75 Jahre Kriegsende

Mit diesem Heft wollen wir Menschen Aufmerksamkeit geben, die die Nachwirkungen der nationalsozialistischen Vergangenheit noch immer in sich tragen: so wie Rozette Kats, die den Krieg als Kleinkind bei Pflegeeltern überlebte und in einem bewegenden Interview von ihrer jahrzehntelangen Suche nach ihrer eigenen Identität berichtet. Wir richten den Blick auch auf Menschen und Gruppen, die im Nationalsozialismus verfolgt wurden und bis heute wenig Anerkennung und Entschädigung erhalten haben: die Minderheit der Sint*ezze und Rom*nja und die griechischen Opfer nationalsozialistischer Verbrechen. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Frage, welche Bedeutung Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der Erinnerungskultur zum Holocaust haben können. Spannend sind auch die Berichte unterschiedlicher Erinnerungskulturen in den Partnerländern von ASF, und die Erzählungen von Freiwilligen, wie sie die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten erlebten.

„Wir durften nicht sein, wer wir eigentlich waren."

Interview mit Rozette Kats

Rozette Kats wurde als knapp neun Monate altes Baby zur Zeit der deutschen Besatzung in den Niederlanden, 1943, von ihren Eltern bei einem nichtjüdischen Paar in Sicherheit gebracht. Diese wurden ihre Pflegeeltern und zogen sie auf. Ihre leiblichen Eltern wurden von den Nazis ermordet. Was dies für sie und ihr Leben bedeutet hat, darüber hat Lena-Marie Vahl in Amsterdam mit ihr gesprochen.

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Deutsche Kriegsverbrechen in Griechenland: offene Rechnungen?

Robert Uerpmann-Wittzack

Deutschland verhindert eine gerichtliche Klärung etwaiger Entschädigungsansprüche, verweigert sich aber gleichzeitig einer ernsthaften politischen Aufarbeitung. Dadurch wird die Frage nach den Folgen des Zweiten Weltkriegs in unbefriedigender Weise offengehalten.

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Migrationsgesellschaftliche Geschichtsvermittlung in den Nachwirkungen des Nationalsozialismus.

Astrid Messerschmidt

Astrid Messerschmidt plädiert für eine rassismuskritische Perspektive in der historisch-politische Bildung nach Auschwitz, in der Abstammung nicht zum Kriterium für Kriterium für Geschichtszugänge gemacht wird. Es müssen das gemeinsame und zugleich unterschiedlich motivierte Interesse von Teilnehmenden am historischen Gegenstand zum Ausgangspunkt genommen werden, um unterschiedliche Zugänge zu ermöglichen, ohne diese an eine nationale oder kulturelle Identität binden zu müssen.

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Bedeutungsunterschiede: Der 8. Mai als Gedenktag in der Bundesrepublik und in der DDR.

Katrin Hammerstein

„Zweierlei Erinnerung“, „Die geteilte Vergangenheit“ oder auch „Keine gemeinsame Erinnerung“, so lauten die Schlagworte, mit denen die geschichtswissenschaftliche Forschung den ost- und westdeutschen Umgang mit der NS-Vergangenheit gern beschreibt. Denn mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 und der Deutschen Demokratischen Republik im Oktober desselben Jahres entstanden nicht nur zwei deutsche Staaten mit unterschiedlichen politischen Systemen, sondern sie positionierten sich auch unterschiedlich zu ihrer gemeinsamen Vorgeschichte des Nationalsozialismus.

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75 Jahre nach Kriegsende – und nach dem Tod fast aller Überlebender – sind zentrale Fragen der Entschädigung an Sinti und Roma immer noch offen.

Dina von Sponeck

Dr. Dina von Sponeck, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Referat Beratung des Dokumentations und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma, über die Mängel in der deutschen Entschädigungsgesetzgebung und die fehlende Anerkennung des durch das beispiellose NS Unrecht erlittenen Leides für die Verfolgten aus der Gruppe der Sinti und Roma.

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„Die frühe Bundesrepublik hätte hunderttausende Prozesse führen müssen. Dass sie das nicht tat, ist Ausweis des Scheiterns."

Interview mit Per Hinrichs

80 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs begann im Oktober 2019 vor dem Landgericht Hamburg der Prozess gegen den ehemaligen Wachmann im Konzentrationslager Stutthof, Bruno D., dem Beihilfe zum Mord an mindestens 5.230 Menschen vorgeworfen wird. Per Hinrichs, der eines der letzten NS-Verfahren in Deutschland als Journalist begleitet, im Gespräch mit Dr. Dagmar Pruin.

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Erinnerungskultur in Social-Media-Kanälen

Interview mit Katarina Bader

Was hier gepostet wird, kann solide Auseinandersetzung mit dem Holocaust nicht ersetzen, aber zumindest eine sinnvolle Ergänzung sein. Überlebende werden hier stark wahrgenommen, denn ihre Botschaften passen zu Social Media, sie sind klar und menschlich. Und der jüngeren Generation ist das Recht zuzugestehen, selber auszuhandeln, welche Ausdrucksweisen angemessen oder inadäquat sind – sagt die Journalismus-Professorin Katarina Bader im Gespräch mit Ute Brenner.

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„Ich möchte Jugendlichen das besondere Erlebnis eines Friedensdienstes mit ASF ermöglichen."

Interview mit Susanne Kühn

Susanne Kühn war 1989/90 Freiwillige in den Niederlanden und fühlt sich bis heute eng mit Aktion Sühnezeichen verbunden. Sie hat kürzlich ASF als Begünstigte in ihr Testament aufgenommen. Katharina Gloe hat mit ihr über diese bewusste(n) Entscheidung(en) gesprochen – für den Freiwilligendienst und für Aktion Sühnezeichen Friedensdienste.

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75 Jahre Kriegsende

Am 8. Mai jährt sich das Kriegsende zum 75. Mal. Die Formen des Gedenkens sind vielfältig. Wir nähern uns dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven und auf verschiedenen Themenfeldern. Die Wunden der nationalsozialistischen Vergangenheit sind für viele präsent. Mit zeitlichem Abstand zum Kriegsende werden zunehmend Debatten über eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus geführt.

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