Presse | Presse | 01. Mai 2018

Stellungnahme zu "Tagesschau" vom 1. Mai 2018

Am 1. Mai 2018 verlas die Tagesschau-S precherin Judith Rakers eine Meldung (ab Minute 9:23),die in Gänze folgenden Wortlaut hatte:

„Palästinenserpräsident Abbas hat den Juden eine Mitschuld an ihrer Ermordung durch die Nationalsozialisten gegeben. Vor dem palästinensischen Nationalrat sagte er gestern, der Holocaust sei nicht durch Antisemitismus ausgelöst worden, sondern durch das soziale Verhalten der Juden, etwa das Verleihen von Geld. Abbas betonte aber zugleich, die Palästinenser wollten einen eigenen Staat, um zusammen mit Israel in Frieden leben zu können.“

Die Tagesschau-Redaktion ließ dieses klassisch antisemitische Stereotyp vom „jüdischen Wucherer“ unverständlicherweise unkommentiert. Dabei hatte Herr Abbas dieses auch noch zynisch und kaum je in dieser expliziten Form so unverschämt benutzte Bild als Grund für die Ermordung von 6 Millionen Juden angeführt. Mit dem Satz „Abbas betonte aber zugleich…“ suggeriert dann die Redaktion, dass die Tatsache, dass es aus Abbas Perspektive zwei Staaten geben solle, den antisemitischen und menschenverachtenden Charakter des ersten Satzes einschränke oder gar aufhebe.

Das Verhalten der Tagesschau zeigt auf, dass die gebetsmühlenartig vorgetragene Notwendigkeit, den Antisemitismus in unserer Gesellschaft zu bekämpfen, zu oft nicht ernstgenommen wird. Das Bild des „jüdischen Wucherers“ ist neben dem Gottesmordvorwurf eines der zentralen und in seinen Auswirkungen mörderischen antisemitischen Stereotype. Dass die Tagesschau-Redaktion dies nicht kritisch einordnete, verweist einmal mehr auf den Tatbestand, dass höhere Bildung nicht automatisch zu Wachsamkeit und Aufbegehren gegen antisemitische Denk- und Handlungsformen führt.

Angemessen wäre nun eine Entschuldigung und für die Zukunft vor allem eine andere Berichterstattung – sonst bliebe die Entschuldigung leer.

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste
Vorstand der AG Juden und Christen beim Deutschen Evangelischen Kirchentag
Institut Kirche und Judentum an der Humboldt Universität zu Berlin
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