Briefe aus Großbritannien

Charlotte im Jewish Museum London

Mein Name ist Charlotte Hafner, ich komme aus einem kleinen Dorf in der Nähe von Frankfurt am Main in Hessen und ich darf mein Jahr mit ASF im Jewish Museum London verbringen, sowie einen Tag die Woche eine Überlebende des Kindertransports in Zusammenarbeit mit der Association of Jewish Refugees besuchen.

Nun arbeite ich schon fast zwei Monate im Jewish Museum und es war bisher eine wirklich inspirierende Zeit! Das Projekt ist wie für mich gemacht, ich freue mich ehrlich jeden Tag auf die Arbeit zu gehen. Diese besteht hauptsächlich in der Betreuung von Schulklassen (meist um die 5 pro Woche mit zwischen 30 und 90 Schüler*innen), während diese an Workshops des Museums teilnehmen. Bei diesen Workshops lernen sie über das Judentum, aber natürlich auch über ernste Themen wie den Kindertransport und Antisemitismus während des Zweiten Weltkriegs. Für mich persönlich war es besonders schön, etwas mehr über das Judentum zu lernen. Hier im Museum lerne ich wirklich jeden Tag eine neue Sache, es ist wunderbar! Ich hatte auch das Glück, dass zwischen September und Oktober viele jüdische Feiertage liegen, die ich alle im Museum aktiv miterleben konnte. Meine Mitarbeiter*innen haben mich sogar mehrmals in Synagogen mitgenommen, was beides Mal sehr schön war.

Auch meine Arbeit mit der Association of Jewish Refugees ist sehr interessant. In Deutschland hört man überraschenderweise wirklich wenig über den Kindertransport, deswegen wusste ich auch hierüber abgesehen von meinen persönlichen Nachforschungen eher weniger. Aber die Dame, die ich betreue ist unglaublich nett und redet sehr offen über ihre Erfahrungen und Erlebnisse. Im Gegenzug helfe ich ihr mit dem Computer, etwas was für sie, ein Frau über neunzig, verständlicherweise einige Probleme aufwirft.

Generell lässt sich sagen, dass ich bisher eine super Zeit mit ASF hatte und wenn ich mir so meine Pläne für November und Dezember anschaue, werden die nächsten Monate weiter interessant und lehrreich sein.

Maite bei Reconciliation Ministry

Mein Name ist Maite Böhm und seit Anfang September lebe ich in Coventry in Großbritannien. Hier arbeite ich in der Kathedrale von Coventry im sogenannten "Reconciliation Ministry". Diese Abteilung in der Kathedrale ist verantwortlich für Friedens- und Versöhnungsarbeit, die die Kathedrale noch heute leistet. Coventry und seine gothische Kathedrale wurden in der Nacht des 14. Novembers 1940 durch einen deutschen Luftangriff zerstört. Der damalige Hauptgeistliche der Kathedrale, Provost Howard, forderte allerdings anstatt von Rache und Vergeltung, dass sich die Kathedrale für Frieden und Versöhnung einsetzt. Dieser Gedanke ist bis heute ein großer Teil des Lebens in der Kathedrale und der Stadt, die sich selber "Stadt des Friedens und der Versöhnung" nennt. Das Reconciliation Ministry spielt hierbei eine wichtige Rolle. Unsere Zuständigkeitsbereiche erstrecken sich von Kursen für die lokale Bevölkerung zum Thema Versöhnung und wie jeder selbst tätig werden kann, über das Verwalten von Netzwerken aus Friedens- und Versöhnungszentren in der ganzen Welt bis hin zu direkter, internationaler Versöhnungsarbeit. Ich selber fühle mich sehr wohl und wilkommen hier in Coventry. Das Arbeiten in unserem Team macht viel Spaβ und die Atmosphäre im Büro ist gut. Ich lebe hier nicht weit von der Kathedrale entfernt gemeinsam mit zwei weiteren Freiwilligen aus Großbritannien und den USA zusammen, die ebenfalls im Reconciliaiton Ministry arbeiten. In meinen beiden Mitbewohnerinnen habe ich mittlerweile gute Freundinnen und Kolleginnen gefunden, die mir sehr geholfen haben, hier anzukommen und mich einzuleben.

Julie bei Association of Jewish Refugees

Mein Name ist Julie Manseck, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Ingolstadt, einer Kleinstadt in Bayern. Im Frühling diesen Jahres habe ich mit dem Abitur meinen Schulabschluss gemacht und Anfang September meinen Aktion Sühnezeichen Friedensdienst bei der Association of Jewish Refugees (AJR) in London angetreten.

Die AJR ist eine 1941 von jüdischen Flüchtlingen gegründete Wohltätigkeitsvereinigung mit dem Ziel, jüdischen Flüchtlingen vor dem NS-Regime soziale und finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Mit ihrem landesweiten häuslichen Betreuungsprogrammen und mehr als 44 Regionalgruppen in ganz Großbritannien kümmert sich die AJR mit Unterstützung ihrer unverzichtbaren Helfer*innen und Freiwilligen nun schon seit fast 80 Jahren um die Bedürfnisse von Holocaust-Überlebenden und -Flüchtlingen, sowohl als mitmenschlicher Ansprechpartner, als auch bei altersbedingten Herausforderungen des alltäglichen Lebens.

In der AJR, die selbst eine Freiwilligen-Organisation ist, werde ich nicht nur als Volunteer, sondern als Intern, also als Praktikant betrachtet. Das liegt daran, dass ich neben meinen Aufgaben als AJR-Freiwilliger, im Rahmen des Individual Befriending Programmes AJR-Mitglieder zuhause zu besuchen, bei Gruppen-Treffen mitzuhelfen und im DayCentre zur Hand zugehen, wo immer Hilfe benötigt wird, auch im Freiwilligen- Department der AJR organisatorische Aufgaben übernehme, wo ich für die Bewerbungen neuer Freiwilliger zuständig bin und den AJR-Volunteers-Newsletter schreibe.

Durch diese Vielzahl an verschiedenen Aufgabenbereichen, sowohl sozialer als auch organisatorischer Natur, ist meine Arbeitsalltag unglaublich abwechslungsreich und ich habe die Chance unterschiedlichste Dinge zu lernen. Abgesehen von der Tatsache, dass Email-Korrespondenz und Telefongespräche auf Englisch kein Problem mehr für mich darstellen und meine Fähigkeiten im Rummikub (dem Lieblingszeitvertreib der AJR-Mitglieder im DayCenter) sich um einiges verbessert haben, wird mir tagtäglich das Privileg zuteil, die Lebensgeschichten und Erfahrungen von Holocaust-Überlebenden aus erster Hand zu hören und nicht nur die englische, sondern auch die jüdische Kultur unmittelbar erleben und kennenlernen zu dürfen. Jeder Tag in meinem Projekt bringt neue spannende Aufgaben und Herausforderungen für mich mit sich und so sind meine ersten Wochen bei der AJR wie im Flug vergangen…

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