Presse | 05. September 2016

Vorurteile abbauen, Freundschaften schließen: Deutsch-griechisches Sommerlager von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste in Kastoria und Kleisoura (Griechenland)

„In der griechischen Stadt Kastoria begaben sich die Freiwilligen des Sommerlagers auf die Spuren der hier einst ansässigen jüdischen Gemeinde und halfen durch erste Gartenarbeiten dabei, ein Museum über die jüdische Kultur der Stadt aufzubauen“, erklärt Christine Bischatka, Koordinatorin der internationalen Sommerlager bei Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. „Mit unserem Projekt setzen wir die Arbeiten aus dem vergangenen Jahr fort, in dessen Rahmen ein dreisprachiger Flyer zur jüdischen Geschichte Kastorias entstanden ist.“

Kastoria, eine Stadt im griechischen Westmakedonien, stand abwechselnd unter römischer, byzantinischer, griechischer, bulgarischer und osmanischer Herrschaft, bis es schließlich Teil Griechenlands wurde. Seit dem 15. Jahrhundert war eine jüdische Gemeinde in der Stadt ansässig. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten hier Griechen, Türken, Juden, Albaner, Bulgaren und Roma zusammen. In den 1940er Jahren stand es zunächst unter italienischer, später unter NS-Besatzung. 

In der zweiten Woche ging es von Kastoria aus hinauf in die Berge nach Kleisoura, wo die Sommerlagergruppe Nachfahren von Menschen traf, die dem Massaker am 5. April 1944 zum Opfer fielen. Als „Vergeltungsmaßnahme“ quälte und tötete die deutsche SS an diesem Tag 267 Menschen, davon überwiegend Frauen, Kinder und alte Menschen. An diesem Ort stand der Aufenthalt der Sommerlagergruppe im Zeichen der Begegnung mit den Menschen des Dorfes und ihrem Leben. Mit dem Projekt will ASF dazu beitragen, die Erinnerung an das grausame Massaker wieder in das Bewusstsein der deutschen und griechischen Öffentlichkeit zu rücken.

Das Sommerlager wurde mit Mitteln des Sonderprogramms zur Förderung des deutsch-griechischen Jugendaustauschs des BMFSFJ durchgeführt. 

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste trägt seit 1958 im Rahmen von kurz- und langfristigen Freiwilligendiensten zu Frieden und Verständigung bei, setzt sich für Menschenrechte ein und sensibilisiert die Gesellschaft für die Auswirkungen der nationalsozialistischen Geschichte. Jährlich absolvieren rund 180 Freiwillige in 13 Ländern ihren langfristigen Friedensdienst. Die Sommerlagerarbeit von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste begann 1962 mit Arbeitseinsätzen von Freiwilligen beim Enttrümmern zerstörter Kirchen in Magdeburg. Seitdem haben tausende junge und ältere Menschen in Ost- und Westeuropa, Israel und den USA in internationalen, intergenerativen und/oder inklusiven zwei- bis dreiwöchigen Sommerlagern beim Erhalt jüdischer Friedhöfe, bei der Renovierung von Wohnungen für ehemalige NS-Zwangsarbeiter_innen oder bei Arbeitseinsätzen an den Anlagen von NS-Gedenkstätten mitgewirkt. Zu den Schwerpunkten des Vereins gehört auch die Auseinandersetzung mit der Vermittlung der NS-Geschichte im Einwanderungsland Deutschland.

Bei Rückfragen oder Interviewanfragen wenden Sie sich bitte an Christine Bischatka unter sommer[at]asf-ev.de.