Fürbitten

Fürbitte

Wir bitten dich um deinen Heiligen Geist,
dass wir Schuld und Versagen nicht verdrängen, vergessen oder verleugnen,
sondern aufdecken, offen benennen und bekennen.
Gott, du willst uns Zukunft und Hoffnung geben,
Zukunft, die in der Erinnerung wurzelt
Hoffnung, die über uns hinausweist.
So bitten wir dich: Stärke auch in uns das Gedenken!
Lass die zerbrochenen und zerstörten Leben der Menschen
in den Lagern nicht in Vergessenheit geraten.
Wir bitten dich für alle, die verzagt sind,
die sich hilflos fühlen gegenüber dem Wind, der ihnen entgegen bläst,
die erschrocken sind angesichts des stärker werdenden Rassismus.
Mute uns Proteste zu, denen wir lieber ausweichen.
Hilf uns, die Ursachen von blindem Hass zu erkennen,
stelle uns in den Dienst der Solidarität
mit den bedrohten Minderheiten, übe Wachsamkeit
mit uns ein gegen nationale, judenfeindliche und rassistische
Gedanken, Worte und Taten.
Bewahre uns davor, das Gedächtnis zu verlieren!
Du traust uns mehr zu als wir uns selbst zutrauen,
erinnere uns immer wieder daran!


Fürbitte

Wir sind nicht allein, wir kommen Wir sind nicht allein. Wir kommen von
von weit her, aus einem fernen Land weit her. Wir haben Geschwister, die
der Kämpfe und Tränen, der Wünsche Gott loben mit anderen Liedern.
und Träume. Wir kennen Jeremia, Gott ist alles in allem. Wir aber sind
seinen Zorn und seine Hoffnung. endlich. An unserem Wesen muss
Wir kennen Franziskus und seinen niemand genesen. Wir sind ein Teil
Gesang auf die Sonne. Wahrheit, die die Welt erleuchtet.
Wir kennen Elisabeth, die Christus sah Unter den Toten sind viele, die uns
in den Augen des hungernden Kindes, behüten. Unsere Hoffnungen lesen wir
von ihren Lippen. Wir kennen Jan Hus und Sophie Scholl, Teresa von Avila und Dorothee Sölle.

Wir bitten dich für alle, die Unrecht ertragen müssen, erbarm dich ihres Elends und
ihrer Verzweiflung! Wir bitten dich für alle, die Unrecht einzudämmen versuchen!
Wir bitten dich für alle, die gegen Unrecht aufbegehren! Aus einer Welt voller
Unrecht rufen wir: Dein Recht komme! Dein Reich komme! Das Recht deines Reiches komme!


„Mit jedem Abend …“

Mit jedem Abend eines Tages erinnerst du, Gott, uns an den Abend des Lebens
und das Ende aller Dinge.
So ist er die Zeit, dir für den Tag zu danken und uns für den Weg in die Nacht
zu befehlen.
Wir wirken, weil und solange es Tag ist. Den Willen zur Tat, das Finden von
Zielen, Freundschaft von Menschen, die mit uns ziehen, das Aufstöbern
hart gesottener Gegner, Hohn von Feinden, helfende Rede – das alles verdanken
wir der Erfahrung, der Vernunft, dem Mut, den Kräften und Widersprüchen, dem
voll gedrückt-gerüttelten Maß des Lebens.
Aber unser Leben danken wir dir. Dir danken wir Eltern und Geschwister,
die nächsten Geliebten, Genossen und Menschen, die sich angewiesen machen
auf uns.
Mit ihrer Hilfe sind wir, was wir sind.
Dir danken wir Herzen, Mund und Hände … Dir das Ja zum Leben, auch zu
seinem Ende.
Dir aber auch den Trotz gegen den Tod und seine Mächte. Beides aber, das Ja
und der Trotz, danken wir dem vom Tod erweckten Jesus.
Dir danken wir Leib, Seele und Geist: Unverdientes Überleben, Lebensfreude,
Widerstandskräfte gegen Leiden, Zwänge und Angst, aber auch Fantasie und
Denkvermögen,
das Leben zu meistern. Allein du aber bist unser Meister.
Und nun schwinden die Kräfte. Der Qual des Lebens haben wir schon viel gezahlt:
Menschen verloren und Erwartungen. An Schuld tragen wir noch, und was wir
einmal gehofft haben, verändert sich in das, was wir noch hoffen können. Diese
Hoffnung ist auch unsere Gewissheit: Du bleibst, der du bist – auch auf unserem
Weg in die Nacht, in allen unseren Verwandlungen.
Und letzte Kräfte der Freude und Dankbarkeit gelten dir: Du unser Schöpfer und
Versöhner und Befreier. Amen.

