Briefe aus Frankreich

Lioba im Mémorial du Camps de Rivesaltes

Mein Name ist Lioba Niederhoff. Ich bin 18 Jahre alt und und nun für ein Jahr mit ASF als Freiwillige im Süden von Frankreich, in Perpignan. Ich arbeite im Mémorial du Camps de Rivesaltes (der Gedenkstätte des Lagers von Rivesaltes).

Das Lager von Rivesaltes hat eine unglaublich komplexe Geschichte. Ursprünglich 1939 als Militärlager erbaut, fungiert es auch als Internierungs- , Überwachungs-, Kriegsgefangenen- und Durchgangslager für verschiedenste Bevölkerungsgruppen, die sich im Zuge des spanischen Bürgerkrieges, des 2. Weltkrieges und der Entkolonialisierung in Frankreich befinden. Bis 2007 wird ein Teil des Lagers eine Abschiebehaftantstalt. Was alle Menschen, die sich im Lager befinden, vereint, ist, dass sie vom französischen Staat als “Indesirables” –Unerwünschte– angesehen werden. Diese Geschichte hat mich von Anfang an sehr interessiert.

Meine Arbeit genau zu definieren ist schwer. Am Anfang musste ich mich erstmal in die gesamte Geschichte des Lagers hineinarbeiten, indem ich in der Austellung war und viel gelesen habe. Seit einiger Zeit arbeite ich nun an meinen ersten Projekten, die auch sehr unterschiedlich sind. Im Moment bereite ich gleichzeitig meine erste deutsche Führung vor sowie ein Treffen von Schulkassen mit einem französischen Fußballspieler, der sich jetzt gegen Rassismus engagiert. Außerdem hat das Memorial ein sehr vielfältiges Programm. An den französischen Tagen des offenen Denkmals gab es z.B. ein Konzert mit dem französischen Sänger Cali bei Sonnenaufgang und vorletztes Wochenende einen Tag zum algerischen Krieg, mit Historikervorträgen, Zeitzeugenaussagen und einem Theaterstück.

Meine Tage sind durch die Arbeit sehr voll und durchaus anstrengend, aber ich habe das Gefühl, dass ich jeden Tag etwas neues lerne und bin im Moment sehr glücklich, dass ich in dieses Projekt nach Perpignan gekommen bin. Perpignan gefällt mir sehr gut, auch wenn es durchaus auch Dinge gibt, an die ich mich erst gewöhnen muss, was nicht immer ganz einfach ist. Jetzt bin ich einfach gespannt, was in nächster Zeit auf mich zukommt.<object id="ieooui" classid="clsid:38481807-CA0E-42D2-BF39-B33AF135CC4D"></object>

Finja im Foyer le Pont

Salut! Ich heiße Finja, bin 18 Jahre alt und lebe während meines einjährigen Friedensdienstes in Paris. Ich wohne zusammen mit drei Mitbewohnern in einer WG über der deutschen evangelischen Christuskirche im 9. Arrondissement von Paris, nicht weit von Sacre Coeur. Mein Projekt ist das Foyer le Pont, ein deutsches evangelisches Begegnungszentrum und Tagungshaus im 14. Arrondissement sowohl für kirchliche Gruppen, die bei uns Seminare abhalten können, als auch für Individualreisende. Meine Aufgaben hier sind sehr vielseitig, ich helfe unter anderem an der Rezeption mit, nehme Reservierungen auf Deutsch und Französisch auf, betreue Gäste, kaufe ein und mache Frühstück und noch einige weitere Projekte. Eines davon sind die sogenannten Friedensspaziergänge, Stadtführungen, die ich mit Gästen des Foyers mache, bei denen wir verschiedenste Stationen des Friedens rund um den Eiffelturm ablaufen (siehe Foto). Dabei erfahren die Gäste von Gandhis Aufenthalt in Paris, was Lady Dianas Tod mit der Flamme der Freiheitsstatue verbindet und vieles mehr! Mir macht die Arbeit im Foyer großen Spaß – ich habe in den ersten Monaten viel gelernt und freue mich immer wieder, wie viele tolle und bereichernde Erfahrungen und Bekanntschaften mit den Gästen ich schon gemacht habe und wie viele neue Sachen und spannende Ecken man in Paris jeden Tag aufs Neue entdecken kann! Mein Zweitprojekt ist das Moulin à Café, ein assoziatives Café mit einem großen Angebot an Freizeitaktivitäten, in dem ich gerade angefangen habe zu arbeiten und mich jetzt schon voller Vorfreude auf mein neues Projekt dort, das deutsche Essen, vorbereite.

