diskussionsrunden wurden verschiedene Themengebiete zum Holocaust hinterfragt, vor allem die Sprache bzw. Aussagekraft von Bildern ist es, die allen Seminarteilnehmer_innen in Erinnerung bleibt. Fotografien und ihre Geschichten spielten am letzten Tag in Oświecim eine wichtige Rolle, da ein Zeitzeuge zu Gast war. Wolfgang Brasse, ehemaliger Lagerfotograf von Auschwitz, fesselte und schockierte seine Zuhörer_innen mit den Bildern der im Lager begangenen Grausamkeiten. Unter anderem musste er die von Josef Mengele durchgeführten Menschenversuche dokumentieren und schilderte uns unfassbare Details der Verbrechen.

Spätestens bei den Besuchen in Auschwitz und Birkenau wurde jedem klar, wie unmenschlich und grausam die dort verübten Verbrechen waren. Über 1,5 Millionen Menschen wurden im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau auf grausamste Weise ermordet, wobei die Dunkelziffer noch einmal höher sein dürfte. Nachhaltige Eindrücke beschäftigten mich nicht nur auf der Rückfahrt von Oświecim nach Krakau, sondern sind und bleiben noch lange erhalten.

Ein Resümee der Reise zu ziehen ist nicht einfach: unvergessliche Erfahrungen, neue Freundschaften, wunderbare Einblicke in das Land und die Menschen Polens. Aber auch die unvergesslichen mörderischen Taten während des Nationalsozialismus werden für immer in Erinnerung bleiben.

Autor: Benjamin Ascher, Azubi der Firma Würth GmbH & Co. KG, absolvierte im Frühjahr 2011 ein zweiwöchiges Praktikum mit ASF in Polen.

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