Friedrich-Wilhelm Marquardt


Fürbitte

Barmherziger Vater, in unserem Land brannten deine Häuser.
Schriftrollen deiner Worte wurden verbrannt wie später dein Volk.
Deutsche Soldatenstiefel und Bürokratenstifte
brachten Grauen, Gewalt und Gas über dein Volk in Europa.
Bewahre uns davor, das Gedächtnis zu verlieren.
Was du Israel und allen Völkern gesagt hast, verbrennt nicht.
Dein Wort ist unseres Fußes Leuchte und ein Licht auf unserem Weg.
Deshalb brennt die Schande des Schweigens, des Wegsehens, der Schuld
tief unter der Asche der Schoa –
auch wenn viele die Erinnerung wie ein Feuer löschen wollen.
Vergib uns die Gedankenlosigkeit und Vergesslichkeit
wie alle Feigheiten und Befangenheiten des Alltags.
Gib uns Mut gegen Ungeist und Gewalt
nationaler, judenfeindlicher und israelfeindlicher
Gedanken, Worte und Taten in deinem Geist tapfer zu werden.
Vergib uns diese Verstockung und beginne mit uns neue Wege.
Du traust uns mehr zu als wir uns selbst zutrauen,
erinnere uns immer wieder daran.
Stärke uns in der Arbeit an einem europäischen Gewissen,
das seine Hausordnung erfüllt vom Geist deiner Gerechtigkeit!
Und in unserer Nachbarschaft denken wir an...


Fürbitte

Du, der du gerufen hast „Licht“, und das Licht wurde
geboren, und es war gut, es wurde Abend und Morgen,
damals bis heut.
Du, der gerufen hat „Mensch“ und wir wurden geboren.
Du, der Liebe ist, tief wie das Meer, hell wie der Blitz,
starker als der Tod:
Lass nicht verloren gehen ein Menschenkind.
Du, der keinen Namen vergisst, keinen Menschen verachtet,
lass nicht den Tod, der alles trennt und aushöhlt, lass nicht den
schlimmen Tod über uns kommen.
Für alle, die gekreuzigt werden, sei nicht niemand, sei ihre Zukunft.
Für Menschen, die von dir verlassen sind,
für alle, die ihr Los nicht tragen können, für die, die wehrlos sind
in den Händen von Menschen, für Flüchtlinge und Fremde
sei nicht niemand!
Für die, die Kraft ausstrahlen, Liebe geben, Recht tun, dass sie
standhaft bleiben in unserer Mitte.
Du, der das Wort zu uns gesprochen hat, das unsere Seele erfüllt,
lass uns nicht leer und verloren und ohne Aussicht,
lass uns offen werden für die Vision von Frieden, die seit
Menschengedenken uns ruft.
Beschleunige den Tag deiner Gerechtigkeit! Gedenke deiner Menschen,
dass sie nicht umsonst geboren sind! Denn du bist der Gott, großer
als mein Herz, der mich gesehen hat, eh ich war geboren. Amen