So langsam habe ich das Gefühl mich in dem alltäglichen Pariser Großstadtgewusel zurechtzufinden und bin sehr gespannt auf die kommenden Tage, Wochen und Monate in Paris!

Leonie im jüdischen Altersheim Nizza

Aller Anfang ist…

Geschafft! Nun bin ich bereits mehr als 4 Wochen in meinem Projekt und fange immer mehr an, diesen Ort lieben zu lernen. Mein Name ist Leonie und ich habe im vergangenen Sommer mein Abitur in Wernigerode absolviert und nach 18 Jahren diese vertraute Umgebung verlassen. Erst war mir diese folgenreiche Entscheidung nicht so bewusst, da mir aufregende Tage in Berlin und Paris bevorstanden. Doch als ich mich eines Abends wartend auf dem Bahnsteig des Gare d´Austerlitz befand und vor mir der Nachtzug Richtung Nizza stand, wurde mir mit Schrecken die Tragweite meiner Entscheidung bewusst. Dieses langsame blaue Ungetüm sollte mich also innerhalb von nur knappen 12 Stunden zum anderen Ende Europas bringen, dorthin wo das glitzernde Blau des Meeres am Horizont mit dem Blau des Himmels verschwimmt. Ich hätte aufatmen und mich freuen sollen, doch in diesem Moment waren meine Ängste und Sorgen präsenter denn je, denn nach den intensiven Vorbereitungstagen mit den anderen Freiwilligen war dies der erste Moment, in dem ich komplett auf mich allein gestellt war.

Durch anfängliche Startschwierigkeiten in den ersten Wochen, aufgrund eines ungeplanten Wohnungswechsels und den damit verbundenen unliebsamen Erfahrungen mit der französischen Bürokratie, habe ich gelernt auch in schwierigen Situationen nicht zu verzweifeln. Diese Ereignisse halfen mir, Leute anzusprechen und Kontakte zu knüpfen, aus denen inzwischen auch schon Freundschaften geworden sind. Ich arbeite in einem jüdischen Altersheim im Norden der Stadt mit rund 120 Bewohner und habe eine kleine, ziemlich zentral gelegene Wohnung. Der Einstieg in meine Arbeit gelang mir dank meiner verständnisvollen Mitarbeiterinnen und den sehr humorvollen Senioren ausgesprochen gut, so dass ich bereits erste eigene Animationen anleiten und durchführen konnte. Dabei beflügelt es mich immer wieder aufs Neue zu sehen, wie dankbar sie für jede Art von Zuwendung sind. Peu à peu lernte ich den Ablauf der Woche kennen und durfte auch bereits das jüdische Neujahrsfest Rosch Haschana, Jom Kippur und Sukkot mitfeiern. Dabei ist es an den Feiertagen und am Schabbat vor allem meine Aufgabe, die Senioren in die Synagoge zu begleiten. Jeden Tag erlebe ich viele kleine Anekdoten, die mir die Menschen näherbringen und die meinen Arbeitsalltag bereichern. Nach den ersten Wochen atme ich nun auf und bin gespannt auf die vielen schönen Erlebnisse und wertvollen Erfahrungen, die dieses Jahr noch für mich bereithält.

Leo in Izieu

Beste Grüße aus Izieu, am Rande der französischen Alpen! Ich bin Leo Volkhardt, 18 Jahre alt und komme ursprünglich aus einem kleinen Dorf an der Nordseeküste.

Izieu, ebenfalls ein kleines Dorf, beherbergt die Gedenkstätte der Maison d’Izieu (Haus von Izieu), in dem während des Zweiten Weltkrieges jüdische Kinder untergebracht waren, von denen 44 verhaftet und deportiert wurden. So erinnert die Gedenkstätte nicht nur an die Kinder und ihr Schicksal, sondern auch an die juristische Aufarbeitung, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und den Aufbau von Erinnerung nach dem Krieg in Europa.

Es werden Gruppen (vor allem Schüler*innen) und Individualbesucher*innen empfangen, Führungen und Workshops angeboten und Recherche betrieben. Bei allem bin ich dabei, von Übersetzungen im Archiv zum Assistieren in Workshops oder der Hilfe für deutsche Gruppen während ihres Besuches.

