Briefe aus Polen

Lilian in Gdańsk

Mein Name ist Lilian, ich bin neunzehn Jahre alt und ich komme aus einer kleineren Stadt in der Mitte Deutschlands. Seit September diesen Jahres arbeite ich nun mit Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Gdańsk (Danzig), ganz im Norden Polens an der Ostsee. Meine Arbeit besteht aus drei verschiedenen Projekten.

Zweimal die Woche bin ich in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Stutthof, welche etwas mehr als eine Stunde mit dem Bus von Gdańsk entfernt ist. Dort arbeite ich vor allem im Archiv, d.h. ich höre mir beispielsweise aufgenommene Telefoninterviews an und bringe diese in schriftliche Form oder ich muss zu bestimmten Themen im Internet recherchieren.
Außerdem arbeite ich für das Maximilian-Kolbe-Werk in Sopot, eine Organisation, die Unterstützung für Überlebende aus Konzentrationslagern und Ghettos anbietet. Jeden Dienstag findet dort ein kleines Treffen für Mitglieder der Organisation statt, an welchem ich teilnehme und mithelfe. Zusätzlich kümmere ich mich einmal wöchentlich um eine ältere Dame, die selber Überlebende eines Ghettos ist und erledige kleinere Aufgaben für sie, die meiste Zeit jedoch unterhalten wir uns.
Der dritte Teil meines Projekts besteht aus der Arbeit für die Jüdische Gemeinde hier in Gdańsk. Ich habe die Möglichkeit an allen Festlichkeiten (wie etwa Rosh Hashanah, dem jüdischen Neujahrsfest welches im September war) teilzunehmen, das ist mir jedoch freigestellt. Hauptsächlich kümmere ich mich auch hier um eine ältere Dame, Überlebende eines Arbeitslagers, allerdings sehr unregelmäßig, da sie schon 97 ist und nicht immer kann oder die Energie dafür aufbringen kann.

Insgesamt fühle ich mich hier sehr wohl, die Stadt ist unglaublich schön und mit meinem Polnisch geht es auch voran! Ich freue mich auf die kommenden Monate!

David in Łódź

Mein Name ist David, ich bin 18 Jahre alt und komme aus Mannheim. Ich arbeite zusammen mit Viktoriia, der Freiwilligen aus der Ukraine, beim Maximilian-Kolbe-Werk in Łódź, Polen. Das Zentrum ist eine Einrichtung, die den Überlebenden des Holocausts im Alltag hilft.

Unsere Arbeit besteht aus zwei Teilen: Zum einen fahren wir Mittagessen zu den älteren Menschen, zum anderen besuchen wir sie zuhause und unterstützen sie in ihrem Alltag oder wir unterhalten uns einfach nur mit ihnen.

Sowohl die Mitarbeiter*innen im Maximilian-Kolbe-Werk, als auch die älteren Menschen sind sehr nett und herzlich. Sie unterstützen mich beim Lernen der polnischen Sprache und haben viel Geduld, auch wenn ich sie nicht verstehe oder ich mich nicht gut ausdrücken kann. Trotzdem entstehen schwierige Situationen, oftmals wollen mir die Menschen etwas sagen, doch ich verstehe es nicht und dann weiß ich nicht genau, wie ich mich verhalten soll. Das Sprechen und Verstehen der Sprache ist also neben der Empathie sehr wichtig in meinem Projekt.

Ich fühle mich wohl in Łódź, in dieser Stadt kann man sehr viel entdecken und sie hat eine interessante Geschichte.

Moritz in der Stiftung Kreisau

Cześć, mam na imię Moritz Bothe, und das wars dann auch schon mit meinem Polnisch.

Ich komme aus Herrsching am Ammersee und bin seit September mit ASF in Polen genauer in Kreisau/Krzyżowa. Hier arbeite ich als Teil eines dreiköpfigen Freiwilligenteams in der Stiftung Kreisau. Wir drei leben zusammen in einer Wohnung auf dem Gelände der Stiftung, das heißt ich hab einen Arbeitsweg von ungefähr 50 Metern, würde theoretisch bedeuten dass ich jeden Tag lange schlafen kann, wenn unter uns nicht ein Kindergarten wäre, der jeden Tag um 7 aufmacht...

Meine Arbeit besteht darin die Pädagog*innen der internationalen Jugendbegegnungsstätte zu unterstützen, Führungen zur Geschichte Kreisaus zu geben und alles was sonst so anfällt, Rasenmähen oder nicht funktionierende Kopierer davon überzeugen ihre Arbeit zu erledigen, im Winter wenn es weniger Projekte gibt darf ich mir selber etwas suchen. Meine Vorgänger*innen haben beispielsweise in besagtem Kindergarten einmal die Woche geholfen, ich denke persönlich aber eher daran im nah gelegenen Schweidnitz Nachhilfe in Deutsch oder Englisch zu geben.

Insgesamt sind wir hier sehr frei und uns wird jede Unterstützung zuteil die wir brauchen, in Kreisau gibt es eine super gute Betreuung der Freiwilligen, jeder von uns hat von Beginn einen Mentor zur Seite gestellt und es gibt noch zusätzlich eine extra Freiwilligenkoordinatorin die uns auch bei Alltagsdingen unterstützt, und uns ab November auch Polnisch-Unterricht geben wird, das heißt ich werde bei meinem nächsten Bericht dann von vielen intensiven Gesprächen über Politik, Philosophie und Geschichte erzählen können, alle auf Polnisch geführt, versteht sich.

Die Arbeit hier macht unglaublich viel Spaß, gerade der historische Part ist unglaublich interessant, der Kreisauer Kreis und die deutsch-polnische Versöhnungsmesse 1989 mit ihrem ganzen Vorlauf sind sehr inspirierend und man spürt hier überall wie wichtig jedem ist, das Erbe Kreisaus fortzuführen und weiterzuvermitteln.

