Auf den Spuren von Lothar Kreyssig in Magdeburg auf dem Kirchentag 2017

Lothar Kreyssig, der Gründer von Aktion Sühnezeichen lebte eine Zeit lang in Magdeburg. Während des Kirchentages gab es eine Führung durch Magdeburg auf seinen Spuren.

Vor Kreyssigs alter Wohnung, Fotos: Leonard Schubert

In kleiner Runde und persönlicher Atmosphäre führten Waltraut Zachhuber und Hans-Joachim Döring die Interessierten mit vielen Anekdoten und lebendigen Beschreibungen zu verschiedenen Orten in Magdeburg, an denen Lothar Kreyssig gewirkt und gearbeitet hat.

Beginnend im Dom, vorbei am ehemaligen Präsesbüro und an Kreyssigs damaliger Dienstwohnung, führte uns der Weg durch die Lothar-Kreyssig-Straße und die Günther-Särchen-Straße bis in die katholische Kirche Sankt Sebastian, in der Kreyssig während seiner Arbeitszeit in Magdeburg morgens um 6 Uhr zu beten pflegte (weil der evangelische Dom da noch nicht geöffnet hatte).

An jeder Station erinnern zahlreiche Geschichten an das mutige, tatkräftige und von einem tiefen humanistischen Gerechtigkeitsempfinden geprägte Handeln Lothar Kreyssigs, der sich als Richter, Bauer und als Mann der Kirche Zeit seines Lebens sehr für ein friedliches, versöhnliches und gerechtes Zusammenleben einsetzte und dabei häufig gegen Praktiken der Zeit und die Mehrheitsmeinung handelte.
Kreyssig verklagte etwa als Richter frühzeitig Nazi-Führer wegen der Ermordung von kranken und behinderten Menschen, versteckte auf seinem Gutshof von der Verfolgung bedrohte Juden und arbeitete in der bekennenden Kirche, in der er klar seine Meinung sagte. Seit 1946 war er in der evangelischen Kirche in der Kirchenprovinz Sachsen bei der er zahlreiche nachhaltig wirkende Initiativen (mit)gründete, die zu einem langfristigen, positiven Miteinander und gesellschaftlicher Verantwortung beitragen sollten, neben Aktion Sühnezeichen beispielsweise auch Brot für die Welt und Misereor, Aktionsgemeinschaft Solidarische Welt und viele mehr. Kreyssig war zudem ein großer Verfechter der Ökumene, für die unter anderem die damals für Aktion Sühnezeichen enorm wichtige Zusammenarbeit mit Günther Särchen symbolhaft stehen kann.

Besonders prägend war während der gesamten Führung der Geist Lothar Kreyssigs, der mit seiner mutigen, integren Tatkraft für ein friedliches, verantwortungsvolles, gerechtes und versöhnliches Miteinander immer wieder spürbar wurde. Egal ob in Geschichten über persönliche Begegnungen, in Gedenkinschriften und zusammengetragenen Fakten oder in aktuellen Berichten über das Fortbestehen seines Wirkens, überall leuchtete die Strahlkraft dieses Mannes und seiner weitumfassenden, gelebten Botschaft, einander die Hände zu reichen und miteinander Gutes zu tun.

 

Bericht von Leonard Schubert, ehemaliger ASF-Freiwilliger 2011/12 in Alta, Norwegen.

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