Von den Kolleg*innen wurde ich sehr freundlich aufgenommen, in dem familiären Klima fühle ich mich sehr wohl. Von Anfang an war ich volles Mitglied der Belegschaft, durfte Führungen und Workshops folgen, eigene Ideen einbringen und verfolgen und lerne nicht nur in den gemeinsamen Mittagspausen viel über Frankreichs Geschichte und Gesellschaft.

In meiner Anfangszeit konnte ich jeden Tag in einen neuen Bereich hereinschauen, den Kollegen über die Schulter schauen und auch selbst aktiv werden. Inzwischen bestimme ich den Großteil meines Tagesablaufes selbst, biete den verschiedenen Abteilungen meine Hilfe an und arbeite eher an Projekten: umfassende Übersetzungen, Digitalisierung oder das Umräumen von Archivmaterial.

Auch der Ort selbst und die Umgebung werden mir immer bekannter, inzwischen habe ich für den Alltag alle wichtigen Punkte wie Supermarkt oder Post gefunden und habe fast direkt begonnen, zu Fuß, mit dem Auto und mit der Bahn die Umgebung zu erkunden. Städte wie Lyon, Chambéry oder Grenoble laden geradezu ein zum Besuchen.

Nach eineinhalb Monaten würde ich von mir durchaus behaupten, angekommen zu sein. Die Sprache ist zwar manchmal schwierig, aber ich bin angekommen und fühle mich hier heimisch.

Judith im Gedenkzentrum von Oradour-sur-Glane

Hallo Welt, oder wie man im Norden einfach sagen würde: Moin! Ich bin Judith, komme aus der Nähe von Hamburg und bin nun mit ASF für ein Jahr in Frankreich, in dem Gedenkzentrum von Oradour-sur-Glane. In dieses Dorf in der Mitte von Frankreich kam am 10. Juni 1944 eine SS-Panzerdivision und brachte alle Bewohner des Dorfes, eingeschlossen der Kinder, sowie Menschen die zufällig vor Ort waren, um. Danach zündeten die Soldaten die 642 Leichen und alle Gebäude an, sodass nur noch Ruinen zurückblieben.

Um dieses Massaker und die Ruinen, die nach wie vor bestehen, dreht sich die Arbeit des Centre de la mémoire d´Oradour (CMO), das direkt daneben errichtet worden ist und in dem ich meinen Friedensdienst leiste. Meine Arbeitsbereiche sind vielfältig und definitiv sehr variabel; heißt: eigene Ideen und Arbeitswünsche sind immer willkommen. Momentan genügen mir jedoch (auch aufgrund meiner noch nicht gänzlich ausgereiften Sprachkünste) die Aufgaben, die grundsätzlich für die Freiwilligen angedacht sind. Dazu gehören die Presseschau, bei der ich die französischen Zeitungen nach Artikeln über Oradour oder den 2. Weltkrieg im Allgemeinen durchsuche, Übersetzungen von Korrespondenzen auf Deutsch, die Ausarbeitung einer eigenen Führung durch den informierenden Ausstellungsteil des CMO, sowie durch das Ruinendorf und die Zusammenarbeit mit Kolleg*innen, wenn es darum geht Vorträge und Workshops für Schüler*innen, Austauschklassen oder Student*innen vorzubereiten und zu halten. Außerdem wird momentan an einer Überarbeitung der Dauerausstellung, sowie, dank meiner Vorgängerin, an einer Wanderaustellung auf Deutsch gefeilt, dessen Ziel deutsche Bildungsstätten sein sollen. Bei beiden Projekten kann ich durch meine noch recht objektive Position und meine Deutschkenntnisse, gut mitarbeiten.

Nun noch schnell etwas zum Leben außerhalb der Arbeit: Ich wohne in Limoges, einer schönen mittelalterlichen Stadt, ca. 20km von Oradour entfernt, die man im Hintergrund des Bildes erkennen kann. Limoges bietet alles, was man zum Leben braucht, inkl. genügend Einkaufsmöglichkeiten, einem großen kulturellen Angebot und Parks, in die man sich nach einem langen Arbeitstag zurückziehen kann.