nach H. Oosterhuis, Ich steh vor dir, Freiburg 2004



„Friedensdekade, Herr höre, Herr erhöre“

Gnädiger Gott,
wie eine feste Burg, wie ein offenes Zelt, gewährst du uns Zuflucht.
Du stärkst uns zu tun,
was nötig ist,
du schenkst uns Geduld,
Rückschläge und Niederlagen zu verkraften,
du lehrst uns, das Leben und die Menschen zu lieben,
trotz allem, was dagegen spricht.
Hüter der Bedrängten,
wir bitten für die,
die nicht mehr wissen,
wohin sie gehören,
die fliehen müssen vor Gewalt,
vor Verfolgung und wirtschaftlicher Not
und nirgendwo willkommen sind.
Du übersiehst nicht, was sie durchmachen.
Du hörst ihre verzweifelten Klagen
und verteidigst ihr Recht
gegenüber denen,
die sie mit allen Mitteln abwehren.
Gott, lass sie bei uns Verständnis und Unterstützung finden
und schaff ihnen Heimat in deiner Kirche.
Herr der Welt,
wir bitten dich für die,
die im Kleinen und Großen Verantwortung tragen
für das Geschick der Menschen
und die Zukunft der Erde:
Mache sie sensibel für die Not der Armen
und für das Leid deiner Schöpfung.
Weite ihren Blick
für die Bedürfnisse künftiger Generationen
und gibt ihnen Mut für Entscheidungen,
die dem Leben dienen.
Du gerechter Richter,
so viele Menschen zerstören das Leben anderer
für eigene Ziele.
Sie verbreiten Terror und Angst,
sie plündern und vergewaltigen,
sie brechen Menschen an Leib und Seele
und haben dabei keinerlei Skrupel.
Lass du sie nicht davon kommen, Gott!
Zieh sie zur Rechenschaft
und lehre sie ein neues Leben
in Respekt vor dir
und in Achtung der menschlichen Würde.
Gott, Quelle des Lebens,
Segne die den Hilflosen Recht verschaffen,
Lass die Arbeit für Frieden und Versöhnung gelingen,
und schütze das Glück aller Liebenden.
In der Stille betend bringen wir vor dich,
was uns besonders am Herzen liegt …

Sylvia Bukowski


Fürbittgebet

Wir sind nicht allein, wir kommen von weit her, aus einem fernen Land der
Kämpfe und Tränen, der Wünsche und Träume.
Wir kennen Amos, seinen Zorn und seine Hoffnung, wir kennen Jan Hus und
Janusz Korczak und die Liebe zu ihren Völkern.
Wir kennen Sophie Scholl und Elisabeth Schmitz und ihren Widerstand gegen
Niedertracht und Gewalt.
Wir sind nicht allein, wir haben Geschwister, die Gott loben mit anderen Liedern!
Schenke uns den Zorn und die Hoffnung deines Propheten Amos.
Mach deine Verheißungen wahr, wohne unter uns wie dein Seher Johannes
gesagt hat: „Die Hütte Gottes bei den Menschen!“
Lass aus dem Kampf um Gerechtigkeit zwischen allen kritischen Bürgern im
Nahen Osten eine neue Gerechtigkeit wachsen und stärke in allen Ländern
die, die für Versöhnung eintreten.
Gott, du hast verheißen, dass alle Völker auf dein Wort hin verlernen werden,
einander zu hassen und zu morden.
Schwerter sollen zu Pflugscharen werden, eingefallene Hütten zu Orten des
Friedens und es soll Genüge geben für alle, die hungern an Leib und Seele.
Auf dich ist Verlass,
Vater unser …


Fürbitte

Danke, Gott, dass wir Sprache haben,
den Schmerz zu beklagen, das Notwendige zu erbitten
und das Schöne zu besingen.
Danke, dass wir nicht beredt sein müssen, nicht wort-gewaltig
und laut, dass du hörst –
auch unsere gestammelten und geflüsterten Gebete.
Danke, dass sie unser umtriebiges Leben unterbrechen…
Wir bitten dich, Gott:
Gib – auch durch uns! –
den Benachteiligten deine Gerechtigkeit,
den Stummgemachten deine Stimme,
den Engstirnigen deine Weite.
den Mutlosen deine Stärke,
den Mächtigen deine Weisheit,
den Gereizten deine Stille,
den Flüchtenden deinen Schutz,
den Kindern deine Geborgenheit,
den Schmerzgeplagten deine Nähe,
den Sterbenden dein Licht.
Und wir bitten: Unser Gebet sei mehr als Wunschkonzert,
Tradition und Denkleistung – es sei erfüllt mit uns selber!
Lege uns in der Stille Worte in den Mund, die über das
hinausreichen, was erreichbar ist!
Mache unser Gebet stark und uns selber lebendig!
Wir sprechen gemeinsam wie unser Bruder aus Galiläa
es seinen Leuten vorgesprochen hat:
Vater unser…

 

Texte ohne Quellenangabe entstammen der Predigthilfen-Redaktion

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