Zum Umgang mit Rechtspopulismus im kirchlichen Raum

Von Jutta Weduwen und Henning Flad

Der Aufstieg rechtspopulistischer und neurechter Akteur*innen in Deutschland ist mittlerweile unübersehbar geworden – durch die Präsenz der AfD in Landtagen und auch im Bundestag, durch einen Bedeutungsgewinn rechter Medien, durch zahlreiche gut besuchte Demonstrationen auch im Westen der Republik sowie durch zunehmende antisemitische, rassistische und menschenverachtende Stimmungsmache in den sozialen Medien. Den rechtsterroristischen Morden in Halle und Hanau liegen antisemitische, rassistische und auch antifeministische Ideologien zugrunde, die auch in den Morden des NSU und anderen rechtsterroristischen Gewalttaten sichtbar waren. Die Täter handelten in einem Netzwerk oder wurden durch Gleichgesinnte in den sozialen Medien radikalisiert und bekräftigt.

Im Laufe des Jahres 2020 wurde der Aufstieg einer neuen rechten Bewegung auch sichtbar durch teilweise viel besuchte Demonstrationen gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, bei denen Rechtsextreme deutlich Präsenz zeigen konnten, ohne dass dies auf größeren Widerspruch der sonstigen Teilnehmenden gestoßen wäre.

Auch in den Kirchgemeinden gibt es viele zum Teil sehr kontroverse Diskussionen. Aus vielen Berichten engagierter kirchlicher Initiativen und auch aus Erfahrungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus (BAG K+R) in Pfarrkonventen, Fortbildungen für Mitarbeitende kirchlicher Einrichtungen und ähnlichen Veranstaltungen ist deutlich, dass rechtspopulistische Deutungsmuster auch im kirchlichen Raum insbesondere seit dem Jahr 2015 sowohl zunehmen als auch offener geäußert werden.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit unter Kirchenangehörigen

Es besteht kein Anlass zu glauben, dass Antisemitismus, Rassismus und andere Ideologien der Ungleichwertigkeit nur ein Problem der »anderen« seien und vor den Kirchentüren Halt machen. Mehrere Studien geben Hinweise darauf, dass die Angehörigen der Kirchen im Durchschnitt zwar etwas weniger für Rechtspopulismus anfällig sind als der Durchschnitt der Bevölkerung, aber besonders Antisemitismus, Homophobie und Anti-Gender-Bewegungen finden sich in unterschiedlicher Ausprägung auch in christlichen Gemeinschaften Die christlichen Kirchen stehen in einer besonderen Verantwortung, sich für Demokratie und gegen Rechtsextremismus und andere Formen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit einzusetzen. Die kritische Beschäftigung mit Rechtsextremismus und das Eintreten für Demokratie, Vielfalt und Solidarität sind zentrale Anliegen der Kirchen.

Im kirchlichen Raum gibt es deshalb eine Vielzahl von aktiven Initiativen, die sich kritisch mit Rechtspopulismus und Rechtsextremismus auseinandersetzen. Viele von ihnen haben sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus zusammengeschlossen, die 2010 gegründet wurde und sich in Trägerschaft von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste e.V. befindet.

Aktivitäten der BAG K+R

Die BAG K+R befindet sich in Trägerschaft von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und ist ein ökumenisches Netzwerk von knapp 50 Organisationen, Basisinitiativen und Projektstellen aus dem kirchlichen Raum und der Zivilgesellschaft. Die BAG K+R berät kirchliche Akteur*innen zum Umgang mit Rechtspopulismus und Rechtsextremismus, und sie fördert die gesellschaftliche Diskussion mit Fachtagungen, Seminaren und Fortbildungen.

Die BAG K+R veröffentlicht vielfältige Handreichungen und Publikationen zum Umgang mit Rechtspopulismus und Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit im kirchlichen Raum, unter anderem

  • Handreichungen zu Erscheinungsformen Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (Antisemitismus, Rassismus, Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen, Antimuslimischer Rassismus, Rassismus gegenüber Sinti und Roma, Etabliertenvorrechte, Abwertung von Obdachlosen, Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen)
  • Umgang mit Rechtspopulismus im kirchlichen Raum
  • Vor Gott sind alle Menschen gleich. Beiträge zu einer rassismuskritischen Religionspädagogik und Theologie
  • Identität.Macht.Verletzung. Rassismuskritische theologische Perspektiven
  • »Ich will die Wahrheit«. Über rassistische Routinen und den NSU-Terror.
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  • im Rahmen des Bundesprogramm
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