Aber auch die Jugendbegegnungen sind wirklich spannend, ich arbeite hier immer mit einem Pädagogen zusammen, meistens werden mir einzelne Programmpunkte überlassen, die ich dann anleiten darf, zum Beispiel Kreativ- oder Bewegungsworkshops.

Weniger schön ist das soziale Leben Kreisaus, mit 200 Einwohner*innen und einer Stunde Entfernung von Breslau war das zu Beginn manchmal ein bisschen deprimierend, aber mittlerweile hab ich mich damit arrangiert und nutze Überstunden, um an langen Wochenenden Mitfreiwillige in anderen Städten und Ländern zubesuchen.

Alles in Allem versprechen die ersten beiden Monate hier in Kreisau für den Rest den Jahres eine wahnsinnig spannende Zeit!

Mona im Museum Majdanek

Nun bin ich tatsächlich schon zwei Monate in meinem Projekt. In diesen zwei Monaten habe ich wahnsinnig viel erlebt und der Moment, wo ich auf dem Weg zum Vorbereitungsseminar in Krakau war, fühlt sich ewig weit weg an. Langsam habe ich jedoch das Gefühl gut in Lublin und meinem Projekt angekommen zu sein.

In meinem Projekt, dem Museum Majdanek, werde ich deutsche und englische Führungen geben. In den ersten Monaten musste ich mich daher erst einmal mit der Geschichte des Konzentrationslagers Majdanek vertraut machen, was hauptsächlich aus Büchern lesen und Führungen begleiten bestand. Danach habe ich mein deutsches Führungskonzept geschrieben, sodass ich auch selber Führungen geben kann. In Zukunft werde ich wahrscheinlich auch historische Führungen durch die Stadt geben und auch zur Universität gehen und mit Germanistikstudent*innen sprechen. Über diese unterschiedlichen Arbeitsfelder und spannenden Möglichkeiten freue ich mich sehr!

Neben meiner Arbeit im Museum „arbeite“ ich auch mit einem Verein von KZ-Überlebenden zusammen, der sich jeden Mittwoch in der Gedenkstätte trifft und bei Kaffee und Kuchen organisatorische Dinge bespricht. Bei diesen Treffen sitze ich eigentlich nur dabei und kümmere mich um das Essen. Die älteren Leute sind sehr herzlich zu mir und freuen sich über den Kontakt zu den Freiwilligen. Leider spüre ich insbesondere dort meine Sprachbarriere, da sie kein Englisch sprechen können. Auf der anderen Seite ist es aber auch schön, die neuen Wörter und Sätze, die ich im Sprachkurs lerne, direkt bei den älteren Leuten auszuprobieren.

Montags besuche ich außerdem eine 93-Jährige Dame, die mit 16 im Konzentrationslager Majdanek inhaftiert war. Ihr helfe ich ein wenig im Alltag und wir gehen meist einkaufen und unterhalten uns in einem Mix aus Polnisch und Englisch. Auch wenn die Geschichte und der Ort des Museums sehr bedrückend sein können, bin ich sehr zufrieden mit meinem Projekt, da ich die Themen und meine verschiedenen Aufgaben sehr interessant finde. Auch in Lublin gibt es viele kulturelle Angebote und durch die vielen Student*innen gute Möglichkeiten neue Leute kennenzulernen. Daher freue ich mich auf die nächsten Monate und auf die vielen Erfahrungen, die ich sammeln kann.

Rahel im Liceum der Fundacja im.ks. Siemaszki in Piekary

Hallo, ich bin Rahel aus Tübingen und verbringe dieses Jahr in Kraków, der meiner Meinung nach schönsten Stadt in Polen. Jedes Mal, wenn ich den Stare Rynek, den Marktplatz in Kraków betrete, staune ich erneut über die überwältigende Architektur und den Charme der Stadt. (Eine Beschreibung ist nicht möglich, muss man erleben;))

Mein Projekt mit ASF ist dreigeteilt. Montags, Mittwochs und Freitags arbeite ich an dem Liceum der Fundacja im.ks. Siemaszki in Piekary, etwa 15 km außerhalb von Kraków und gebe zusätzlichen Unterricht in Deutsch und Englisch. Dienstags besuche ich Pani Fryda, eine Holocaustüberlebende und trinke mit ihr Tee oder wir gehen Einkaufen. Sie ist sehr kommunikativ und spricht viel, nur leider verstehe ich nicht so viel, da sie Polnisch spricht. Donnerstags arbeite ich im Muzeum Galicja, ein Museum über jüdisches Leben in dieser Region.

Vor kurzem hatten wir einen Musikworkshop, der zwei meiner drei Projekte vereinte. Die Teilnehmer*innen waren Jugendliche der Schule in Piekary, aus der Slowakei und aus Deutschland. Der Musikworkshop hieß Erinnern für die Zukunft. Während des Workshops lernten die Jugendlichen jüdische Kinderlieder, etwas über die jüdische Kultur und auch über die, der jeweils anderen Heimatländer der Teilnehmer*innen. Das Abschlusskonzert fand im Muzeum Galicja statt und war für alle ein besonderes Erlebnis.

Ich kann kaum glauben, dass bereits zwei Monate meines Freiwilligendienstes vergangen sind. Die Zeit hier verfliegt so schnell und jeder Tag ist ein neues Abenteuer.

Länderübersicht

Das ist die Freiwilligengeneration 2017/18

Belarus

Berichte der Freiwilligen aus Belarus

Belgien

Berichte der Freiwilligen aus Belgien

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Berichte der Freiwilligen aus Großbritannien

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Berichte der Freiwilligen aus Norwegen

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