Termine | Vortrag | 18. Juli 2017

Theologische Diskussion um Luther im NS-Staat

Vortrag: Prof. Dr. Heinrich Assel, Greifswald
Moderation: PD Dr. Anke Silomon, Berlin

Begleitprogramm zur Sonderausstellung „‚Überall Luthers Worte …’ – Martin Luther im Nationalsozialismus”

18. Juli 2017, 19 Uhr

Topographie des Terrors, Auditorium
Niederkirchnerstraße 8, Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

(Gemeinsam mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand)

Zur Zeit der Machtübernahme der Nationalsozialisten war die theologische Diskussion um Luther durch drei Denkschulen (Dialektische Theologie, Konfessionalismus, Lutherrenaissance) und zwei Reformprogramme geprägt: das Aufkommen neuer evangelischer Lehren vom Staat als autoritär-faschistischer Staat oder als nationalsozialistische Parteidiktatur und die Bildung einer Deutschen Evangelischen Kirche als Bund selbständiger Volkskirchen kraft eigener Rechtsautonomie und charismatischer Autorität. In Wechselwirkung mit dem sich etablierenden NS-Unrechtsstaat und seiner Gleichschaltung der Kirchen führte dies 1933/34 zu drei fundamentalen Kontroversen, die in unvereinbare Positionen mündeten: Führerstaat oder Verfassungsstaat in der lutherischen politischen Ethik? Volk und Rasse als Schöpfungsordnung oder Herrschaft des „natürlichen Rechts” in der lutherischen Rechtsethik? Führerkirche oder volkskirchliche Bekenntniskirche im lutherischen Verständnis von Kirche?
In seinem Vortrag analysiert Heinrich Assel die Grundzüge dieser Kontroversen, in denen sich die Denkschulen der Lutherforschung neu gruppierten. Er zeigt auch, dass es nach 1938 jüngere Theologen gab, die eine substantielle Revision der politischen Theologie und Rechtsethik vorbereiteten. Sie wurde nach 1945 wirksam.

Heinrich Assel, 1961 geboren, ist Professor für Systematische Theologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen vorgelegt, darunter Der andere Aufbruch. Die Lutherrenaissance – Ursprünge, Aporien und Wege: Karl Holl, Emanuel Hirsch, Rudolf Hermann (1910–1935) (1994) und Leidenschaft für die Theologie (2012). Zu seinen aktuellen Publikationen zählt der Beitrag The Luther Renaissance in „The Oxford Encyclopedia of Martin Luther” (2017). Im Begleitband zur Ausstellung „‚Überall Luthers Worte …’ – Martin Luther im Nationalsozialismus” ist er mit dem Aufsatz Theologische Diskussion um Luther im NS-Staat vertreten.

Anke Silomon, 1966 geboren, arbeitet als Historikerin freiberuflich in Berlin. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte ist die Kirchliche Zeitgeschichte.