Blog | 09. Februar 2017

Geschichte(n) erleben: Jubiläumsfeier 50 Jahre ASF in Israel vom 6. bis 8. März

1961, vor nunmehr bald 50 Jahren, kam die erste ASF-Freiwilligengruppe nach Israel. Mehr als 1.500 Menschen haben seitdem mit Aktion Sühnezeichen einen Friedensdienst in Israel geleistet. Sie haben Schoa-Überlebende betreut, in Archiven die NS-Zeit erforscht, in Frauenhäusern, jüdisch-arabischen Verständigungsprojekten, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, in Jugenddörfern und anderen sozialen Projekten gearbeitet, Schulen gebaut und vieles mehr.

Mit einer Vielzahl unterschiedlicher Begegnungsprogramme, Tagungen, Gottesdienste, Ehemaligentreffen und Publikationen werden wir in den kommenden zwölf Monaten den 50. Geburtstag von ASF in Israel feiern. Die Vorbereitungen dazu laufen bei ASF in Berlin und Jerusalem auf Hochtouren – mit tatkräftiger Unterstützung des israelischen Freundeskreises. Bundespräsident Christian Wulff hat inzwischen für das ganze Jubiläumsjahr die Schirmherrschaft übernommen.

Zentrale ASF-Geburtstagsfeier in Jerusalem

Die zentrale Geburtstagsfeier findet vom 6. bis 8. März in Jerusalem statt. Den Dankgottesdienst am Sonntag, den 6. März 2011 in der Erlöserkirche gestalten ASF und die Gemeinde gemeinsam, am folgenden Empfang nimmt auch die Vizepräsidentin des Bundestages Katrin Göring-Eckardt teil. Beim Festakt am Montagabend, den 7. März 2011 hält die Präsidentin des Bundesrates, die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, die Hauptrede. Der Dienstag ist einer Bilanzierung deutsch-israelischer Beziehungen und der ASF-Israelarbeit gewidmet - in Form eines Symposiums, vier thematischer Foren und einer internationalen Abschlussdebatte zu Israel, Europa und den USA. Am Ende der Feiertage gibt die Band „Lupin“ aus Dachau ein Funkrock-Konzert. An den jubiläumsfeierlichkeiten werden auch die mehr als 30 Teilnehmer_innen der ASF-Israelreise vom 5.-15.März 2011 teilnehmen.

 

KLAK-Konferenz in Berlin

Schon am 24. Januar 2011 begann die Veranstaltungsreihe zum Jubiläum mit einer gemeinsamen Veranstaltung von ASF und der „Konferenz landeskirchlicher Arbeitskreise Christen und Juden (KLAK) in Berlin. 35 Delegierte aus 18 von 21 Landeskirchen diskutierten jüdische und christliche Zugänge Israel und reflektierten theologische und politische Wirkungen von Leben und Arbeiten in Israel. Unter den Referenten waren u.a. Dr. Hans-Michael Haußig von der Universität Potsdam, Prof. Dr. Rainer Kampling von der Freien Universität Berlin und ASF-Geschäftsführer Dr. Christian Staffa.

 

Bundeskanzlerin besucht  Israel und ASF

Eine weitere Veranstaltung fand am 1. Februar in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem statt. Unter dem Titel „50 Jahre Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Israel“ traf Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande der deutsch-israelischen Regierungskonsulation mit deutschen und israelischen ASF-Freiwilligen sowie Mitgliedern des israelischen Freundeskreises zusammen. Trotz des dramatischen Machtwechsels in Ägypten stieß diese Begegnung auf großes Medien-Interesse. Jakob Odenwald schildert die Begegnung:

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich im Anschluss an die dritten Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen Zeit genommen für ein Treffen mit ASF in Israel. Die Gesprächsrunde war in Kooperation mit der Konrad-Adenauer-Stiftung in Jerusalem organisiert worden und die Bundeskanzlerin unterhielt sich mit vier deutschen und zwei israelischen ASF-Freiwilligen sowie Marianne Karmon und Jakob Hirsch vom israelischen ASF-Freundeskreis über ihr Engagement.

„Immer wieder schrie die Frau ‚Heil Hitler’ und berichtete voller Panik von Menschenmassen, die sie verfolgen würden,“ berichtete die ASF-Freiwillige Katharina Körbig von der Reaktion einer Schoa-Überlebenden beim ersten Zusammentreffen. „Die alte Frau wurde dadurch, dass ich sie auf Deutsch ansprach, offensichtlich an ihr Trauma erinnert.“ Sichtlich beeindruckt von den Erzählungen der Freiwilligen betonte die Kanzlerin, wie wichtig die Arbeit von ASF in Israel und wie viel in den 50 Jahren ASF-Engagement schon erreicht worden sei. Besonders interessant fand sie, dass ASF in den letzten Jahren auch israelische Freiwillige nach Deutschland schickt. ASF sei so zu einer wichtigen Plattform für den deutsch-israelischen Dialog geworden.

Die beinahe einstündige Gesprächsrunde mit Bundeskanzlerin Angela Merkel war eine besondere Erfahrung für die Freiwilligen und eine große Anerkennung für ihr Engagement sowie für die Arbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Israel insgesamt. Marianne Karmon, Ehrenvorsitzende des israelischen ASF-Freundeskreis, war begeistert von der Offenheit der Kanzlerin. „Sie war wie die Nachbarin von nebenan“, sagte die knapp 90-Jährige nach dem Gespräch. Mit ihrem Besuch habe Merkel wieder gezeigt, wie wichtig ihr die deutsch-israelischen Beziehungen seien.

Jakob Odenwald ist seit September 2010 ASF-Freiwilliger in Israel.