Sommerlager in den USA: "Growing Together Detroit"

Richard A. Bachmann war als Freiwilliger ein Jahr lang in Detroit. Er hat dort ein beeindruckendes soziales Projekt kennen gelernt, den Eden Garden – den Garten Edens. Zur Unterstützung des Projekts initiierte der ehemalige Freiwillige ein eigens Sommerlager.

Detroit. Lange Zeit galt diese Stadt vielen als Sinnbild für Verfall, Ruin und Armut. Die Fotos und Geschichten über Detroits leerstehende Viertel, ausgebrannte Häuser und verzweifelte Einwohner*innen erreichten über das Internet auch uns. Als Detroit im Juli 2013 Bankrott anmeldete, schien die Stadt vollends kollabiert zu sein.

Zwei Monate später begann ich meinen Freiwilligendienst am Holocaust Memorial Center in Detroit. Anfangs war mir ziemlich mulmig zu Mute. Doch dank neuer Freund*innen lernte ich ein anderes Detroit kennen. Weniger bekannt ist, dass es viele Detroiter*innen gibt, die den grimmigen Realitäten ihrer Stadt etwas Positives entgegensetzen. Ein gutes Beispiel hierfür ist der Eden Gardens Block Club, ein Nachbarschaftsverein, der sowohl in Detroits afroamerikanischer, als auch jüdischer Community verwurzelte ist. Die Mitglieder von Eden Gartens bewahren nicht nur ihr Viertel vor dem weiteren Verfall. Sie haben einen ausgedehnten Gemeinschaftsgarten geschaffen, der als sozialer Ort fungiert und Anwohner*innen mit frischem Gemüse und Obst versorgt. 

Beeindruckt von der Arbeit des Clubs, tat ich mich 2014 mit Menschen aus Detroit und Berlin zusammen und gemeinsam konzipierten und realisierten wir das Sommerlager “Growing Together Detroit”.

In dessen Rahmen kamen im Sommer 2015 und 2016 Freiwillige aus den USA, Deutschland und Israel in Detroit zusammen, um Eden Gardens zu unterstützen. Dabei stand nicht nur die gemeinsame Gartenarbeit im Vordergrund. Die Teilnehmer*innen des Sommerlagers setzten sich auch mit der Stadt Detroit und deren Geschichte auseinander. Sie tauschten sich mit deren Bewohner*innen über Themen wie Rassismus, soziale Gerechtigkeit, Religion und Stadtentwicklung aus. 

Besonders gefreut hat mich, dass im Sommer 2017 Angehörige von Eden Gardens zur dritten Runde des Sommerlagers nach Berlin reisen konnten. Für viele von ihnen war es das erste Mal, dass sie Detroit verlassen konnten. In Berlin setzten sie sich zusammen mit den deutschen Teilnehmer*innen mit der Geschichte und den heutigen Spuren des deutschen Kolonialismus auseinander und diskutierten über Kontinuitäten und Muster von Ausgrenzung. Doch auch die gemeinsame Gartenarbeit kam nicht zu kurz.

Das von Sola Tn gestaltete Wandbild.

Und auch wenn man mittlerweile andere Töne aus Detroit hört, so sind es nicht die finanzstarken Investoren, die die Stadt ausmachen. Es sind Menschen wie die Angehörigen des Eden Gardens Block Clubs, die sich in hunderten kleiner Projekte für “ihr Detroit” einsetzen. “Growing Together Detroit” bietet den Teilnehmer*innen die Möglichkeit mehr über dieses Engagement jenseits der Schlagzeilen zu lernen. Ich hoffe dies kann auch in Zukunft weiterhin ermöglicht werden.

Mia, eine Teilnehmerin des Sommerlagers 2016, hatte eine besondere Idee. Sie fragte die Projektpartnerin Chava, ob es denn nicht möglich wäre, die Wand eines an den Garten angrenzenden, leerstehenden Hauses zu verschönern. Chava gefiel die Idee und Mia bekam den Auftrag, einen Entwurf zu machen. Dieser konnte die Verantwortlichen von Eden Gardens überzeugen. Mia bekam grünes Licht und machte sich mit einigen anderen daran, ihren Entwurf zu realisieren. Während sich also einige die Hände mit Erde schmutzig machten, taten andere dies mit Farbe.

Richard A. Bachmann lebt in Leipzig. Er war ASF-Freiwilliger am Holocaust Memorial Center in Detroit 2013/14 und ist Initiator und Koordinator des ASF-Sommerlagers “Growing Together Detroit” 2015 und 2016.

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