Alissa und Simon in St. Jean le Blanc

Ich bin Alissa Geffert, 18 Jahre alt, und lebe und arbeite zusammen mit meinem Mitfreiwilligen Simon ein Jahr in der französischen Normandie. „Les volontaires au Bocage“ ist ein landwirtschaftliches Projekt, bei dem wir bei ungefähr 20 verschiedenen Farmern einer Association d’agriculture biologique arbeiten. Dazu gehört zum Beispiel das Ernten von Gemüse, die Herstellung von Apfelsaft und Cidre, von Ziegenkäse, Kräutertees, oder auch beim Schlachten dabei zu sein. Die Arbeitstage organisieren wir uns selbst, weshalb wir neben der großen Varietät an Farmen große Freiheit, aber auch Verantwortung haben. Das Arbeitsverhältnis nehme ich als freundschaftlich wahr, man steht uns sehr offen und vertrauensvoll entgegen; ich genieße die Gespräche mit den Farmer*innen, die trotz der anfänglichen Sprachbarriere sehr lustig und herzlich sind. Ich habe das Gefühl, dass wir in dem Projekt wahnsinnig gut in die französisch-normannische Kultur integriert werden, auch, weil wir auf dem Land leben, wo die städtische Anonymität wie ich sie aus Berlin kenne, nicht existiert. Das Arbeiten mit den Farmern, die Märkte und Feste oder kleinen kulturellen Angebote tragen dazu bei, dass wir als volontaires Teil eines Netzwerkes sind.

Simon und ich wohnen im sogenannten Château, wie auch die vielen Freiwilligengenerationen vor uns, die alle ihre persönlichen Spuren hinterlassen haben, heizen mit Holz und kümmern uns um den Hauskater Jaques. Wir haben das Privileg sehr selbstständig leben zu können. Um zu den Farmen zu kommen, haben wir einen grünen Twingo zur Verfügung. Wenn ich zur Arbeit durch die saftig-grüne, hügelige Landschaft fahre, kommt mir das Projekt immer sehr abgefahren und abenteuerlich vor.

Ich habe schon ein wenig damit begonnen, die Normandie als historischen Ort zu erkunden und war zum Beispiel am Omaha Beach. So nah an solchen Orten zu sein hat mich nochmal darauf aufmerksam gemacht, dass ich hier als deutsche Freiwillig arbeite, und dass das bloße kommunizieren, arbeiten, helfen und lachen mit den Menschen hier zum Gedanken der Aussöhnung beiträgt.

 

 

Nun bin ich, Simon Mücke, schon seit über einem Monat hier in meinem Projekt in St. Jean le Blanc, einem kleinen Dorf in der Normandie, und komme langsam in einen Alltagsrhythmus hinein, der sich allerdings zu Beginn ein wenig schwierig gestaltet hatte, da ich viele neue Dinge und Abläufe kennengelernt und gesehen habe.

Ich lebe hier in meinem sozialen Projekt mit Alissa, meiner Projektpartnerin in einem kleinen Häuschen zusammen, was sich ironischerweise „Le Chateau“ nennt, was übersetzt das Schloss bedeutet. Die Lebensumstände sind allerdings nicht, wie in einem Schloss zu erwarten, sehr komfortabel. Um ein warmes Haus zu haben müssen wir es noch ganz traditionell mit Holzfeuer beheizen, was sich als eine Aufgabe für sich herausstellt. Des Weiteren war die Toilettensituation zu Beginn für mich ein wenig, wie man auf Französisch sagt „bizarre“, da wir eine ursprüngliche separate Toilette draußen haben, die man alle drei bis vier Tage auf dem danebenliegenden Kompost eigenständig entleeren muss.

Unsere Aufgaben im Projekt sind sehr vielseitig. Wir helfen zum großen Teil den Bauern*Bäuerinnen der Association, einem Verein/Zusammenschluss verschiedener BIO Bauern*Bäuerinnen, die mal mehr mal weniger unsere unterstützende Arbeitskraft in Anspruch nehmen. Hierzu gehörte es, gerade zum Projektbeginn im Spätsommer bei der Gemüseernte wortwörtlich mit anzupacken. Des Weiteren halfen wir beim Einsammeln der Hühnereier und beim Schlachten von Hühnern und Perlhühnern mit. Zu den weit auseinanderliegenden Farmen würden wir allerdings nicht ohne unseren kleinen mintgrünen Franzosen kommen, unseren Renault Twingo. Allerdings werden wir demnächst noch die Möglichkeit haben, in einem Kino und in einer Bücherei weitere kleine Aufgaben zu übernehmen.

