Blog | 08. August 2017

Über das Gefühl, das Richtige zu tun

(c) Maximilian Norrmann

Was erfüllt einen Menschen? Wofür lohnt es sich, jeden Tag aufzustehen und sich in den Alltag zu quälen? Um Faxen zu machen? Nein, das wäre zu simpel. Oder nicht? In Bezug auf Kinder ist es gar nicht so abwegig. Das Frauenhaus, in dem ich arbeite, organisierte anlässlich des Sukkot-Festes einen Ausflug mit großem Picknick in einem Park in Jerusalem.

Eine Begegnung hat mich dabei besonders bewegt. Zu unserer sehr bunten Truppe aus dem Frauenhaus kamen im Laufe des Tages noch eine Anzahl von Freund_innen und Förderer_innen der Einrichtung hinzu, einige brachten auch ihre eigenen Kinder mit. Unter ihnen war auch Lior. Wie wild rannte der Junge unter dem strahlend blauen Himmel über die grüne Wiese. Ich saß gemeinsam mit anderen unter einem Baum im Schatten, als Lior in meine Arme gelaufen kam. Sofort plapperte er in einem mir unverständlichen kindlichen Hebräisch auf mich ein. Das einzige, was ich darauf antworten konnte, waren gebrummte Phantasiewörter oder wildes Geschnattere.

So ging das mehrere Minuten hin und her. Dabei lachte das Kind so lautstark, wie ich noch nie zuvor ein Kind habe lachen hören. Ich nahm ihn mit einem Satz hoch, hielt ihn in die Höhe. Seine Augen wurden dabei immer größer und fingen an zu leuchten, als ich ihn auf meinen Arm hoch und runter schaukelte.

„Od pam, od pam!“ – „Nochmal, nochmal!“, rief er ohne Pause.

Kurz darauf betatschte er mit seinen Sabberhänden mein Gesicht, meine Ohren, meine Augen und meine Nase. Ich ließ ihn gewähren, strahlte doch dieser Mensch in diesen Momenten eine mir bis dahin unbekannte Heiterkeit aus.

Als ich den kleinen Lior, der mit Trisomie 21 auf die Welt gekommen war, nach einigen Minuten dieser Faxen auf dem Arm hielt und er erschöpft seinen Daumen in den Mund steckte, spürte ich etwas besonderes. Ich hatte das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben und 4.000 Kilometer entfernt von zu Hause mit meinem Freiwilligendienst einen guten und wichtigen Beitrag zu leisten.

Von: Maximilian Norrmann, Jahrgang 1997, ist Freiwilliger in Jerusalem, Israel. Im Frauenhaus „Isha LeIsha“ betreut er Kinder, darüber hinaus unterstützt er ältere Menschen in ihrem Alltag.