Blog | 09. November 2018

„Etwas von mir soll hier zurückbleiben“

Felix besuchte im Freiwilligendienst den Holocaust-Überlebenden Yehuda Bacon. Foto: ASF/Helena Schätzle

Felix Staats aus Göttingen verbachte seinen Freiwilligendienst im Kindergarten eines Frauenhauses in Israel und besuchte Holocaust-Überlebende Zuhause. Er war gerade im ZDF-Auslandsjournal zu sehen und berichtet hier, wie schwer ihm der Abschied fiel:

Mir steht ein Abschied bevor, der mir nicht leicht fällt. Ich werde Kinder, die ich ein Jahr lang täglich betreut habe, zurücklassen. Als Abschiedsgeschenk für sie habe ich eine Wand im Innenhof bemalt. Das hat mir viel Freude bereitet – ich finde aber vor allem den Gedanken schön, dass etwas von mir zurückbleibt.

Mein Selbstvertrauen wird immer größer. Ein schönes Gefühl!

Meinen Freiwilligendienst absolvierte ich im Frauenhaus Ischa Leischa. Hier gibt es auch einen Kindergarten, in dem ich eingeteilt war. Meine Gruppe bestand überwiegend aus Vierjährigen. Ich  habe Kinder betreut, die Traumata oder eine Behinderung hatten, kein Hebräisch sprachen oder über Jahre vernachlässigt wurden. Für mich ist es noch immer beeindruckend, unter welchen Bedingungen der Kindergarten im Frauenhaus funktionieren muss. Im Laufe des Jahres ist mein Selbstvertrauen immer größer geworden ist. Ein schönes Gefühl! Mir fällt es heute leichter, mit neuen Kindern schnell in Kontakt zu kommen, mich mit ihnen zu verständigen und eine vertrauensvolle Beziehung zu ihnen aufzubauen. Heute übernehme ich deutlich mehr Eigenverantwortung als noch zu Beginn meines Freiwilligendienstes. Ich betreue die Gruppen auch mal alleine und fühle mich dabei deutlich entspannter. Und mir gefällt, dass ich eigene Ideen einbringen kann und so den Ort und den Tagesablauf mitgestalte.

Die Hausbesuche haben mir viel gegeben

In meinem Freiwilligendienst war ich auch auf Hausbesuch. Mit Yehuda Bakon spielte ich Schach, trank Tee, aß Kekse und räumte gelegentlich auf. Mit Emanuel Gutman ging ich zu klassischen Konzerten oder wir unterhielten uns im Wohnzimmer. Als er mich besser kannte, redete er mit mir auch über Politik. Das hat Zeit gebraucht. Vielleicht konnte er es irgendwann, weil wir Freunde geworden oder oft einer Meinung waren. Es ist unglaublich, wie viel Geschichte die beiden erlebt haben! Yehuda, der mir über die Schoah und über sich als Überlebender erzählt hat. Und Emanuel, der schon in der Hagana gekämpft hat und Israel seit der Gründung kennt. Diese Erfahrungen so geschildert zu bekommen, war unglaublich beeindruckend. Ich bin mit ganz anderen Vorstellungen an diese Hausbesuche herangegangen und hätte nicht gedacht, dass der Kontakt so einfach sein würde.

Mein Jahr in Israel hat mir politisch viele neue Perspektiven aufgezeigt. Allein die israelische Presse im Kontrast zu den deutschen Medien zu lesen. Ich wollte schon länger in Richtung Politikwissenschaften gehen – das Jahr hier hat mich in diesen Wunsch bestärkt.

Der nahende Abschied fällt mir übrigens auch deshalb so schwer, weil dieser Ort, wenn ich das nächste Mal da sein werde, ohne die Kinder sein wird, die ihn für mich so besonders gemacht haben. Dafür natürlich mit den Kindern, wegen denen er für meinen Nachfolger besonders sein wird. Das Leben bleibt eben niemals stehen.

Die Bewerbungsfrist für den Friedensdienst ab September 2019 ist abgelaufen. Wenn es doch noch freie Plätze geben sollte, wird das auf der Bewerbungsseite veröffentlicht.

Der Friedensdienst kann in 13 verschiedenen Ländern absolviert werden. Hier geht es zur Länder-Übersicht.

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