Im Großen und Ganzen ist das Leben hier sehr schön und ruhig, was für mich eine neue Situation und Lebenserfahrung ist, da ich aus dem großen, auch hektischen Berlin komme.

Rose in der Arche Paris

Salut tous les monde!
Ich heiße Rose, bin 18 Jahre alt und lebe seit knapp zwei Monaten in einer Archegemeinschaft in Paris. Das heißt ich lebe mit zwölf Menschen mit Behinderungen und drei anderen Freiwilligen aus Frankreich in einer großen Wohnung.
Alle Bewohner unseres Foyers, also unsere Lebensgemeinschaft stehen gemeinsam auf, Frühstücken und machen sich gemeinsam für den Tag fertig. Das heißt für mich, ich wecke am Morgen die Bewohner, suche mit ihnen die Klamotten für den Tag raus, mit anderen putz ich die Zähne. Jeder hat seine ganz eigene Morgenbegleitung, weil jeder bei anderen Dinge Unterstützung braucht. Aber eigentlich sind alle Bewohner hier sehr autonom. Das heißt ich begleite niemanden mit aufs Klo oder so. Man darf sich eine Lebensgemeindschaft auch nicht als ein Pflegeheim vorstellen. Wir leben alle, mit unseren Eigen- und Besonderheiten zusammen und helfen uns gegenseitig wo wir können. Nicht nur die Bewohner brauchen Hilfe, ich auch. Zum Beispiel verstehe ich oft noch nicht alles auf Französisch. Aber wenn ich etwas nicht verstanden habe, erklärt mir hier jeder mit Freude den Satz so lang bis ich ihn verstanden habe.

Manchmal ist es auch ganz schön viel, die Sprache, die Umgebung, alles ist auf einmal Neu und Unbekannt. Auch ist es oft nicht so einfach in einem funktionierenden Team seinen Platz zu finden. Diese Lebensgemeinschaft existiert ja schon länger. Nur die Freiwilligen wechseln jedes Jahr. Aber alle hier sind offen und herzlich, das macht es mir in den Zeiten in denen es mir nicht so gut geht oft einfach. Hier werden ganz kleine Situationen, oft auch unglaublich lustig. Sebastien zum Beispiel, ein Bewohner, legt sich, wenn er richtig gute Laune hat auf den Boden und tut dann so als würde er schlafen. Dann macht er die Augen auf und fängt laut an zu lachen. Man muss dann einfach mitlachen, weil er davor mit einer fast künstlerischen Ernsthaftigkeit auf dem Boden lag und keine Miene verzogen hat um jeden davon zu überzeugen, dass er schläft.

Ich kann zum Schluss nur sagen, dass sich hier mein Blick auf die Dinge verändert hat. Man schaut genauer hin, lernt geduldig und aufmerksam zu sein. Das fordert einen oft heraus, ist aber gleichzeitig auch sehr schön, wenn man bemerkt das man es geschafft hat.
Es ist ein sehr offenes Zusammenleben hier in der Arche in Paris, wenn etwas nicht klappt, ist das nicht schlimm, dann findet man einfach eine andere Lösung. Denn im großen und ganzen geht es darum, zusammen zu sein und gemeinsam das Leben zu genießen.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich!
Liebe Grüße Rose

Linnéa im Mémorial de la Shoah

Morgens sprinte ich zur Métro, quetsche mich in einen überfüllten Wagon und hoffe, die turbulente Fahrt ohne einen malaise (Schwächeanfall) zu überstehen. Vorbei an orientierungslosen Tourist*innen bahne ich mir den Weg durch die motorisierte Fußgängerzone bis zum wuchtigen Eingangstor, das mein Lieblingskontrolleur nach seinem Versteckspiel schließlich entriegelt. Schnell flitze ich die Treppen hinauf in den vierten Stock, zum salle de lecture (Leseraum). Dort wartet Arbeit auf mich. Der Tag kann beginnen.

Salut aus Paris! Ich heiße Linnéa, bin 18 Jahre alt, komme aus Hamburg und darf die französische Hauptstadt mittlerweile meine Heimat nennen. Im Zentrum meines Friedensdienstes mit ASF befindet sich das Mémorial de la Shoah, ein Museum und Dokumentationszentrum zur Verfolgung französischer und europäischer Juden und Jüdinnen während des Zweiten Weltkriegs. Es ist der größte Gedenkort an den Holocaust in Frankreich.

