Briefe aus den Niederlanden

Julia im Welthaus

Ich bin Julia, 18 Jahre alt und habe diesen Sommer mein Abi gemacht. Ich bin per Zufall durch den Film »Hannas Reise« auf ASF gekommen und war, als ich die Organisation gegoogelt habe, ganz überrascht, dass es sie wirklich gibt. Jetzt bin ich schon seit 5 Wochen in Amsterdam und kann es immer noch nicht ganz fassen, dass es alles wirklich geklappt hat! Nach den 9 unglaublich tollen und sehr intensiven Tagen in Hirschluch sind alle Niederlande-Freiwillige nach Amsterdam gefahren.

Am ersten Arbeitstag war ich leider erst völlig von der niederländischen Sprache überfordert, trotzdem hat es mir schon sehr gut in meinem Projekt gefallen. Ich arbeite in Haarlem (ca. 15 min mit dem Zug von Amsterdam entfernt) in einem Welthaus. Dort können Menschen Niederländischsprachkurse besuchen. Diese werden von ehrenamtlichen Lehrer*innen gegeben. Das Niveau des Unterrichts ist von A0 bis B2. Zurzeit darf ich immer noch selbst als Schülerin beim Unterricht teilnehmen und helfe den Lehrer*innen mit kopieren oder den Kaffee und den Tee für die Pause vorzubereiten. Jeden Mittwoch gehe ich in ein Gemeindezentrum, in dem seit neustens ein Frauen-Café stattfindet. Dort treffen sich um die 15 Frauen aus ganz verschiedenen Ländern und trinken zusammen Kaffee. Danach gibt es meistens noch einen Programmpunkt, wie z.B. Tanzen oder Sport.

Inzwischen läuft es schon wesentlich besser mit der niederländischen Sprache, trotzdem bin ich jeden Abend noch von den ganzen neuen Eindrücken und vor allem auch von dem Sprachbad völlig erschlagen. Ich bin aber sehr froh, dass ich in Haarlem arbeiten darf. Die meisten Menschen wissen, wie es sich anfühlt, wenn man neu in einem Land ist, die Kultur und die Sprache nicht versteht. Dadurch ist es eine ganz enorm offenen und herzliche Atmosphäre!

Klara im Joods Cultureel Kwartier

Ich bin Klara, bin 18 Jahre alt und habe diesen Sommer in Dortmund mein Abitur gemacht. Für das Jahr danach habe ich mich für einen Friedensdienst mit ASF entschieden und bin so im wunderschönen Amsterdam gelandet. Hier arbeite ich im Joods Cultureel Kwartier, das mitten im ehemaligen jüdischen Viertel Amsterdams liegt und aus dem Joods Historisch Museum und dem dazugehörigen Kindermuseum, der Portugese Synagoge, der Hollandschen Schouwburg (eine Holocaust-Gedenkstätte) und dem Nationaal Holocaust Museum besteht. Ich arbeite aber eigentlich fast nur im Kindermuseum und in der Schouwburg. Meine Arbeit dort sieht jeden Tag anders aus, ich treffe sehr, sehr viele neue Menschen, versuche so viel Niederländisch wie möglich zu verstehen und zu sprechen und dabei noch immer wieder zu Englisch, Deutsch oder Französisch zu wechseln, je nachdem, aus welchem Land die Besucher*innen kommen. Dieser Sprachenmix kann wirklich superanstrengend sein! Es freut mich immer wieder, wie viele Leute sehr daran interessiert sind, woher ich komme und was ich hier mache und mir für meine Arbeit danken.

Nebenbei genieße ich es auch unglaublich, im wunderschönen Amsterdam zu leben und die Möglichkeiten auszukundschaften, die diese Stadt und dieses Land so bieten. Ich habe jetzt schon so viele Lieblingsplätze in Amsterdam und habe jedes Mal großen Spaß daran, einfach nur mit den anderen Freiwilligen durch die Stadt zu fietsen.

Jetzt bin ich auf jeden Fall gespannt auf die kommenden zehn Monate (unglaublich, dass schon fast zwei Monate um sind!) und auf alle neuen Aufgaben, Herausforderungen und Erlebnisse, die diese Zeit so mit sich bringen wird!

