Termine | Vortrag | 30. Mai 2017

Ritualmordgerüchte und Gewalt gegen Juden in Griechenland

Dienstag, 30. Mai 2017 19:00 Uhr

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

Vortrag: Maria Margaroni, Thessaloniki
Moderation: Prof. Dr. Werner Bergmann, Berlin

Im Rahmen der Vortragsreihe Antisemitismus in Europa 1879–1945

(Gemeinsam mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas)

In der Geschichte Griechenlands gab es Perioden friedlicher Koexistenz und christlich-jüdischer Kooperation, die jedoch immer wieder von Verfolgungen und Unruhen unterbrochen waren. Nachdem sich im 15. Jahrhundert zahlreiche sephardische Juden im Osmanischen Reich, insbesondere in Saloniki, niedergelassen hatten, kam es während des Kampfes der Griechen gegen die osmanische Herrschaft (1821–1830) zu heftigen antijüdischen Gewaltaktionen, so dass viele griechische Juden in das osmanische Saloniki oder auf die von Großbritannien verwaltete Insel Korfu flohen. Die Verfolgung führte vor allem auf dem Peloponnes zur Auflösung der dortigen jüdischen Gemeinden. Als 1891 auf Korfu – seit 1864 zu Griechenland gehörend – Ritualmordgerüchte verbreitet wurden, brachen auf der Insel heftige antijüdische Gewaltexzesse aus. Während des Zweiten Weltkriegs wurden nach der deutschen Okkupation Griechenlands die meisten Juden deportiert, zumeist in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Von den über 70.000 griechischen Juden lebten gegen Ende des Krieges nur noch rund 10.000 Menschen. 
In ihrem Vortrag beschreibt Maria Margaroni die Entwicklung des Antisemitismus von der Neugründung des griechischen Staates im 19. Jahrhundert bis zur Zeit der deutschen Besatzung.

Maria Margaroni, 1969 in Volos Magnissias (Griechenland) geboren, ist Lehrbeauftragte an der Universität Thessaloniki und Doktorandin am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin. Ihre Dissertation unter dem Titel „Ritualmordbeschuldigung auf Korfu: Gerüchte, Wahrnehmungen und antisemitische Konstruktionen in Griechenland am Ende des 19. Jahrhunderts” wird in Kürze abgeschlossen.

Werner Bergmann, 1950 geboren, Soziologe, war Professor für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität Berlin und verantwortlicher Leiter des Forschungskollegs „Antisemitismus in Europas”.