Bislang besteht mein Projekt im Wesentlichen aus administrativen Tätigkeiten. Ich muss Bilder einscannen und ausdrucken, Ordner sortieren oder Bibliographien anfertigen. Manchmal werde ich um die Übersetzung von Briefen gebeten. Einmal pro Woche empfange ich Besucher*innen, die Fotos sowie historische Dokumente von ihren Familien hinterlegen. Jene Gespräche sind oft emotional und sehr interessant. Hinsichtlich meiner Aufgaben würde ich mir deutlich mehr Kommunikation und geschichtlichen Inhalt wünschen. Auch erhielte ich gerne Einblicke in die vielfältigen pädagogischen Angebote der Einrichtung. Leider fanden Vorschläge meinerseits bislang wenig Resonanz.

In Paris habe ich mich trotz einiger Tücken, die das Leben in der Metropole mit sich bringt (beispielsweise hinterlassen viele Parks den Eindruck von Ratten-WGs), bestens eingelebt. Teilweise strengt mich die französische Bürokratie mit ihren unzähligen Reglements an, doch bislang schaffe ich es, Phasen der Verzweiflung wegen Bankangelegenheiten und Handyverträgen zeitlich zu begrenzen. Abends besuche ich Tanz- und Theaterkurse, singe im Chor oder genieße den Dialog mit Student*innen aus fernen Ländern. Am Wochenende unternehme ich gelegentlich Spaziergänge, die sich trotz begrenzter Idylle als lohnenswert erweisen. Zudem stehen Ausstellungen und Museen auf dem Plan. Es tut jedoch ebenso gut, im Doppelbett Schlaf nachzuholen oder ein Buch zu lesen. Ich bewohne ein gemütliches Appartement unweit des Künstlerviertels Montmartre. Einsam fühle ich mich nie. Die Pariser*innen erlebe ich – zumindest außerhalb des Pflichtprogramms im Beruf – als aufgeschlossene, hilfsbereite Menschen. Ansonsten ist es nie weit zu anderen Freiwilligen, die gesellige Stunden garantieren.

Kurzum lässt sich sagen: Müde bin ich andauernd, satt dagegen noch lange nicht! Gespannt blicke ich weiteren Begegnungen und Erlebnissen entgegen, freue mich über Momente wohltuender Freiheit und Gesten des Friedens.  

Sabrina im Mémorial de la Shoah

Bonjour à toutes et à tous !

Mein Name ist Sabrina, ich bin 18 Jahre alt und absolviere im Moment meinen einjährigen Friedensdienst mit ASF in Paris. Nun bin ich schon gut eineinhalb Monate in meinem Projekt und habe bereits unglaublich viele neue Eindrücke sammeln können.

Drei Tage in der Woche arbeite ich im Mémorial de la Shoah, der Holocaust-Gedenkstätte in Paris, für den Angehörigenverein „Association Convoi 77“. Der Convoi 77 war der letzte große Deportationszug, der das französische Internierungslager Drancy am 31. Juli 1944 nach Auschwitz verlassen hat.

Meine Aufgaben hier sind sehr unterschiedlich: Anfangs habe ich mich hauptsächlich mit der Datenbank, in der alle 1321 Deportierten dieses Convois aufgelistet sind, beschäftigt und die Angaben mit Archivdokumenten abgeglichen. Durch diese riesigen Tabellen durchzusteigen und Excel auf Französisch zu verstehen, war eine ziemliche (technische) Herausforderung. Glücklicherweise habe ich aber viele, sehr hilfsbereite Kolleg*innen um mich herum, die mir bei zahlreichen Fragen unterstützend zur Seite stehen. Darüber hinaus recherchiere ich viel zu den individuellen Schicksalen der Deportierten, schaue Zeitzeugeninterviews und verfasse anschließend Biografien.

Neben Übersetzungstätigkeiten arbeite ich auch mit Schulklassen und Student*innen zusammen, die an dem europäischen Bildungsprojekt Convoi 77 teilnehmen und zu einem Deportierten ihrer Region recherchieren.

