Briefe aus Israel

Antonia im Beit Sefer Ilanot

Shalom! Mein Name ist Antonia und ich bin 18 Jahre alt. Vor nahezu zwei Monaten hat für mich und meine zwanzig Mitfreiwilligen der Friedensdienst in Israel begonnen. Nach dem zehntägigen Vorbereitungsseminar im „Beit Ben Yehuda“, dem Haus für ASF- Freiwillige in Jerusalem, bei dem wir auf das Leben in Israel und in den Projekten vorbereitet wurden, bin ich in meine WG in Jerusalem gezogen, die nun für ein Jahr lang mein zu Hause sein wird. Wie alle ASF-Freiwilligen in Israel bin ich in Kombiprojekten tätig.

Bei meinem ersten Projekt „Beit Sefer Ilanot“ handelt es sich um eine staatliche Schule für Kinder und Jugendliche mit geistigen und körperlichen Behinderungen. Ich bin dort einer Klasse mit Jungen und Mädchen im Alter von sechs bis neun Jahren zugeteilt und unterstütze die Lehrer*innen und Assistent*innen durch die Mitarbeit im Unterricht und in den Therapien. In ihrem Schulalltag begleite ich die Kinder darüber hinaus in den Pausen, während der Mahlzeiten und übernehme Pflegetätigkeiten. Einmal die Woche findet beispielsweise der Schwimmunterricht im hauseigenen Pool statt, wobei ich den Kindern beim Umziehen helfe.

Das zweite Projekt „Amcha Jerusalem“ ist eine Einrichtung für Schoa- Überlebende und deren Kinder. „Amcha“ bietet professionelle psychologische Betreuung, Hilfen zur Alltagsbewältigung und Besuche zu Hause an. Wöchentlich besuche ich drei ältere Damen und verbringe bei kleinen Einkäufen zum nächsten Supermarkt, gemütlichen Spaziergängen durch die Nachbarschaft oder langen Gesprächen bei Tee und Keksen gemeinsam mit ihnen den Nachmittag.

Meine ersten Wochen in Israel waren vor allem geprägt durch die zahlreichen jüdischen Feiertage. An Rosh Haschanah, dem Neujahrstag durften meine WG-Mitglieder und ich die Gastfreundschaft der Israelis erfahren. Wir wurden von einer liberalen jüdischen Frau, die wir in der Synagoge kennengelernt hatten, eingeladen, um mit ihr und ihrer Familie zu feiern und die Traditionen und Gebete kennenzulernen. Der absolute Stillstand jeglicher Fortbewegungsmittel an Yom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag und das problemlose Entlangspazieren auf Jerusalems Hauptverkehrsstraßen, sowie die zahlreichen Laubhütten, die schon eine Woche später über die Sukkot-Festtage Jerusalems Stadtbild prägten, werde ich so schnell nicht vergessen.

Ich bin sehr gespannt auf die Erfahrungen, die ich über das Jahr hinweg noch sammeln darf und die Orte, die ich noch besichtigen kann.

Lennard im Elternheim Anita Miller Cohen

Hallo zusammen, mein Name ist Lennard Meiwes. Ich bin 18 Jahre alt und arbeite in Tel Aviv im Elternheim Anita Miller Cohen und an der Universität Tel Aviv. Das Elternheim Anita Miller ist ein Heim für ältere, jüdische Menschen aus Mitteleuropa, also Österreich, Ungarn und auch Deutschland. Viele der Bewohner*innen sind bis 1939 nach Israel eingewandert, andere haben die Shoah überlebt.

Meine 3 Tage dort beginnen mit Essenanreichen und Helfen in der Pflegestation des Heims, dann besuche ich eigenständige Bewohner*innen: führe Gespräche, gehe Spazieren oder spiele Scrabble. Hier nach geht‘s für mich wieder nach oben auf die Pflegestation, wo ich bei Aktivitäten wie Quiz oder Bingo zuarbeite. Gegen Mittag helfe ich wieder einigen Bewohner*innen beim Essen, bevor ich dann selbst Mittagspause habe. Zum Schluss besuche ich am Nachmittag wieder verschiedene Bewohner*innen.