Emma bei RADAR Rotterdam

Hoi iedereen, ik ben Emma!
Seit Mitte September bin ich Freiwillige bei RADAR, dem Antidiskriminierungsbüro von Rotterdam. RADAR setzt sich in Rotterdam und Umgebung für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung ein, ist Anlauf- und Beratungsstelle und betreibt Forschung, (Aus-) Bildung und Aufklärung. Ich selbst bin Teil des Preventieteams, das aus 14 Praktikant*innen und ein paar Festangestellten besteht und mittlerweile schon ein wenig zu meiner niederländischen Zweitfamilie geworden ist. Das tolle an meiner Arbeit ist, dass es keinen richtigen Arbeitsalltag gibt, denn jede Woche ist neu und wir selbst können den Verlauf und Inhalt des Jahres bestimmen und entwickeln. Gerade jetzt am Anfang haben wir als Team häufiger einzelne Ausbildungstage und Trainings, bei denen wir lernen, wie wir selbst Trainings und Workshops an Schulen durchführen können, das machen wir ab jetzt nämlich fast wöchentlich. Bei den sogenannten Powerdays arbeiten wir zum Beispiel einen ganzen Tag lang mit einer Gruppe von 50-70 Schüler*innen am gegenseitigen Vertrauen, Respekt und Verständnis füreinander – eine unglaublich intensive und emotionale Erfahrung sowohl für die Schüler*innen als auch uns Coaches. Obwohl diese Workshoptage größtenteils von Sprache getragen werden und ich abends mit brummendem Kopf ins Bett falle (Niederländisch ist nämlich entgegen dem deutschen Vorurteil durchaus eine Sprache die erst erlernt werden muss, wie bei allen anderen Freiwilligen auch, kann das manchmal ein frustrierender Prozess sein), sind sie trotzdem immer wieder Höhepunkte meiner hier gelebten Zeit. Sie fordern mich heraus und lassen mich stets Neues lernen, schenken mir kleine und grosse Erfolgsmomente und zeigen mir nicht zuletzt wie wichtig die Arbeit meines Projekts (und die von ASF) ist und dass ich hier genau richtig bin. Ich freue mich auf ein Jahr gefüllt von diesen Momenten!

Lena Rathsack im jüdischen Tageszentrum

Moin, ich bin Lena und lebe zurzeit in Amsterdam in einem kleinen beschaulichen Zimmer im Amsterdamer Studentenwohnheim, nicht weit vom Zentrum der Stadt entfernt. Die Stadt bietet so viel, dass ich mit all den Aktivitäten und Kulturprogrammen gar nicht hinterherkomme und ich momentan vom Angebot noch eher überfordert bin, als dass ich es wirklich wahrnehmen kann. Die Stadt saugt mich regelrecht auf. Da ist es doch ganz gut viermal die Woche nach Amstelveen, einer Vorstadt von Amsterdam zu fahren, um dort in einem jüdischen Tageszentrum für Menschen mit Behinderungen zu arbeiten.

Dort genieße ich die Ruhe und die Natur, wenig Menschen, was mir in der Großstadt doch manchmal fehlt. Die Arbeit bringt mir sehr viel Spaß, aber es ist doch auf einer gewissen schönen Art und Weise auch anstrengend, denn ich möchte meiner Arbeit im Tageszentrum so gut es geht nachgehen und auf jede*n einzelne*n Klienten*in einzugehen ist nicht immer möglich und allen Menschen dort die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken auch nicht immer so einfach.

