Termine | Tagung | 19. Juni 2017

Rechtspopulismus und Judenfeindschaft. Kontinuitäten – Brüche – Herausforderungen

19.-20. Juni inder Evangelischen Akademie Frankfurt/Main

Antisemitismus, Rassismus, Islamfeindlichkeit – Migrationsgesellschaft, Konkurrenzen, Bildungsstrategien: Diese Stichworte prägen zunehmend die gesellschaftliche, wissenschaftliche und pädagogische Auseinandersetzung mit Vorurteilen und mit ausgrenzenden Denk- und Deutungsmustern. Vielfach schwankt die Diskussion zwischen Eifer und Orientierungslosigkeit, zwischen eindeutigen Positionen und Differenziertheit.

Die Tagungsreihe »Blickwinkel. Antisemitismuskritisches Forum für Bildung und Wissenschaft« beleuchtet aktuelle Analysen, diskutiert innovative Bildungsansätze und setzt diskurskritische Akzente. Die Veranstaltungsreihe lädt zum Austausch und zur Vernetzung von Wissenschaft und pädagogischer Praxis ein.

Rechtspop ulismus und Judenfeindschaft. Kontinuitäten – Brüche – Herausforderungen

Die Zunahme von Rechtspopulismus und Nationalchauvinismus in Deutschland, Europa und den USA stellt die antisemitismuskritische Bildungsarbeit vor neue Herausforderungen. Das lautstarke Wüten gegen eine imaginierte ›Überfremdung‹ des eigenen ›Volkes‹ durch MigrantInnen verdeckt das antisemitische Ressentiment, das sich über Umwege Ausdruck verleiht. So ist in der Rede von der ›Lügenpresse‹ unschwer das Stereotyp jüdisch kontrollierter Medien zu erkennen, die ›Kritik der Zinsgeldknechtschaft‹ verweist auf das antisemitische Bild des jüdischen Wucherers und die Vorstellung, eine sinistre Fremdgruppe orchestriere die vermehrte Einwanderung von Flüchtlingen, schließt an das alte Phantasma an, die Juden würden den Nationalstaat untergraben.

Die Bilder, derer sich bedient wird, verraten ihre antisemitische Herkunft nicht offen, sondern gerieren sich als Sorge um einen wahrgenommenen Verlust ›völkischer und nationaler Selbstbestimmung‹ – eine Angst, die mit der Wahl Trumps zum 45. Präsidenten der USA international ihre Anerkennung zu finden droht. Nicht selten wird dabei in vorauseilender Schuldabwehr die vermeintliche Nähe zu Jüdinnen und Juden bemüht, etwa in der Rückbesinnung auf ein ›jüdisch-christliches Abendland‹, die den historischen Antijudaismus ignoriert. Mit dieser Instrumentalisierung von Jüdinnen und Juden sollen einerseits
Muslime und Muslimas exkludiert und andererseits – im Falle Deutschlands – der Schuldzusammenhang gelockert werden, der die herbeigesehnte Volksgemeinschaft mit dem Nationalsozialismus verbindet. Dessen Erbe scheint einer ungebrochenen nationalen Identität im Weg zu stehen.

Die achte Blickwinkel-Tagung widmet sich der Frage, wie antisemitismuskritische Bildung auf das Erstarken rechtpopulistischer Einstellungen in der »Mitte der Gesellschaft« reagieren kann.

Wir laden WissenschaftlerInnen, PädagogInnen, AkteurInnen aus Stadtteilarbeit, Mediation, Beratung und Bildungsarbeit herzlich ein.

Material und Berichte: www.bs-anne-frank.de/blickwinkel

Anmeldung
www.bs-anne-frank.de/projekte/tagungsreihe-blickwinkel

Anmeldeschluss
23. Mai 2017

Organisatorisches
Die TeilnehmerInnenzahl ist begrenzt. Ein Teilnahmebeitrag wird nicht erhoben. Die Veranstalter übernehmen die Unterkunftskosten für eine Übernachtung in Frankfurt bis zu einem begrenzten Kontingent. Die Tagungsräume sind Barrierefrei.

Veranstaltungsort
Evangelische Akademie Frankfurt
Römerberg 9
60311 Frankfurt

Kontakt und Information
Bildungsstätte Anne Frank
Céline Wendelgaß
Hansaallee 150
60320 Frankfurt/Main
Tel.: 069/56 000 233
E-Mail: cwendelgass@bs-anne-frank.de