Freiwillige vor Ort

ASF-Freiwilligendienst in den USA

ASF-Freiwilligendienst in den USA

„Mr. Manuel, can you help me?"

Dignity Housing will Obdachlosen und ihren Kindern eine Perspektive geben. Die Kids brauchen viel Aufmerksamkeit und Nähe. Ein Sommerbericht 2011.

In dem Hortprogramm von „Dignity Housing“ betreue ich jeden Tag zwölf Kinder. D.h., wir spielen und basteln zusammen, und ich helfe bei den Hausaufgaben und mache Turnübungen mit ihnen. Wenn ich die Jungen und Mädchen im Alter zwischen 6 und 10 Jahren gegen 15 Uhr von der Schule abhole, kommen sie mir auf dem Schulhof schon entgegengelaufen und wollen umarmt werden. Auf dem Rückweg erzählen sie mir jedes Mal ganz aufgeregt von ihrem Tag, den neuesten Geschichten aus der Schule und welcher Lehrer gerade einen fiesen Test geschrieben hat.

Jedes Kind hat eine besondere Geschichte und ich kann immer nur erahnen, was sie schon alles in ihrem kurzen Leben ertragen mussten. Sie haben alle einen großen Drang nach Aufmerksamkeit und wünschen sich eigentlich eine persönliche Betreuung rund um die Uhr. Yasir zum Beispiel ist ein wirklich begabter Tänzer und beeindruckt mich damit sehr. Er hat unendlich viel Power. Bei den Sportübungen, die ich jeden Tag anleite, muss ich ihn 15 Minuten lang mit dem Springseil springen lassen, damit er sich etwas auspowert.

Anstrengend ist die Hausaufgabenhilfe. Ich gehe von Tisch zu Tisch und helfe, wo ich kann. Wenn ich bei einem gerade fertig bin, rufen die anderen schon „Mr. Manuel, can you help me?“ Bei Chris brauche ich immer besonders lange, da er viele Probleme hat. Er kann noch nicht richtig schreiben und weiß nicht, wie er mit Anweisungen umgehen soll. Wenn er nicht weiter weiß, umarmt er einfach alle und versucht die Situation mit Charme und Nähe aufzulösen.

Dignity Housing versucht Obdachlosen eine neue Perspektive zu geben. Der Verein organisiert Wohnraum und erarbeitet dann zusammen mit den Klienten Lebenskonzepte für die Zukunft. Dazu gehören Bildungsprogramme. Die Kinder werden nach der Schule betreut, damit sie einen geregelten Alltag haben, an dem sie festhalten können.

Auch wenn ich mit den strengen Regeln des Projekts nicht immer einverstanden bin, freue ich mich jeden Tag auf meine Kinder. Mit kleinem Aufwand kann ich viel Freude bereiten. Mittlerweile habe ich ein Verständnis für die Kinder und ihren Hintergrund entwickelt und kann viel besser mit ihrer Hyperaktivität umgehen.

Manuel Wamsler, Jahrgang 1990 aus Baden-Württemberg, war ASF-Freiwilliger im Projekt „Dignity Housing“ in Philadelphia (USA).

Freiwilligendienst mit ASF

"Etwas Sinnvolles tun", "Blick über den Tellerrand", "Geschichten erleben und sich für Versöhnung einsetzen", "in einem anderen Land leben und arbeiten", so beschreiben die ASF-Freiwilligen ihre Motivationen nach dem Abitur, der Ausbildung oder dem Bachelor-Studium einen ASF-Freiwilligendienst im Ausland zu leisten. Interesse? Dann jetzt für den Freiwilligendienst 2012-2013 bewerben.