Leider ist die Person, die sich um mich kümmert, erkrankt, weshalb ich in einer anderen Gruppe arbeite und ich zurzeit nicht wirklich eine Bezugsperson habe, die sich auch mit ASF und mit meinem Friedensdienst auskennt. Dennoch: Alle sind nett und freundlich und geben mir das Gefühl gebraucht zu werden. Kein Tag vergeht, ohne ein: "Danke, dass du hier warst" zu hören zu bekommen, was sich richtig und gut anfühlt und mich in meinem Friedensdienst stärkt. Es ist ein tolles Gefühl nach nun eineinhalb Monaten im Projekt das Vertrauen meiner Gruppe zum Teil gewonnen zu haben. Sie kennen meinen Namen, ich kriege Umarmungen und male des Öfteren große LKWs mit einem Klienten von mir oder lese  anderen auf Niederländisch etwas vor. Wir fahren Fahrrad oder gehen spazieren und essen gemeinsam Mittagessen. Auch morgens, wenn während einer gemütlichen Runde mit  Kaffee und "Koekjes" Lieder gesungen werden, wird oft mein Name von den Klienten*innen genannt, welche das Guten-Morgen Lied für mich singen wollen. Am Anfang gab es wirklich einen Moment, da hatte ich Tränen in den Augen, weil ich es so schön finde, wie meine Mitarbeiter*innen mit den Klienten*innen umgehen, sich um sie kümmern und herzlich sind. Irgendwie fast wie eine große Familie.

Bei meiner Arbeit mit Menschen mit Behinderungen merke ich persönlich immer mehr wie kritisch ich es sehe alle "Behinderungen" unter einem Begriff zu definieren oder dass ich merke dass innerhalb der Gesellschaft oft gefragt wird: "Was für eine Art Behinderung haben die denn?" Ich weiß von vielen überhaupt nicht, welche Behinderung vorliegt und erachte es auch für mich als Freiwillige als überhaupt nicht wichtig. Denn meine Klienten*innen sind Menschen, mit einer eigenen Persönlichkeit und einem eigenem Willen. Mein schönstes Erlebnis: Ein Besuch in der liberalen Synagoge von Amstelveen mit meinen Klientin*innen. Es gab eine Band und es wurden jiddische Lieder gesunden. Es gab Softgetränke, Kuchen und Chips und wir lachten und tanzten im Kreis und ich fühlte mich in der Gemeinschaft aufgenommen und akzeptiert. Ich tanzte mit meinen Klienten*innen ausgelassen und bin froh solch tolle Momente hier erleben zu dürfen, die ich niemals in meinem Leben vergessen werde.

Philipp im jüdischen Altenheim "Beth Shalom"

Ich heiße Philipp van Slobbe, ich bin 19 Jahre alt und ich arbeite im jüdischen  Altenheim „Beth Shalom“ im Süden Amsterdams in den Niederlanden.

Dort helfe ich in den letzten Wochen morgens beim Frühstück und beim Mittagessen und ich begleite und unterstütze die täglichen Aktivitäten. Wir basteln jeden Mittwoch Blumengestecke, Freitags backen wir Challahs für den Sabbat und Dienstags und Donnerstags leiten wir kleine Bewegungsspiele an. Dreimal schon haben wir mit verschiedenen Bewohner*innengruppen Bootstouren durch die Grachten Amsterdams unternommen, wobei den Bewohner*innen dann unter anderem in den Bus und ins Boot geholfen werden musste. Bis jetzt war fast keine Person dabei, der die Bootsfahrt nicht gefallen hat.

Ein großer Bestandteil meiner Arbeit ist aber auch einfach, den Menschen Gesellschaft zu leisten und mit ihnen zu reden, was mir zum Glück schon von Anfang an möglich war, da mein Vater Niederländer ist und ich die Sprache schon von klein auf gelernt habe.

Die Bewohner*innen sind größtenteils jüdisch und haben auch größtenteils die Besatzung der Niederlande durch die Nationalsozialisten noch erlebt. Manche haben als Kinder, andere als junge Erwachsene darunter gelitten. Es erstaunt mich, dass sie teilweise nun schon beginnen über ihre Erlebnisse und Erfahrungen aus dieser Zeit zu erzählen, wo sie mich doch kaum kennen.

Die Bewohner*innen sind alle einfach nur glücklich, dass ich da bin, um zu helfen. Dass ich auch deutsch bin stört keinen. Oft höre ich Sätze wie „Du hast es dir ja auch nicht ausgesucht.“ Einige Bewohner*innen möchten sich sogar ausschließlich auf Deutsch mit mir unterhalten, um ihre Sprachfertigkeiten zu trainieren.