An der Uni arbeite ich im Kantor Center in einer Datenbank für aktuellen Antisemitismus. Wann immer in deutschsprachigen Ländern Ereignisse im Bezug auf Antisemitismus auftreten, ist es meine Aufgabe eine kurze Zusammenfassung auf Englisch zu schreiben. So taucht dann z.B. der antisemitische Facebook-Post eines Lokalpolitikers in der Datenbank auf.

Mein Zuhause in Tel Aviv ist die Zunz WG im Osten von Jaffa, wo ich mit 3 Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen wohne. Am Wochenende reise ich viel: mal nach Jerusalem oder nach Haifa. Wie fühlen sich die ersten 2 Monate nun an? Nach den 2 Vorbereitungsseminaren, eins bei Berlin, eins in Jerusalem, war ich froh endlich loslegen zu können. Vieles hatte ich mir einfacher vorgestellt, das Zusammenleben in einer WG, das Zurechtfinden in einer mir vollkommen unbekannten Stadt und die Einsamkeit zu Anfang. Langsam beginne ich jedoch neue Freund*innen zu finden und Tel Aviv zu genießen. Jeden Tag wird es schöner und wenn im Elternheim einige Bewohner*innen sich freuen, mich jetzt jede Woche zu sehen, dann weiß ich ganz genau warum ich diesen Dienst mache...

Klara im Beit Moses und im Leo-Baeck Institute Jerusalem

Slicha, ani lo medaberet Ivrit. – Entschuldigung, ich spreche kein Hebräisch. Die Phrase begleitet mich durch den Tag seit dem ersten Moment in Israel. Aber: Ani lomedet. Ich lerne.

Ich bin Klara, Abiturientin aus Bielefeld und seit September in Jerusalem. Dort arbeite ich in zwei Projekten. Im Altersheim Beit Moses und im Leo-Baeck Institute Jerusalem.

Zusammen mit fünf anderen Freiwilligen lebe ich in unserer Wohnung weit im Westen der Stadt. Früh aufstehen muss ich trotzdem nicht, da ich erst um neun zur Arbeit muss. Zum Glück verstehen wir uns alle gut, wir sitzen also morgens noch kurz zusammen, dann geht es mit dem Bus quer durch die Stadt.

Ich arbeite jeden Tag acht Stunden, erst vier bei der einen, dann bei der anderen Arbeitsstelle. Im Leo-Baeck erlebe ich meist einen ruhigen Vormittag. Wir sind nur zehn Leute, nicht immer kommen alle und ich sitze am Schreibtisch und beschäftige mich mit alten Dokumenten oder helfe bei der Organisation von Veranstaltungen. Im Beit Moses besuche ich Bewohner*innen, lese vor, gehe Spazieren oder quatsche einfach ein bisschen. Viele sind Überlebende des Holocaust und sind offen, mir von ihrer Vergangenheit zu erzählen. Durch meine Arbeit lerne ich also jeden Tag sowohl über Papier, als auch durch die persönlichen Gespräche.

Verständigungsprobleme gibt es nicht, sowohl im Leo-Baeck, als auch im Beit Moses sprechen fast alle Deutsch oder zumindest Englisch; Hebräisch lernen wird so also nichts, habe ich mir gedacht, und jetzt treffe ich mich einmal die Woche mit meinem Tandempartner: er hilft mir mit Hebräisch und ich ihm mit Deutsch. Außerdem gehe ich hier einmal die Woche zur Chorprobe und alle zwei Wochen zum „Open House Jerusalem“, der lgbt-Gruppe in Jerusalem.

Ansonsten ist es schwierig aus der deutschen Blase herauszukommen. Trotzdem genieße ich, dass wir Freiwilligen uns oft gegenseitig besuchen kommen und die vielen Sprachen, die man hier jeden Tag auf der Straße hört.

