Blog | Freiwilligen-Blog | 13. November 2018

Horizonterweiterungen

Till in der Ukraine. Foto: privat

Und so endet mein Freiwilligendienst in der Ukraine, viel schneller als gedacht, aber mit so vielen neuen Erfahrungen, Freundschaften und Plänen für die Zukunft.

Ich blicke mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf meine Rückkehr. In den letzten 11 Monaten habe ich neue Freund*innen gefunden, meine Kindergartenkinder lieben gelernt und mich sehr an das Leben in Odessa gewöhnt. Ich werde es vermissen zum Strand gehen zu können, für unter 20 Cent Straßenbahn zu fahren und einfach auf meinem Nachhauseweg noch am Straßenrand bei netten alten Damen meine Einkäufe erledigen zu können. Besonders beeindruckt hat mich im letzten Jahr die Offenheit der Menschen in Odessa. Bei fast jedem Strandbesuch, abendlichen Aufenthalt in einer der zahlreichen Kneipen und Outdoor-Bars und manchmal schon beim ganz normalen Spaziergang lernte ich neue Leute kennen.

Die Arbeit in meinen Projekten – zwei verschiedene Kindergärten – hat mir großen Spaß gemacht. Auch wenn ich in mancher verregneten Woche fast nichts anderes tat als mit den Kindern zu spielen, malen oder basteln, gaben sie mir doch immer das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Ich habe das Gefühl, viel aus meiner Arbeit für meine Zukunft mitnehmen zu können.

Auch gibt es natürlich noch außerhalb des tatsächlichen Projektes die Möglichkeit mitzuhelfen. Über meine Länderbeauftragte kam ich mit Evan, einem Norweger, in Kontakt, welcher schon seit Jahren in Odessa lebt und unter anderem eine Art Englischgruppenunterricht in einem Heim für Geflüchtete anbietet. Ich fand die Atmosphäre dort sehr schön und würde der nächsten Freiwilligengeneration ans Herz legen, in solchen Projekten auch mitzuhelfen. Es ist viel mehr Spaß als tatsächliche Arbeit, die Leute dort sind super nett und man lernt auch noch eine ganz andere Seite der Ukraine kennen.

Besonders beeindruckend fand ich außerdem unser Zwischenseminar in Minsk, bei dem wir als ASF-Freiwillige den Gedenkfeiern der 75-jährigen Zerstörung des belarussischen Dorfes Khatym und der Ermordung seiner 156 Einwohner*innen durch deutsche Truppen am 22. März 1943 beiwohnten. Die Gedenkfeier war sehr bewegend gestaltet und ich bin wirklich froh darüber, dass wir daran teilnehmen durften.

In meinem Dienst habe ich Neues dazu gelernt, vor allem weiß ich für mich persönlich, was ich mit meinem Leben anstellen möchte. Auch habe ich natürlich gelernt alleine zu leben, Wäsche zu waschen, meine Wohnung sauber zu halten und für mich selber Verantwortung zu übernehmen. Ich glaube nicht, dass dies in einem solchen Ausmaß in einem normalen FSJ in Deutschland möglich gewesen wäre. Ich habe das Gefühl, persönlich gereift zu sein, viel über die Ukraine bzw. über Osteuropa im Allgemeinen gelernt zu haben und meinen eigenen Horizont erweitert zu haben. Das eine Jahr hier in der Ukraine hat mir Erfahrungen gegeben, die nirgends anders möglich gewesen wären und Freundschaften entstehen lassen, die hoffentlich noch sehr lange anhalten werden. Ich habe so viel gelernt und bin unglaublich dankbar, diese Möglichkeit erhalten zu haben. Ich hoffe, dass auch viele andere noch dieses Abenteuer erleben werden können.

Till Konrad Pohland war 2017-18 Freiwilliger in der NGO „Der lange Weg nach Hause“ in Odessa, Ukraine.

Die Bewerbungsfrist für den Friedensdienst ab September 2019 ist abgelaufen. Wenn es doch noch freie Plätze geben sollte, wird das auf der Bewerbungsseite veröffentlicht.

Der Friedensdienst kann in 13 verschiedenen Ländern absolviert werden. Hier geht es zur Länder-Übersicht.

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