Ich habe das Gefühl tatsächlich etwas Sinnvolles beitragen zu können und ich bin sehr glücklich meinen Friedensdienst in „Beth Shalom“ leisten zu können.

Jonas bei Castrum Peregrini Amsterdam

Ich bin Jonas, komme aus der Nähe von Stuttgart und bin nun seit September mit ASF in den Niederlanden in Amsterdam. Dort arbeite ich bei Castrum Peregrini. Es ist schwierig Castrum zu beschreiben. Ich nenne es gerne das kleine Anne-Frank-Haus, aber es ist deutlich mehr als das. Es ist mehr eine historisch-kulturelle-politische Stiftung/Organisation, basierend darauf, dass in Herengracht 401 (Castrum Peregrini) von der jungen Künstlerin Gisele von 1941 bis 1945 jüdische-jugendliche Flüchtlinge, als auch der deutsche Dichter Wolfgang Frommel versteckt wurden. Durch diese Jahre geprägt blieben die sogenannten Untertaucher zusammen und bildeten so etwas wie eine Familie. Nun versucht die Stiftung die Geschichte und die Kunst, durch verschiedenste Events, mit aktuellen Themen zu verbinden.

Die ersten Wochen meines Freiwilligendienstes waren für mich spannend, als auch unspektakulär zugleich. Es war das erste Mal wirklich alleine zu wohnen, für sich selbst zu sorgen, arbeiten gehen. Aber gleichzeitig ist doch relativ schnell der Alltag eingetreten, was aber auch gut war, so konnte ich mich gut einleben.

Geholfen mich so schnell einzuleben, hat aber sicher auch der Umstand, dass ich hier in Amsterdam mit acht anderen Freiwilligen in dem gleichen Studentenwohnheim bin. Auch geholfen hat meine Organisation selbst. Meine Chefs sind unglaublich nett. Die Arbeit ist sehr entspannt und man kann vor dem Feierabend doch auch gerne sich noch zusammen setzen und gemütlich etwas trinken.

Alles in allem waren meine ersten Woche reich an neuen Erfahrungen und voller Spannung und ich freue mich auf die noch bevorstehenden 10 Monate.

Tabea in der Arche Gouda

Ich bin Tabea Formosa, bin 18 Jahre alt und komme aus dem schönen Schwarzwald.

Mit ASF bin ich in den Niederlanden gelandet. Dort lebe und arbeite ich in der kleinen Käsestadt Gouda nähe Rotterdam. Mein Projekt ist die Stichting De Ark Gemeenschap Gouda. Hier leben Menschen mit geistiger Behinderungen in Lebensgemeinschaften zusammen. Meine Arbeit in der Arche besteht hauptsächlich darin, mit den Bewohner*innen Zeit zu verbringen. Ich koche und esse mit ihnen, wir schauen zusammen Filme, tanzen zu schrecklicher Schlagermusik, schaukeln und machen Ausflüge. Ab und an arbeite ich auch tagsüber in den Workshops mit. Das heißt, ich gehe mit den Bewohner*innen zu ihrer Arbeit. Diese besteht entweder aus Gartenarbeit oder dem Atelier. Ich verbringe meine Zeit in den Workshops dann damit, Rasen zu mähen, Laub zusammen zu rächen, zu malen oder zu basteln und dass natürlich immer mit einem der Bewohner*innen der Arche zusammen. 

Ich bin hier von vielen lieben Menschen umgeben, sowohl auf der Arbeit als auch Zuhause. Ich wohne mit drei anderen Freiwilligen der Arche in einem großen Haus, dass auch zur Arche gehört und nur 5 Minuten mit – natürlich, wie es sich für richtige Niederländer*innen gehört – dem Fahrrad von unserer Arbeitsstelle entfernt ist. Uns allen macht die Arbeit hier sehr viel Spaß!!

Länderübersicht

Das ist die Freiwilligengeneration 2017/18

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Berichte der Freiwilligen aus Belarus

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