Aktiv miterleben kann ich die jüdische Kultur in meinem Zweitprojekt, dem „Café des Psaumes“, in dem ich mittwochs und sonntags kellnere. Dieses jüdische Begegnungscafé im quirligen Marais-Viertel dient als interkultureller Treffpunkt und ist das wohl günstigste Café in Paris. Zahlreiche Veranstaltungen wie Hebräisch-Kurse, Literaturkreise und Diskussionsrunden finden hier statt. Jeden Sonntag gibt es zudem ein Konzert und der Andrang ist dementsprechend groß. Obwohl es zwischenzeitig auch echt ganz schön stressig werden kann, ist die Atmosphäre im Café generell sehr gemütlich und familiär, sodass mir die Arbeit dort immer viel Freude bereitet.

Jetzt freue ich mich aber erst mal auf die nächsten Monate in meinem Projekt und natürlich in Paris - einer wirklich traumhaft schönen Stadt - und bin ganz gespannt auf neue Erlebnisse und Begegnungen.

Rebecca im Weltfriedenszentrum Verdun

Der erste Eindruck meines neuen Zuhauses, der 18 000 Einwohnerstadt Verdun im Osten Frankreichs, war etwas deprimierend, trübes Wetter, ganze Häuserzeilen leerstehend und niemand, der mich abholte.

Auch bei der Arbeit im Weltfriedenszentrum fühlte ich mich erst mal ein wenig verloren. Ich hatte gehofft, übersetzen und später Führungen geben zu können, aber stattdessen wurde mir wage mitgeteilt, ich würde wohl den Weihnachtsmarkt organisieren. Dabei tat ich mich erst etwas schwer, ich wusste gar nicht, welche Fragen man im Einzelnen bei so einer Veranstaltung bedenken muss. Und an Antworten kam ich nur durch Zufall durch Dokumente meiner Vorgänger, die ich auf dem Computer fand. Diese Probleme sorgten unter anderem dafür, dass ich anfangs etwas enttäuscht und unmotiviert war.

Aber nach den ersten Wochen wurde mir klar, ich will nicht nur mein Auslandsjahr absitzen, sondern ich will einen wirklichen Friedensdienst mit Überzeugung leisten. Und tatsächlich ging es mir dann besser. Jetzt bin ich besser eingearbeitet, kann deswegen schon ein paar eigene Ideen umsetzen und habe dazu noch sehr abwechslungsreiche Aufgaben. Mal werbe ich für den Markt bei lokalen Händler*innen und Läden, mal führe ich Besucher*innen durch das Gebäude, mal helfe ich dem Hausmeister. Besonders gefällt mir der Kontakt mit Besucher*innen und Projektpartner*innen. Dabei bekommt man ganz andere Lebensentwürfe und Ideen mit, lernt Neues und diskutiert auch mal über Politik.

In meiner Freizeit nutze ich die lokalen Bibliotheken, gehe zum Krav Maga (Kampfsport) Training oder zum Französisch Kurs. Mittlerweile ist mir auch die Stadt schon ans Herz gewachsen, die Gässchen mit historischen Gebäuden sind einfach schön und die Stadt ist klein genug, dass man sich häufig durch Zufall über den Weg läuft. Ich tue mich nur noch etwas schwer damit, Freund*innen in meinem Alter zu finden. Aber letzte Woche habe ich eine sehr nette Freiwillige aus der Schweiz getroffen und ich hoffe mit ihr etwas unternehmen zu können.

Der Aufenthalt hat bei mir auch schon zu einigen Reflexionen über unsere Wahrnehmung von Nationalitäten geführt. Wie häufig denkt man noch in den Kategorien der Nationen, obwohl das allein doch nichts über das Individuum aussagt. Das ist oft frustrierend, wenn auch von eigentlich weltoffenen Menschen als Argument gegen mich etwas über "die Deutschen" gesagt wird.

Aber trotz aller Schwierigkeiten bin ich mir sicher, dass es eine gute Entscheidung war diesen Friedensdienst zu leisten und ich bin glücklich hier zu sein.

Länderübersicht

Das ist die Freiwilligengeneration 2017/18

Belarus

Berichte der Freiwilligen aus Belarus

Belgien

Berichte der Freiwilligen aus Belgien

Frankreich

Berichte der Freiwilligen aus Frankreich

Großbritannien

Berichte der Freiwilligen aus Großbritannien

Israel

Berichte der Freiwilligen aus Israel

Niederlande

Berichte der Freiwilligen aus den Niederlanden

Norwegen

Berichte der Freiwilligen aus Norwegen

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Berichte der Freiwilligen aus Polen

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