Blog | 27. Januar in Kiew | 02. Februar 2017

„Wir erinnern uns“ – Eine Woche im Gedenken an den Holocaust

Fotograf Luigi Toscano mit Generalkonsul Wolfgang Mössinger bei der Eröffnung seiner Ausstellung in Dnipro

Lea Fucks ist derzeit Freiwillige im Rehabilitationszentrum für Opfer von Totalitarismus und Kriege in Kiew. Hier gibt sie einen Einblick darin, wie dort der Internationale Gedenktag an den Holocaust begangen wurde.

Anlässlich des Internationalen Gedenktages an den Holocaust am 27. Januar fanden in der Ukraine eine Vielzahl von Konferenzen und Veranstaltungen statt. Als Freiwillige der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste (ASF) in Kiew hatte ich die Möglichkeit, an einigen von Ihnen teilzunehmen.

Vom 20. bis 22. Januar fand in Kiew ein theoretisches und praktisches Seminar für ukrainische Geschichtslehrer statt, welches sich mit den Methoden der Lehre zum Zweiten Weltkrieg und Holocaust beschäftigte. Das Seminar wurde vom ukrainischen Institut für Holocaust „Tkuma“ und dem Museum für jüdische Geschichte und Holocaust organisiert. Eröffnet wurde es durch eine Ausstellung über Elie Wiesel, der selbst den Holocaust überlebte und später unter anderem eines der bekanntesten autobiographischen Bücher über ihn verfasste (La Nuit – Die Nacht). Prominente Sprecher waren unter anderem Dr. Yoel Rappel (USA), Direktor des Elie Wiesel Instituts in Boston und Kurator der Ausstellung „Elie Wiesel: von Sighet nach New York über Frankreich und Israel“, sowie Prof. Dr. Dan Laor (Israel), Leiter des Zentrums für jüdisches Erbe.

In diesem Rahmen schilderten die italienische Freiwillige von Akzija spokuty sarady myru (des ukrainischen Teils von ASF) und ich, wie in unseren Heimatländern der Holocaust gelehrt wird. Zudem teilten wir einige unserer Familienanekdoten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs mit dem Publikum.

Der Holocaust ist ein sensibles Thema, über das es nicht immer einfach ist zu sprechen, nicht nur in den post-sowjetischen Staaten, wo es lange ein Tabu war, sondern auch in EU-Staaten wie Italien und Deutschland. Während es in Italien erst seit den Neunzigern ausführlich in Schulen behandelt wird, ist dieser Teil der deutschen Geschichte und die damit einhergehende Verantwortung in Deutschland geradezu omnipräsent, nicht nur in Schulen.

Die zentrale Botschaft, die alle auf dem Seminar miteinander teilten war, dass wir nicht über die damaligen Geschehnisse schweigen dürfen, denn nur durch unsere Worte können wir Diskriminierung und einer Wiederholung solcher grausamen Ereignisse in der Zukunft entgegenwirken. Daher ist die Überlieferung in der Familie so ein essentieller Teil der Erinnerung an den Holocaust.

Eine zweite Konferenz vom Institut „Tkuma“ und dem Museum für jüdische Geschichte und Holocaust fand vom 23. bis 26. Januar in Dnipro statt. Mit anderen Teilnehmern der Konferenz unternahmen wir unter anderem einen Ausflug in die Kleinstadt Petrykivka, wo wir als Beobachter_innen bei einer Unterrichtsstunde zum Thema Holocaust und Zweiter Weltkrieg dabei waren. Den jüngeren Klassen wurde auf kreative Art gezeigt, dass jeder Mensch anders ist, und dass es daher keinen Grund für Diskriminierung gibt. Wir sollten uns darauf konzentrieren, was uns verbindet, nicht was uns vom anderen unterscheidet.

Am 26. Januar wurde in der Art Gallery des Menorah Zentrums in Dnipro die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ vom deutschen Fotografen Luigi Toscano eröffnet. In diesem Projekt portätierte er Holocaust-Überlebende, die er in verschiedenen Ländern besucht hatte, um hierdurch ihre Geschichten mit der Welt zu teilen. Diese einzigartigen Bilder schaffen es, über Generationen hinweg ihre Betrachter zu berühren und zum Nachdenken anzuregen. Der Ausschnitt aus der Dokumentation, die er über seine Reisen drehte, rührte einige Zuschauer zu Tränen und war dabei bloß ein Vorgeschmack auf den ganzen Film, den er bald auf der ganzen Welt zeigen wird.

Neben dem Direktor des Instituts „Tkuma“, Dr. Igor Shchupak, sprach auf der Eröffnungszeremonie auch der Generalkonsul des deutschen Konsulats in Donezk, Wolfgang Mössinger, als Vertreter der deutschen Regierung.

In seiner Rede wies Luigi Toscano darauf hin, dass es in unserer heutigen Gesellschaft keinen Platz für Diskriminierung gibt, und dass es gerade jetzt besonders wichtig ist, sich für Offenheit und Toleranz einzusetzen. Er zitierte eine Auschwitz-Überlebende, die er porträtiert hatte: „Wenn wir die Vergangenheit vergessen, sind wir dazu verdammt, sie zu wiederholen.“