Blog | 06. Juli 2018

Mit dem russischen Holocaust-Zentrum nach Paris zur UNESCO

Teilnehmer*innen der Konferenz Tatiana Wiktorowa, Michail Sacharow, Carla Kerkmann, Aleksei Michailow mit Ilya Altman und Philippe Boukara vor dem Memorial de la Shoa am 6. Juli 2018

Carla Kerkmann war 2015/16 Freiwillige im Holocaust-Zentrum in Moskau. Das Projekt widmet sich Bildungs- und Aufklärungsarbeit zum Holocaust auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion. Bis heute steht Carla in engem Kontakt zu ihrem einstigen Projekt und berichtet hier von der letzten gemeinsamen Veranstaltung in Paris Anfang Juli 2018.

Vor zwei Jahren habe ich meinen Friedensdienst mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) im Russischen Holocaust Zentrum in Moskau geleistet. Eine Zeit, die mich sehr geprägt und viel gelehrt hat und an die ich mich immer wieder etwas wehmütig, aber doch sehr gerne erinnere. Mein Friedensdienst mit ASF hat mich in vielerlei Hinsicht verändert. Ich bin selbständiger und politischer geworden, habe einen neuen Blickwinkel auf meine deutsche Identität bekommen und habe natürlich die russische Sprache und Kultur kennen und lieben gelernt. Der Abschied am Ende meines Dienstes fiel mir schwer, hatte ich doch so viele interessante und tolle Menschen kennen gelernt und es war ungewiss, wann ich sie wiedersehen würde. Aber ich habe mit den meisten Kontakt gehalten, sodass mein Freiwilligendienst, nicht nur in der Weiterentwicklung meiner Persönlichkeit und meiner Fähigkeiten, bis heute nachwirkt.

Nach dem ich während meines Friedensdienstes einen Vortrag bei der alljährliche Holocaust Konferenz des Russischen Holocaust Zentrums gehalten hatte, wurde ich nun, zwei Jahre nach meinem Freiwilligendienst, mit vier anderen Teilnehmer*innen der Konferenz in Moskau für vier Tage nach Paris zur UNESCO eingeladen, um meinen Vortrag dort noch einmal zu halten. Das Thema meines Vortrags war, wie wir in meiner Generation in Deutschland mit dem Holocaust umgehen, oder mit ihm in Kontakt kommen.

In Paris traf ich auf die anderen vier Teilnehmer*innen der Konferenz, sowie den Direktor des Russischen Holocaust Zentrums, meinen ehemaligen Chef. Wir bekamen eine Führung durch das Memorial de la Shoah, eines der drei größten Holocaust Dokumentationszentren weltweit und trafen uns danach noch zum Abendessen mit Shimon und Graciela Samuels. Shimon ist der Leiter des Simon Wiesental Zentrums in Paris und Graciela arbeitet bei der UNESCO. Die beiden haben uns sehr offen und interessiert empfangen. Am nächsten Tag durften wir dann unsere Vorträge bei der UNESCO halten. Unter den Zuhörer*innen waren UNESCO-Repräsentant*innen aus Israel, Russland, Deutschland, Kanada und Italien sowie verschiedene Leiter*innen und Direktor*innen von jüdischen Organisationen. Nach dem wir alle unsere Vorträge gehalten hatten, gab es Zeit für Fragen und Gespräche. Am Nachmittag durften wir bei der Eröffnung der Ausstellung des Russischen Holocaust Zentrums bei der UNESCO dabei sein. Die restliche Zeit verbrachten wir damit, Paris zu erkunden und natürlich auf den Eifelturm zu gehen.

Es erfüllt mich mit Dankbarkeit und Freude, dass ich die Möglichkeit hatte, in Paris, beim Hauptsitz der UNESCO, darüber zu sprechen, wie wir in Deutschland heute über den Holocaust denken und lernen und was es bedeutet, einen Freiwilligendienst mit ASF zu leisten. 

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