Vielseitige Stimmen für den Frieden

Dagmar Pruin über 50 Jahre Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden e. V. (AGDF)

Vor fünfzig Jahren gründeten ASF, Brethren Service Commission, Christlicher Friedensdienst, Eirene, Weltfriedensdienst, der Ökumenische Bruderdienst, und das Internationale Freundschaftsheim Bückeburg die Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden (AGDF). Heute ist diese Organisation für uns Zentralstelle und Verband und insbesondere ein Ort, an dem wir uns mit anderen Friedensorganisationen, die im kirchlichen Raum beheimatet sind, darüber austauschen, wie Friedensarbeit und freiwillige Friedensdienste begründet und gestaltet werden können. Für mich, die ich seit 2013 im Vorstand der AGDF bin, ist es ein wertvoller und manchmal herausfordernder Ort, denn ASF hat im Konzert der Stimmen auch eine ganz eigene Tonlage.

Das Gründungsdatum der AGDF liegt zehn Jahre nach der Erklärung von Lothar Kreyssig am Rand der Synode in Berlin im Jahre 1958. War auf jener Synode die Frage der Militärseelsorge einer der drängendsten Tagesordnungspunkte, so musste die verfasste evangelische Kirche sich zehn Jahre später der Frage stellen, ob angesichts der wachsenden atomaren Bedrohung die praktizierte Gewaltlosigkeit der einzig denkbare Weg sei oder ob auch die atomare Abschreckung der Friedenssicherung dienen könne. Durch die Formulierung »Friedensdienst mit und ohne Waffen« entschied man sich dafür, beide Wege als theologisch begründbar anzuerkennen.

In diesem Umfeld gründete sich nun ein Verband, der die Auffassung vertritt, dass Gerechtigkeit und Versöhnung mit Gewaltlosigkeit zu verbinden seien und der gerade auch in der Frage der Anerkennung von Friedensdiensten als Zivildienst eine Lobbyagentur gegenüber Kirche und Staat gleichermaßen darstellte. Und dieses gemeinsame Handeln und Agieren ist sehr wertvoll für uns.

Im Gedächtnis sind vielen Menschen bei ASF sicherlich die Kooperationen zwischen ASF und der AGDF in den 1980er Jahren: »Frieden schaffen ohne Waffen« – unter diesem Motto luden ASF und die AGDF zu den Friedenswochen ein und erteilten der Idee der atomaren Abschreckung ihre Absage. Die Demonstration im Bonner Hofgarten, die bis dahin größte Demonstration im Nachkriegsdeutschland, wird auf Initiative beider Organisationen möglich, weil ein minimaler Konsens zwischen den 860 den Aufruf unterzeichnenden Friedensorganisationen gefunden werden konnte – ohne die Unterschiede zu verwischen.

Die eigene Stimme von ASF in der AGDF besteht für mich darin, dass sich ASF anders als die anderen hier verbundenen Organisationen nie ein pazifistisches Grundbekenntnis gegeben hat. Viele Menschen – nicht allein diejenigen, die mit ASF einen Ersatzdienst leisteten – begründeten ihr Engagement bei ASF mit pazifistischen Motiven. Jedoch galt das nicht für die Organisation als Ganzes: Auch in den 1980er Jahren können wir nur von einem »Nuklearpazifismus« sprechen.

Dieses kann wohl auch nicht verwundern in einer Organisation, für die der Rückbezug auf die Zeit des Nationalsozialismus konstitutiv ist und damit auch das Wissen darum, dass die Befreiung von der Herrschaft der Nationalsozialisten durch die Waffengewalt der Alliierten ermöglicht wurde. So gibt es Ambivalenzen mit Blick auf die eigene Geschichte, aber auch durch den Blick auf die ganz konkreten Krisensituationen, in den Ländern in denen wir arbeiten, etwa in Russland und der Ukraine und in Israel. Und das, was wir bei ASF sagen, muss auch im Angesicht der Überlebenden sagbar sein.

Doch gerade weil wir hier von unterschiedlichen Standpunkten kommen, ist die Diskussion mit den anderen Organisationen in der AGDF immer wieder wichtig für uns und ich bin dankbar für die gute Zusammenarbeit und wünsche unserem Dachverband alles erdenklich Gute für die nächsten 50 Jahre!

Dr. Dagmar Pruin, Geschäftsführerin von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, Programmdirektorin von Germany Close Up und Mitglied im Vorstand der AGDF.

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