Viele liebe Grüße aus dem sonnigen Israel!

Ninel im Gan Or und im Elternheim Pisgat Chen

Ich bin Ninel und nun seit fast zwei Monaten in Israel. Meine Mitbewohnerinnen und ich wohnen zusammen in einer Vierer-WG in Haifa. Tätig bin ich in zwei Projekten. 30 Stunden in der Woche arbeite ich in Gan Or, einer Schule für Menschen mit Behinderungen in Kirjat Ata. In „meiner“ Klasse sind sechs Jugendliche und Erwachsene zwischen 15 und 20 Jahren. Meine Aufgaben bestehen darin sie im Alltag unterstützend zu begleiten. In Gan Or gibt es täglich besondere Aktivitäten für die Schüler-/innen, wie zum Beispiel Physiotherapie, Schwimmunterrichte, das Feiern jüdischer Feiertage, Reiten, ein Ausflug in ein Naturschutz-Reservat… Bei allen diesen Aktivitäten ist es meine Aufgabe, dass jede-/r Schüler-/in soweit unterstützt wird, dass er oder sie an den Aktivitäten mit Freude teilnehmen kann. Mein zweites Projekt ist „Pisgat Chen“ ein Seniorenheim in Haifa. Dort bin ich zehn Stunden in der Woche. Ich bin im gesamten Haus tätig. Das heißt, dass meine Arbeit dort sehr vielseitig ist. Ich helfe im Stockwerk für diejenigen die in einer schlechten körperlichen Verfassung sind, beim Essen, verbringe in der Station für die an Demenz oder Alzheimer erkrankten Menschen Zeit mit den Bewohnern und besuche Einzelpersonen in ihren Wohnungen.  Die Bewohner, die ich in ihren Wohnungen besuche, sind zum größten Teil Überlebende der Shoah. Mit ihnen habe ich schöne, emotionale und auch traurige Gespräche. Mir gefallen beide Projekte sehr gut. Ich habe zu den Menschen, mit denen ich arbeite eine gute Beziehung und bin über jeden Kontakt mit ihnen froh. Mir wird sehr offen und dankbar begegnet, sodass ich mich in beiden Projekten sehr willkommen fühle. Auch dass ich zwei Projekte habe, gefällt mir sehr gut, weil es sehr viel Abwechslung und Vielseitigkeit in den Alltag bringt.

Constantin in der Gedenkstätte Yad Vashem

Shalom! Ich bin Constantin, Freiwilliger mit ASF in Israel.

Ursprünglich komme ich aus Wangen im Allgäu, einer kleinen Stadt im äußersten Süden Deutschlands, doch jetzt lebe ich für ein Jahr in Jerusalem, einer spannenden und verrückten Stadt, die auch nicht immer ganz einfach zu verstehen ist.

Im September ging es los und die ersten Wochen waren davon geprägt, sich zurecht zu finden, denn alles ist neu: Wohnung, Sprache, Kultur und nicht zuletzt die Arbeit.

Ich verbringe den Hauptteil meiner Arbeit (30 Stunden) in der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem und bin in der deutschen Abteilung, die für das Archiv katalogisiert, tätig. Die Arbeit ist unheimlich interessant.

Außerdem arbeite ich für „Amcha Jerusalem“. Hier werden Freiwillige für Hausbesuche bei Shoa-Überlebenden vermittelt und so besuche auch ich zwei Personen regelmäßig daheim. Beide haben eine unglaubliche Geschichte und ich sehe es als große Chance, als einer der letzten noch die Möglichkeit zu haben, mit Überlebenden zu sprechen. Wir unterhalten uns aber nicht nur über die Geschichte, sondern über verschiedenstes, z.B. Kultur, Politik oder Musik.
Das Programm ist ein sehr gutes, da ich genauso die Treffen genieße, wie es die Überlebenden tun, und mit jedem Mal, wenn ich wieder vorbeischaue, wird die Beziehung persönlicher.

