Briefe aus Russland

Judith beim jüdischen Häftlingsverband St. Petersburg

Ich bin Judith Haack und absolviere meinen Freiwilligendienst bei dem „jüdischen Häftlingsverband St. Petersburg“ in St. Petersburg, Russland. Ich bin jetzt seit knapp einem Monat hier vor Ort und habe mich schon super in meinem Umfeld eingefunden. Mein Arbeitsalltag besteht darin, jeden Nachmittag ein älteres Ehepaar oder eine*n alleinstehende*n älteren Mann/ ältere Frau zu besuchen. Nach den vergangenen Wochen hat sich hier schon langsam eine Routine entwickelt: ich gehe mit oder für die Babuschkis und Dieduschkis einkaufen, ich putze die Wohnungen, hänge die Wäsche auf, koche und unterhalte mich. Letzteres erweist sich noch ein bisschen schwierig, weil ich leider überhaupt keine Russischkenntnisse mitgebracht habe, doch es bessert sich von Mal zu Mal, denn ich besuche täglich 4 Stunden am Morgen eine Sprachschule. Es macht mir Spaß mit den Personen Zeit zu verbringen und hier und da habe ich doch auch schon interessante und tragische Geschichten aus der Vergangenheit gehört.

Ich wohne in einer Wohngemeinschaft mit einem russischen jungen Mann, Ivan. Wir verstehen uns beide sehr gut und verbringen die Abende teilweise gemeinsam in der Küche bei warmem Essen und gekühltem Wein. Wenn nicht, bin ich viel mit den anderen Freiwilligen unterwegs und gerade am Wochenende erkunden wir gemeinsam die Stadt. Abends hat die Stadt ein umfassendes Nachtleben zu bieten, doch tagsüber ist das Angebot umso größer: mit Tagesspaziergängen quer durch die Stadt,  an die Newa oder mit dem Besuch einiger spektakulärer Museen vertreiben wir hier unsere Zeit.

Alles in einem weiß ich, dass ich noch viel zu wenig gesehen und erlebt habe und freue mich auf noch so viele kommende Erfahrungen im Laufe des Jahres!

Katrin bei Memorial Perm

Здравствуйте, mein Name ist Katrin, ich komme aus Hamburg und bin seit etwa anderthalb Monaten als Freiwillige in Perm. Es gefällt mir hier sehr gut. Die Menschen sind freundlich und freuen sich sehr über ausländische Gäste. Wenn man dann noch erwähnt, dass man als Freiwillige hier ist, kann es einem schon passieren, dass die Bäckerin vor Begeisterung Rabatt gewährt.

Ich arbeite bei der Organisation Memorial Perm. Memorial befasst sich zum einen mit der historischen Aufarbeitung des stalinistischen Terrors und unterstützt ehemals Repressierte im Alltag, aber sie arbeiten auch an aktuellen Menschenrechtsthemen wie z.B. Zivildienst statt Militärdienst. Es gibt ein ständig besetztes Büro, eine Webseite und viele junge russische Freiwillige.

Ich helfe hauptsächlich in der offenen Altenarbeit, aber auch im Büro und kann an diversen Ausstellungseröffnungen und Veranstaltungen teilnehmen. Jeder Tag bringt so viele neue Erlebnisse, Leute und sowohl sprachliche als auch menschliche Herausforderungen, dass ich mit dem „Nachdenken“ kaum hinterherkomme.

Der Oktober war besonders ereignisreich, da der 30.10. der offizielle Gedenktag für die Opfer der politischen Repression ist, und Memorial zu diesem Anlass eine zweiwöchige Veranstaltungsreihe organisiert hat. Am Tag der „Rückkehr der Namen“ wurden drei Stunden lang in der Kälte Namen von erschossenen Permern verlesen. Selber vorzulesen habe ich mich noch nicht getraut, ich habe lieber beim Kerzenanzünden geholfen.

Bisher besuche ich zwei alte Leute regelmäßig, eine „Babuschka“ und einen „Deduschka“. Sie wohnen beide allein, sind alt und krank und schon den Weg zum Supermarkt können sie kaum allein bewältigen. Ich helfe beim Einkaufen, Abwaschen, Putzen und Wäsche waschen oder höre ihren Erzählungen zu. Bei der Aktion „saubere Fenster“ habe ich zudem noch mehrere einmalige Hausbesuche gemacht. Dabei spielt der kommunikative Aspekt eine große Rolle. Ich habe schon 5 Stunden bei einer „Babuschka“ verbracht, wo ich eigentlich nur zwei Fenster gegen die Kälte abkleben sollte.

Es ist manchmal schwer auszuhalten, wie vereinsamt die Leute sind und wie schlecht die medizinische Versorgung ist. Wenn sie aber von den Orten berichten an denen sie schon gewesen sind, Erlebnisse und Abenteuer wie missglückte Blutsbrüderschaften erzählen oder vom Rock 'n' Roll ihrer Jugend, wird mir wieder bewusst, dass ich nicht nur bedauernswertem Elend begegne, sondern Menschen auf Augenhöhe, die Interessantes zu sagen haben, und das finde ich wichtig und gut.

Helene im Heilpädagogischen Zentrum Moskau

Mein Name ist Helene Göpfert und ich bin jetzt seit einigen Wochen in Russland, genauer gesagt in Moskau und arbeite dort im Bereiche mit Menschen mit Behinderungen, im Projekt Heilpädagogisches Zentrum mit Kindern mit Behinderungen.

