Auf den Spuren des jüdischen Wrocławs

Die ersten ASF-Sommerlager 2014 sind bereits vorbei - doch ihre Teilnehmer_innen hinterließen spuren. So auch die elf Frauen und Männer, die vom 17.-25. Mai Teile des jüdischen Friedhofs in Wrocław freilegten und dafür sorgten, dass er nun nicht mehr wiederzuerkennen ist. Cornelia Häfele, zur Zeit Freiwillige im Edith-Stein-Haus in Wrocław, war dabei und berichtet von einer einzigartigen Woche.

Das Sommerlager in Wrocław fand in diesem Jahr zum 7. Mal statt. Wie auch in den letzten beiden Jahren wurde es von Grażyna Wiecimok geleitet. Unterstützt wurde sie dabei von mir, der aktuellen deutschen ASF Freiwilligen des Edith Stein Hauses. Die Teilnehmer_innen kamen somit aus Polen, Israel und Deutschland.

Wir arbeiteten auf dem neuen jüdischen Friedhof in Wrocław. Auch wenn dort in den letzten Jahren bereits fleißig gearbeitet wurde, gibt es noch viele Felder, die noch völlig unbearbeitet sind, die im Prinzip einem wilden Wald gleichen. Pünktlich zu unserem ersten Arbeitstag auf dem Friedhof hörte es auf zu regnen und eine schöne, sonnige Woche kündigte sich an. Täglich trafen wir uns um neun Uhr auf dem Friedhof. Zur Einführung führten uns Grażyna, Piotr und Mateusz über die Friedhofsanlage und zeigen uns Gräber bedeutender Juden, die Kindergräber und das Denkmal für die gefallenen Juden im Ersten Weltkrieg, das mit Schmierereien wie „Juden raus“ bedeckt ist. Der vordere Teil des Friedhofs ist noch in aktiver Benutzung und gutem Zustand, je mehr man sich dem hinteren Ende nähert, gleicht der Friedhof allerdings einem Wald. Auf einem Feld begannen wir unsere Arbeit. Die Anweisung lautete: Hölzer wegtragen, Unkraut und Baumsprossen ausreißen, Grabsteine freilegen. Wir fühlten uns wie richtige Archäologen bei den ersten Entdeckungen, alle waren euphorisch bei der Arbeit. Wir waren froh, dass der Friedhof durch den starken Baumbewuchs viel Schatten spendete: nach den Regentagen vor dem Sommerlager war nun in Wroclaw endgültig der Sommer eingetroffen.

Jeden Tag um 12 Uhr gab es eine kurze Auszeit: Wir schlossen die Augen, hielten uns an den Händen und ließen die Eindrücke der letzten Tage in der Ruhe des Friedhofs auf uns einrieseln.

An einem Tag bekamen wir von einer Mitarbeiterin der jüdischen Gemeinde eine Führung auf den „Spuren des jüdischen Wrocławs“.

Es ist erstaunlich, wie viel man mit einer motivierten Gruppe innerhalb einer Woche schaffen kann: Bäume wegtragen, Büsche roden, Grabsteine ausgraben und aufstellen - nach einer Woche war ein deutliches Ergebnis sichtbar. So erstand vor unseren Augen Stück für Stück ein Teil des Friedhofs wieder. Die Arbeit machte großen Spaß!

Cornelia Häfele ist zur Zeit ASF-Freiwillige im Edith-Stein-Haus in Wrocław und teamte das Sommerlager auf dem jüdischen Friedhof vom 17.-25. Mai 2014.

  • Gefördert vom
  • im Rahmen des Bundesprogramm
  •  
  •  
  •