Neben der Arbeit habe ich mir einen Chor gesucht und habe auch sonst genug Zeit, um Dinge anzuschauen. Gerade an den Wochenenden ergeben sich durch das gute israelische Bussystem Möglichkeiten, herumzukommen und auch Freiwillige in anderen Städten zu besuchen.
Mit fünf anderen Freiwilligen von ASF, die auch in Jerusalem ihren Dienst leisten, wohne ich zusammen in einer WG und so ist man nicht ganz auf sich alleine gestellt in der neuen Umgebung.

Ich freue mich auf die Zeit, die noch vor mir liegt, und bin gespannt, was mich noch erwartet.

Josepha in einem arabischen Kinderhort

Ich bin Josepha Popkes und bin seit zwei Monaten in der Stadt Haifa in Israel. Ich arbeite in einem arabischen Kinderhort für sozial benachteiligte Kinder und bei Amcha Haifa, ein Betreuungszentrum für Shoa-Überlebende und die zweite Generation.
Im Kinderhort lerne ich nach und nach den Tagesablauf kennen. Die Hortnerinnen sind geduldig und geben mir viele Möglichkeiten eigene Projekte mit den Kindern zu gestalten. Dadurch habe ich schon einige Aktivitäten, wie Basteln, Singen, Gymnastik und Gruppenspiele durchführen können. Da mir noch viele Worte fehlen, um mich auszudrücken, läuft die meiste Kommunikation mit den Kindern über Körpersprache ab. Das Interessante daran ist, dass die Kinder mir langsam und mit viel Körperausdruck antworten. Jedoch ist der strenge und sehr direkte Umgang der Hortnerinnen noch neu für mich und zum Teil auch nicht nachvollziehbar.
Die Mitarbeiter*innen und Mitglieder bei Amcha sind sehr aufgeschlossen und freundlich. Ich bin in einem Team aus fünf israelischen Freiwilligen und der Freiwilligenkoordinatorin tätig. In der nächsten Zeit werden wir Projekte und Veranstaltungen, wie zum Beispiel eine Geburtstagsfeier planen und organisieren. Voraussichtlich werde ich einen Deutschkurs geben. Neben den Tätigkeiten im Seniorenclub besuche ich noch eine ältere Frau zu Hause und helfe ihr mit Computer- und Handyfragen. Sie kommt aus Polen und kam als Jugendliche nach Israel. Es ist bemerkenswert welchen langen und schwierigen Weg die älteren Menschen schon hinter sich gelegt haben.
Haifa ist eine wunderschöne Stadt. Verwinkelte Treppen führen den Berg hinauf und überall treffen Menschen aller Kulturen und Sprachen in Cafés, auf arabischen Märkten und auf der Straße aufeinander. Außerdem kann man gut die umliegenden Städte, wie Nazareth, Akko und Nahariya erreichen, was sehr schön für Wochenendausflüge ist. Ich bin froh angekommen zu sein und gespannt, was die weitere Zeit mit sich bringt.

Länderübersicht

Das ist die Freiwilligengeneration 2017/18

Belarus

Berichte der Freiwilligen aus Belarus

Belgien

Berichte der Freiwilligen aus Belgien

Frankreich

Berichte der Freiwilligen aus Frankreich

Großbritannien

Berichte der Freiwilligen aus Großbritannien

Israel

Berichte der Freiwilligen aus Israel

Niederlande

Berichte der Freiwilligen aus den Niederlanden

Norwegen

Berichte der Freiwilligen aus Norwegen

Polen

Berichte der Freiwilligen aus Polen

Russland

Berichte der Freiwilligen aus Russland

Tschechien

Berichte der Freiwilligen aus Tschechien

Ukraine

Berichte der Freiwilligen aus der Ukraine

USA

Berichte der Freiwilligen aus den USA

  • Gefördert vom
  • im Rahmen des Bundesprogramm
  •  
  •