Die Arbeit dort macht mir großen Spaß. Es gibt dort keine „geregelten“ Arbeitszeiten, d.h von 9 bis 18 Uhr jeden Tag arbeiten, stattdessen gibt es dort Gruppen in denen man tätig ist. Ich bin in zwei Gruppen, die sich Montag und Mittwoch und Dienstag und Donnerstag treffen. Meine Aufgabe ist es dann, dort ein Kind zubegleiten, mit ihm zu spielen, es zu seinen Gruppen zu bringen, die wie Unterrichtsstunden sind, wobei es sich hierbei nicht um Mathe und Deutsch handelt, sondern um Musik, Tanz und Sport. Es ist wichtig dem Kind zu helfen, je nachdem welche Art der Besonderheit es hat. Wir sollen dafür sorgen, dass die Kinder bei den vielen verschiedenen Übungen mitmachen, aufpassen und auch miteinander spielen und zurecht kommen.

Am Freitag übernehem ich den Küchendienst. Das Projket hat eine Küche, in der jeden Tag frisch und sehr lecker gekocht wird. Da wasche ich Teller, schäle Kartoffel und schneide Paprika in kleine Stücken.

Das Heilpädagogische Zentrum hat eine ganz andere Umgehensweise mit Menschen mit Besonderheiten als die meisten anderen Einrichtungen der Art in Russland, was ich sehr gut finde. Alle sind dort sehr nett, freundlich und zuvorkommend, weshalb auch viele mich oft fragen wie es mir geht und ich auch schon öfters etwas mit ihnen unternommen habe.

Montag und Mittwoch arbeite ich in einer Flüchtlingsschule und gebe dort einem Jungen Deutschnachilfe, was sehr interessant und lustig ist.

Da ich kein Russisch spreche dachte ich, es wird schwer werden zurechtzukommen, anfangs war es auch nicht ganz so einfach, aber es gibt viele im HPZ die Englisch und auch Deustch sprechen können, wodurch es mir leichter fällt, mitzukommen und zu verstehen was vor sich geht. Aber ich habe einen Sprachkurs gefunden um auch Russisch zu lernen um mir auch selber einen Kaffee zu bestellen oder mir eine Fahrkarte zu kaufen.

Moskau ist eine unglaublich volle und große Stadt, aber auch sehr interessant und sehenwert. Mit meinen Mitfreiwilligen laufe ich viel durch die Straßen und unternehe oft etwas mit ihnen. Wir verstehen uns sehr gut. Wettermäßig wird es immer kälter, hat sogar schon geschneit, was mich sehr gefreut hat, da ich den Winter sehr gerne habe. Es wird zwar schon sehr füh dunkel und kälter, wodurch die Motivation etwas zu unternehmen nicht steigt, aber es sich zuhause gemütlich zumachen, zu backen, Tee zu trinken und ein Buch zu lesen ist auch sehr angenehm.

Elisabeth im Holocaustzentrum

Hallo, ich bin Elisabeth, habe dieses Jahr in Berlin mein Abitur gemacht und lebe jetzt schon seit fast zwei Monaten hier in Moskau. Verrückt, wie schnell die Zeit vergeht und wie viel ich in diesen zwei Monaten schon erlebt habe! Mittlerweile bin ich richtig angekommen und habe mich gut eingelebt.

Zusammen mit einem anderen Freiweilligen aus Österreich arbeite ich im Holocaustzentrum. Das Zentrum setzt sich dafür ein, das Gedenken an die Opfer des Holocaust zu erhalten. Dafür finden Gedenkveranstaltungen statt, es werden Ausstellungen vorbereitet, aber vor allem werden Unterrichtsbesuche und Seminare für Lehrer*innen durchgeführt. Wir Freiwilligen arbeiten bisher hauptsächlich in der Bibliothek, helfen dabei Bücherkisten für Seminare zu packen, übersetzen Texte für die Website, beantworten e-Mails, die nicht auf Russisch sind, oder gehen zur Post. Zum 25-jährigen Jubiläum, welches vor kurzem stattfand, haben wir mit Botschaften telefoniert, Einladungen verschickt und bei den Vorbereitungen geholfen. So haben wir immer etwas zu tun und es wird nicht langweilig.

Neben dem Holocaustzentrum bin ich, zusammen mit einer anderen ASF-Freiwilligen, noch zwei Mal in der Woche im Kinderzentrum «Такие же дети». In diesem Zentrum bekommen Kinder aus Flüchtlingsfamilien Unterricht, wenn sie nicht in die Schule gehen können, oder Hilfe bei den Hausaufgaben. Wir helfen zwei Kindern bei ihren Deutschhausaufgaben. Das ist sehr interessant, vor allem können nicht nur wir ihnen bei Deutsch helfen, sondern auch sie uns bei unserem Russisch. Die Atmosphäre in dem Zentrum ist sehr herzlich, dadurch macht mir die Arbeit viel Spaß.

Auch sonst wird es hier nicht langweilig. An den Wochenenden treffe ich mich oft mit Verwandten, Bekannten oder den anderen Freiwilligen. Wir gehen viel in Moskau spazieren und ich entdecke immer wieder Orte, die ich aus früheren Urlauben schon kenne, aber als Kind ganz anders wahrgenommen habe.

Ich bin sehr glücklich und froh, dieses Jahr hier leben zu dürfen und freue mich auf viele weitere Erlebnisse!

Länderübersicht

Das ist die Freiwilligengeneration 2017/18

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