Die Arche – ein Ort der Begegnung

Das Arche-Symbol, ein Boot, in dem drei Menschen sitzen, drückt es bereits aus: Die Arche ist ein Ort der Begegnung. Auch ich habe während meines Wirkens in dieser Lebensgemeinschaft von Menschen mit und ohne geistige Behinderung viele interessante, persönliche und prägende Begegnungen erlebt. Lebensgemeinschaft hieß für mich und für uns zusammenleben und zusammenarbeiten.

Anfangs begegneten wir uns mit unseren unterschiedlichen Charaktereigenschaften, Fähigkeiten, Bedürfnissen und Interessen. Dennoch habe ich diese Begegnungen als liebe- und vertrauensvoll erlebt. Und durch viele gemeinsame Aktivitäten, Mahlzeiten, Gespräche, auch beim Teilen von Freud und Leid, wurden die Begegnungen immer vertrauter.

Eine sehr spannende Begegnung erlebte ich mit Aurélien, 30 Jahre, der durch seine geistige Behinderung nicht sprechen kann. Stattdessen kommuniziert er durch eine Zeichensprache, mit Gesten und Lauten. Viele Zeichen konnte er mir selbst beibringen, das erste war das Zeichen für „nett“. Trotz unserer begrenzten Kommunikationsmöglichkeiten erlebte ich unser Miteinanderleben nie als eingeschränkt, denn er konnte durch seine Wege und Methoden auch ohne Worte so Vieles vermitteln, was für mich eine wunderbare Erfahrung war.

Doch nicht nur auf persönlicher Ebene, auch kulturell und religiös ist die Arche ein Ort der Begegnung: Ich hatte Mitarbeiter_ innen aus Frankreich, Deutschland, Italien, der Slowakei und Rumänien. Und obwohl die Arche ein katholisch geprägter Ort ist, waren auch unsere Religionen und Bekenntnisse sehr unterschiedlich. Unsere verschiedenen Kulturen und Traditionen konnten wir zum Beispiel bei Gesprächen, beim Zeigen von Fotos oder beim Kochen miteinander teilen.

So unterschiedlich wir auch geprägt waren, durch unsere kognitiven Fähigkeiten, unsere Herkunft oder unseren Glauben, so waren wir doch miteinander vereint durch die Gewissheit: „Gemeinsam geht es“, ein Leitmotto der Archen. Unsere Vielseitigkeit, die Möglichkeit der Begegnung mit Neuem, Anderen, Unbekannten, bereicherte uns alle.

Von: Susanne Weissenstein, Jahrgang 1996, war Freiwillige in der Arche Wambrechies in Frankreich. Dort lebte und arbeitete sie mit Menschen mit und ohne Behinderungen. Heute studiert sie Theologie.

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