Kirchliches Engagement gegen Rechtsextremismus

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche & Rechtsextremismus (BAG K+R) ist ein Projekt von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, das 2009 mit anderen zivilgesellschaftlichen und kirchlichen Initiativen gegründet wurde. Die BAG K+R ist ein Netzwerk von fast 50 Organisationen und Initiativen, die an der Schnittstelle zwischen Kirche, Gesellschaft und Politik gegen Rechtsextremismus, Rechtspopulismus, Antisemitismus, Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit agieren. Die BAG K+R gibt Handreichungen heraus, die verschiedene Diskriminierungsformen erklären und Hinweise zur Arbeit gegen Ausgrenzungen geben. Darüber hinaus beraten die Mitarbeiter* innen und Sprecher*innen der BAG K+R Kirchengemeinden und andere Akteur*innen zum Umgang mit Rechtspopulismus, der in den eigenen Reihen und im Umfeld auftauchen kann. Weitere Informationen zu den Veranstaltungen, Publikationen und Beratungsangeboten finden sich unter www.bagkr.de.

Unser Kreuz hat keine Haken – in Dortmund engagieren sich Christ*innen gegen Rechtsextremismus.

Dortmund hat ein doppeltes Naziproblem. Zum einen hat sich hier vor etwa 15 Jahren eine besondere Szene der Rechtsextremen festgesetzt, die sogenannten Autonomen Nationalisten. Sie fordert seitdem die Bürgerschaft, aber auch den Rechtsstaat in unerträglicher Weise heraus. Zum anderen wird in der Berichterstattung über die Stadt immer wieder der Eindruck erweckt, irgendwie seien die Dortmunder*innen selbst schuld. Angeblich hätten sie jahrelang weggeschaut.

Richtig ist allerdings, dass es seit fast 20 Jahren vielfältige Bemühungen der Stadtgesellschaft gibt, sich gegen die Nazis zu wehren. Bereits im Jahr 2000, beim sogenannten Aufstand der Anständigen, haben die Dortmunder*innen Flagge gezeigt. In den Folgejahren wurden erste Gegendemonstrationen gegen die sich ständig wiederholenden Aufmärsche organisiert. Seit 2005 haben sich wichtige Organisationen aus der Mitte der Gesellschaft dauerhaft zum Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus zusammengeschlossen. Gewerkschaften, Parteien, Bildungseinrichtungen, der Jugendring, und nicht zuletzt die Kirchen, treten seitdem gemeinsam über weltanschauliche Grenzen hinweg den Nazis entgegen. Der Leiter des evangelischen Referates für Gesellschaftliche Verantwortung und Pfarrer des Kirchenkreises ist seitdem einer der beiden Sprecher.

Über die Jahre wurde deutlich, dass es auch in den Kirchengemeinden etliche gibt, die sich über Demos hinaus engagieren wollen. Um ihnen eine Heimat zu geben, wurde 2012 ein eigenes kirchliches Netzwerk gegründet, der Arbeitskreis Christ*innen gegen Rechtsextremismus (AK CgR). Mittlerweile sind über 100 Einzelpersonen Mitglied, aber auch ein Drittel der evangelischen Kirchengemeinden Dortmunds sowie die Frauenhilfe. Auch einige katholische Christinnen und Christen sind in ökumenischer Verbundenheit dabei. Beim kommunalen Runden Tisch wird mitgearbeitet, über die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche & Rechtsextremismus ist der Arbeitskreis bundesweit vernetzt.

Ein Schwerpunkt sind regelmäßige Informationsveranstaltungen, in denen die Lage und aktuelle Entwicklungen des Rechtsextremismus lokal und überregional diskutiert werden. Dabei sind auch die sogenannten Identitären und der Rechtspopulismus im Blick. Ein anderer Schwerpunkt sind praktische Aktionen. Bei Demonstrationen unterstützen die Christ*innen den Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus. Bei spontanen Mahnwachen zum Beispiel für Geflüchtete, wenn es um schnelle Einsätze geht, gehen die Mitglieder auch eigenständig auf die Straße. Immer dabei ist das Banner mit dem markanten Motto "Unser Kreuz hat keine Haken".

Als sich der deutsche Protestantismus unlängst in Dortmund zum Kirchentag traf, bot der AK CgR den Gästen von nah und fern einen Stadtrundgang "Rechtsextremismus in Dortmund – eine Stadt wehrt sich" an. Das Konzept: Beim Weg durch die Stadt werden an authentischen Orten Ideologie und Untaten der Dortmunder Naziszene dargestellt, aber auch über die langjährige Gegenwehr von Bürger*innen und Kirche berichtet. Der Rundgang will auch ein Beitrag sein, das beschädigte Image der Stadt zu verbessern.

Wer jetzt fragt, ob Christ*innen mit einem solchen Arbeitskreis nicht den Glauben unzulässig politisieren, dem sei gesagt: Es geht gar nicht anders. Denn der Rechtsextremismus und seine rassistische Ideologie von der angeblichen Ungleichwertigkeit der Menschen sind ein direkter Angriff auf unseren christlichen Glauben, auf die Gottesebenbildlichkeit und Würde eines jeden Menschen. In den Grundsätzen des AK CgR heißt es darum: Rechtsextremismus und christlicher Glaube sind unvereinbar.

Mehr Informationen unter www.christen-rechts.de.

Friedrich Stiller (58) ist seit 1996 Pfarrer für Gesellschaftliche Verantwortung im Evangelischen Kirchenkreis Dortmund. Er ist der Sprecher des Arbeitskreises Christ*innen gegen Rechtsextremismus und seit 14 Jahren Co-Sprecher des Dortmunder Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus. Schwerpunkte seiner Arbeit sind neben dem Engagement gegen Rechtsextremismus der interreligiöse Dialog und der Dienst in der Arbeitswelt. Seit 19 Jahren ist er zudem Kolumnist der größten Dortmunder Tageszeitung.

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